Rechtsruck mit Folgen

Der Wähler hat immer Recht, sagt die Demokratie. Ob es aber gut ist, was die jeweils meisten angekreuzt haben, das ist die andere Frage. Österreich hat sich bei der jüngsten Nationalratswahl deutlich verändert. Der Rechtsruck ist augenscheinlich und bedenklich. Wer immer dieses Land künftig regieren und mitregieren wird, muss rechte Positionen wahrnehmen. Was das konkret bedeutet, kann man in Oberösterreich ganz gut erkennen, wo seit zwei Jahren schwarz-blau regiert. Es gibt massive Einschnitte im Sozialbereich, im Bildungs- und auch im Kulturbereich. Das Land ist kälter geworden, diese Entwicklung droht nach der Wahl auch dem Staat.
Auch Christen müssen ein demokratisches Wahlergebnis akzeptieren. Wir lassen es uns aber nicht nehmen, aufzustehen und aufzuschreien, wenn Menschen unter die Räder kommen oder versucht werden sollte, auf die Freiheit von Bildung und Kultur politisch Einfluss zu nehmen.

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Bedrohliche Jagdgesellschaft

Wir werden sie jagen. Diese vier Wörter des AfD-Spitzenmannes sagen eigentlich alles. Erschreckend zeigen sie, wofür diese Alternative für Deutschland steht, die es im Bundesland Sachsen sogar zur stimmenstärksten Partei gebracht hat. Diese Menschenjäger haben nichts gelernt aus der deutschen Geschichte. Nicht einmal hundert Jahre ist es her, dass hier Menschen aus nichtigem Grund gejagt und wie Tiere getötet wurden. Und jetzt wird wieder zur Jagd geblasen: auf alle, die nicht ihrer Meinung sind wahrscheinlich. Auf Gläubige und Andersgläubige, auf Menschen mit anderer Hautfarbe und Herkunft. Auf alles andere irgendwie. Wie groß muss die Angst dieser Jäger sein…

Gedanken zu Schulbeginn

Ein Akademiker, der seit vielen Jahren als Busfahrer arbeitet, hat kürzlich mediales Aufsehen erregt und auch mich zum Nachdenken gebracht. Wie kann ein „Studierter“ nur so tief fallen, das war die Assoziation, die damit geweckt wurde. Ich teile diese Verbindung absolut nicht. Als nebenberuflicher Reiseleiter hege ich Busfahrern gegenüber vielmehr höchste Achtung und Anerkennung. Sie tragen nicht nur enorme Verantwortung, ihre Gäste heil ans Ziel zu bringen, sondern wissen aufgrund ihrer langen Erfahrung mitunter mehr über Land und Leute zu erzählen als die neben ihnen sitzenden Reiseleiter. Doch darum geht es mir hier nicht. Ich denke viel mehr über berufliche Veränderungen nach, die in künftigen Jahren viel öfter an der Tagesordnung sein werden als bisher. Die Zeiten, wo jemand in seinem allerersten Job oder gar in seiner allerersten Firma in Pension geht, scheinen nach Ansicht vieler Experten längst vorbei zu sein. Und berufliche Umstiege kennen wohl alle bereits aus ihrer nächsten Umgebung. Hier arbeitet ein absolvierter Chemiker als Journalist, dort eine Juristin als Lebensberaterin, ich kenne einen Doktor der Limnologie, der höchst erfolgreich als Bierbrauer werkt, aber auch einen Elektriker, der es zum Psychologen gebracht hat. Und wieder schwingt die absolut unzulässige Wertung mit: Berufe mit akademischem Abschluss stünden über solchen, die eine Lehre als Basis haben. Stehen sie überhaupt nicht. Es sind einfach die verschiedensten Kompetenzen, die sich Menschen bei entsprechendem Interesse und Begabung aneignen können und mit deren Hilfe sie sich selbst möglichst gut zu verwirklichen suchen. Vielleicht eben nur eine Zeit lang, um dann wieder etwas Anderes zu versuchen.

Ich schreibe das bewusst zu Schulanfang. Weil ich Kinder kenne, die mit Sicherheit in der falschen Schule sitzen und von ihren Eltern mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln bis zur Matura getrieben werden. So als ob dieser Abschluss späteres Lebensglück garantieren würde. In Wahrheit kann selbst sie seelisch verkrüppelte Menschen zurücklassen, wenