Jetzt gehts erst los!

Selbst ich habe ihnen zugeschaut und erlebt, wie sie gekämpft haben. Sie haben spannenden Fußball gespielt und halt verloren. Nimmt man Fußball als Beispiel für andere Bereiche, ist die Behauptung zulässig: sie, die Frauen, können es und machen es auf ihre Weise. Im Fall vom Fußball weniger zickenhaft, weniger egomanisch, weniger wehleidig und viel weniger eitel (Haartracht). Vielleicht zeigen uns die Fußballfrauen damit, wo es lang gehen könnte. Die Männerwelt könnte anfangen, darauf zu reagieren: durch normalere Gagen, aber 1:1 aufgeteilt auf beide Geschlechter, und zwar nicht nur im Sport….

Frauen auf dem Fußballfeld

Mit Vielem hätte ich gerechnet, während ich im vergangenen Juli ein wenig abgetaucht war: ganz sicher aber nicht damit, dass Fußball spielende Frauen DAS große Gesprächsthema sein würden. Sowohl am Stammtisch als auch bei zwanglosen Zusammenkünften mit Freunden: die weibliche österreichische Nationalelf ist zum großen Star geworden. So sehr, dass am Sonntag fast alle außer mir den wunderbaren Sonnenuntergang am Teich sturmartig verließen, als es im Fernsehen hieß, jetzt würden die Elfmeter geschossen. Was sich danach thematisch abspielte, brauche ich Ihnen nicht zu erklären. Der Fußball, speziell der weibliche, wurde auf- und ab beredet, sodass ich gar nicht anders konnte, als endlich doch ein wenig genauer hinzuhören. Ich gestehe: als sich kürzlich eine Gruppe „meiner“ katholischen Frauenbewegung aufmachte, um beim Kampf um das Viertelfinale eben jener seither so gefeierten österreichischen Frauenmannschaft in Rotterdam live dabei zu sein, dachte ich noch an eine vielleicht fernwehbedingte Marotte. Viel zu spät danach merke ich, dass meine Damen mehr als einen guten Riecher hatten. Keineswegs möchte ich mich in dieser Kolumne in die Geschäfte der geschätzten Sportredaktion mischen, weil ich, wie alle meine Freunde und Bekannten leidlich wissen, von Sport im Allgemeinen und von Fußball im Besonderen weder Ahnung habe, noch dies auch haben möchte. Einige Beobachtungen scheinen mir aber auch für mein Metier durchaus interessant zu sein. So höre ich, das bis jetzt so sensationell erfolgreiche Frauenteam verstünde es viel besser als die Männer, Bälle aufeinander zuzuspielen. Man spüre den Teamgeist und sehe nicht bloß Solisten auf dem Spielfeld. Weiters: im ganzen Verhalten würden sich die Damen deutlich unkomplizierter und normaler geben als die männliche Kollegenschar. Etwa im Gerangel um den Ballbesitz, wo es geradezu natürlich sei, dass dabei der eine oder die andere einmal zu Boden gehe. Während männliche Fußballer sofort von halben Spitalsteams verarztet werden müssen, bevor sie wieder spielfähig sind, würden Frauen von alleine problemlos aufstehen und weiterspielen. Und auch was den bei männlichen Fußballern schon durchaus lächerlichen Haarschmuck betrifft, scheinen die Damen auf Natürlichkeit zu setzen und keine langen Friseursitzungen zu benötigen, bevor sie sich auf den Rasen wagen. Ein Haarspangerl oder ein gewöhnlicher Gummi reichen, um die Haare fuß- und fernsehtauglich zu machen. Fragen Sie nicht, was ihre männlichen Kollegen aufwenden, um ihrem fragwürdigen Starimage gerecht zu sein. Bleiben die Gagen. Ich höre und lese von gigantischen Unterschieden zwischen Damen und Herren und frage mich einmal mehr nach den Gründen. Wenn es die österreichischen Frauen im Fußball schon jetzt weiter geschafft haben als den Herren jemals gelungen ist und die Zuschauerquoten weit über denen des Männerfußballs liegen, würde doch eine Gagenumkehr angebracht sein, oder: um es bei der angenehmen Normalität der Sportlerinnen zu belassen, auch hier zu einem allgemein nachvollziehbaren Mittelmaß zu finden: aber auf jeden Fall gerecht aufgeteilt zwischen Damen und Herren.

Heikle Einladung: Verständnis für Muslime

Ich möchte ungern in ihrer Haut stecken: 1 Monat lang tagsüber weder essen noch trinken, und das bei dieser Hitze, die den heurigen Ramadan im vergangenen Juni begleitet hat. Der heilige Monat der Muslime sollte aber auch Nicht-Muslimen Respekt abverlangen und nicht mitleidig lächelnde Verachtung. Immerhin ist das Opfer, das die Gläubigen in diesen 4 Wochen bringen, nicht unbeträchtlich. Es ist ein rein religiöses Opfer mit dem Ziel der inneren Reinigung. Und es ist erstaunlich, mit welcher Geschlossenheit sich auch die bei uns im Westen lebenden Muslime daran beteiligen. Sie könnten uns ein Beispiel sein. Immerhin gäbe es auch bei uns die beiden Fastenzeiten vor Weihnachten und Ostern. Dass sich die Mehrheit der Christen darum sehr kümmern würde, ist mir schon lange nicht mehr aufgefallen.

Ein Zweites: weil seit des großen Zustroms von Flüchtlingen die Zahl von Vergewaltigungen nach oben geht, wird das ohne lang nachzudenken muslimischen Männern in die Schuhe geschoben. Der Zusammenhang mit den Eingewanderten mag stimmen, aber: hängt das auch ursächlich mit ihrer Religion zusammen? Ich bestreite das vehement und wage die Behauptung: wären die Zugewanderten Mitglieder anderer, meinetwegen auch christlicher Religionen, gäbe es genauso viele Vergewaltigungen. Weil Triebe eben einmal stärker sind als Gebote. Klar sind Vergewaltigungen abzulehnen und zu verfolgen, klar sind Frauen davor zu bewahren, aber: dass allein stehende junge Männer, die hier im Westen beim endlos langen Warten auf den Asylbescheid praktisch dem Nichtstun ausgesetzt sind, auf schlimme Gedanken kommen, kann ich verstehen. Die Steigerung bei Vergewaltigungen ist daher in erster Linie diesem Umstand anzurechnen und nicht dem Faktum, dass diese Männer Muslime sind. Außerdem ist es eine Tatsache, dass sich die überwiegende Zahl der Flüchtlinge nichts zuschulden kommen lässt. Diese Menschen sind wie wir: nicht besser, aber auch nicht schlechter.

Und ein Drittes: es ist keine Floskel, wenn große Kirchenführer immer wieder von den drei großen Bruder- oder Schwesterreligionen sprechen: Juden, Christen und Moslems sind in ihrer religiösen Anschauung tatsächlich viel enger verwandt als gemeinhin wahrgenommen wird. Als gemeinsamer Stammvater gilt Abraham. Das Judentum begann mit dem Auszug aus Ägypten vor 3250 Jahren immer mehr Gestalt anzunehmen. Im Lauf der Geschichte sind die Wege jedoch auseinander gegangen: vor 2000 Jahren entwickelte sich daraus das Christentum, vor 1500 Jahren kamen die Moslems dazu. Zwischen den Religionen gab es deutlich längere Zeiten des absolut friedlichen Miteinanders als des wild kämpferischen Gegeneinanders. Letzteres sollten wir auch jetzt nicht einreißen lassen. Und vor allem sollten wir uns hüten, den Muslimen soziale Fehlentwicklungen in die Schuhe zu schieben, die sich bei uns abzeichnen, die aber nicht das Geringste mit ihnen zu tun haben, sondern mit eigenen v.a. politischen Versäumnissen in der jüngsten Vergangenheit.

Und noch etwas: wie vernünftiges Neben- und Miteinander von Religionen aussehen kann, demonstrieren evangelische und katholische Kirche gerade in Oberösterreich schon lange. Schönster Höhepunkt war das heurige Fronleichnamsfest auf dem Linzer Domplatz, das von Gläubigen beider Kirchen mit Superintendent und Bischof gemeinsam gefeiert wurde. Resumee: es geht schon, wenn nur alle wollen.

 

Österreichs jüngste Hoffnung

Kaum hat Sebastian Kurz  die ehemalige christlich-soziale ÖVP zu seinem Wahlverein umgemodelt, zeigt sich, was er damit meint. Finanzminister Schelling hat es gestern kundgetan: Hartz IV für Österreich nach deutschem Vorbild. Einsparungspotenzial: mehr als 1 Milliarde Euro. Hintergedanke: wer keine Arbeit hat, ist nur zu faul dazu. Übersehene Wahrheit: die allermeisten Joblosen möchten arbeiten, finden aber nichts Passendes oder sind aus den diversesten Gründen nicht in der Lage dazu. Hartz IV verbessert nur die Staatskassen, verschlechtert aber das Leben von vielen Landsleuten. Ein Armutszeugnis für einen reichen Staat wie Österreich.

Gedanken beim Einkaufen

Butter aus Irland, Wein aus Australien, Steak aus Argentinien. Ein Gang durch einen x-beliebigen Supermarkt präsentiert uns lukullisch die halbe, ja fast die ganze Welt. Ich erinnere mich an Gespräche mit älteren Angehörigen, die immer wieder erzählen, dies oder jenes habe es früher überhaupt nicht zu kaufen gegeben. Man war zufrieden, die allerwichtigsten Grundnahrungsmittel bekommen zu haben. Die Welt ist inzwischen kleiner geworden, fast alle waren irgendwann einmal im Ausland, man lernte neue Geschmäcker kennen und schätzen und die Händler holten die teilweise exotischen Waren über diverse Handelsverträge ins Land. Dagegen ist wenig einzuwenden. Merkwürdig ist nur die Preisgestaltung. Butter aus Irland kostete in einem Supermarkt kürzlich weniger als Butter aus Österreich. Genauso der Wein aus Italien. Wie denn das, fragt mich der Hausverstand. Ist der Transport über hunderte Kilometer etwa gratis? Oder, wenn das nicht der Fall ist: was bekommen dann die irischen Bauern oder die italienischen Winzer eigentlich noch für ihr Produkt? Sicher: in Österreich sind die Produktionsbedingungen schwieriger als anderswo in der Welt. Kleinteiligkeit, Berglandschaften verhindern den Einsatz riesiger Maschinen, die anderswo die Produktion drastisch verbilligen, aber trotzdem: auch diese Maschinen haben ihren Preis. Es ist und bleibt merkwürdig, wenn Waren aus ferner Herren Länder billiger sind als vergleichbare Produkte von unseren heimischen Bauern. Viel wird und wurde über TTIP und CETA diskutiert. Es sind Freihandelsverträge, von denen sich vor allem unsere heimische Industrie noch bessere Exportchancen erhofft. Dass der amerikanische Präsident Donald Trump TTIP ablehnt, macht ihn zumindest in diesem Punkt zu einem Verbündeten der bunten Gegnerschaft in Europa, was angesichts seiner sonstigen In-Akzeptanz durchaus kurios ist. Aber CETA zielt auf eine Handelspartnerschaft mit Kanada und könnte schon bald Realität werden. Den Bauern graut es, wenn sie daran denken. Es ist weniger das gern polemisch und vielzitierte Chlorhuhn, das sie fürchten, sondern eine gewaltige Konkurrenz durch Lebensmittel, die jenseits des Atlantik günstigst erzeugt werden und mithilfe der neuen Verträge die heimischen Preise unterlaufen. Beispiel irische Butter: welche Einkäuferin, die auf ihre Ausgaben achtet, greift im Supermarkt nicht lieber zu diesem Produkt, wenn sie sich damit ein paar Cent sparen kann. Dass die Qualität stimmt, darauf kann sie sich verlassen, weil es ihr die heimische Lebensmittelkontrolle und auch der Supermarkt garantieren. Wahrscheinlich ist die Idee naiv: aber eine Preisgestaltung, die darauf Bezug nimmt, in welchem Abstand von Österreich die Waren erzeugt worden sind, könnte unsere Landwirtschaft entlasten. Zwei Möglichkeiten bieten sich an: Strafzölle (die Trump favorisiert) oder, was mir sinnvoller erscheint, teurere Transportkosten (Erhöhung der Mineralölsteuer). Jeder soll Butter, Wein und Steak kaufen können, wie und von wo es ihm beliebt. Aber Butter aus Irland, Wein aus Italien und Steak aus Australien MÜSSEN teurer sein als Vergleichsprodukte aus Österreich. Mit und ohne TTIP oder CETA. Sind sie das nicht, bedeutet das über kurz oder lang das Ende unserer Landwirtschaft, aber auch das Ende dessen, was wir den ausländischen Touristen als unser schönes und vielgestaltiges Österreich anbieten.

Überraschende Erinnerung

Nur noch (wir) Ältere können mit dem Namens Hans Innerlohinger etwas anfangen. Er war in den 1960-er und 70-er Jahren DER legendäre Voest-Kaplan. Hubert Gaisbauer hat ihm in den heutigen Morgengedanken auf Ö 1 ein akustisches Denkmal gesetzt. Der Hans war ein Unikum, manche würden sagen, ein „Urviech“. Mit allen per Du, sprich auf Augenhöhe, ohne Ansatz von jeglichem Standesdünkel kämpfte er um Gerechtigkeit für die einfachen Arbeiter und Pendler. Goschert war er, manchmal auch zu kantig, sogar für die Gewerkschaft. Er verkörperte schon damals das, was heutige Theologen als großes Ziel formulieren: bei den Menschen sein, ihre Sprache sprechen, ihre Orte aufsuchen. Der Hans brauchte diese Theorien nicht. Er lebte sie und war dadurch glaubwürdig. Auch für seine Kirche war er unbequem, aber gelitten. Aussagen wie „der Hunger muss auf dieser Welt gestillt werden, nicht erst im Himmel“, erschienen manchen hochdekorierten Mitbrüdern damals mitunter doch etwas zu wenig geistlich… Aber weil es der Hans war, ließ man es (wohlweislich) gelten. 2000 ist Innerlohinger 69-jährig gestorben. Hubert Gaisbauer hat ihn heute früh im Radio dankenswerter Weise ein wenig auferstehen lassen. Passenderweise wenige Tage vor dem Tag der Arbeit.

Beinharte Fragen sind Zeichen journalistischer Freiheit

Dunkel erinnere ich mich daran, in meinen ORF-Jahrzehnten selbst so einer gewesen zu sein, der mit dem Mikro gern auch durchaus frech nachgefragt hat und das solange, bis er eine brauchbare und verständliche Antwort bekommen hat. Nicht immer war ich mir sicher, ob der Bogen vielleicht nicht schon überspannt war. Aber die Alternative: nicht zu fragen oder meinem Gegenüber nur Fragen zu stellen, die diese Bezeichnung nicht verdienen, das wäre mir niemals in den Sinn gekommen, alleine schon aus Respekt vor der Person und der Position des Befragten. Ich verstehe es gut, dass vor allem Politiker jetzt immer öfter einmahnen, in den nächtlichen Infosendungen weniger hart befragt zu werden. Ich verstehe es aber überhaupt nicht, dass sogar hohe Funktionäre des ORF angebliche „Verhörmethoden“ abschaffen wollen oder sollen. Derartiges zu beabsichtigen ist ein offener Anschlag auf das hohe Gut der hart umkämpften journalistischen Freiheit in unserer Demokratie. Klar wird manchmal der Bogen überspannt. Das ist aber das kleinere Übel angesichts der jetzt offenbar erwünschten Möglichkeit, künftig nur noch parteigenehme Fragen stellen zu dürfen.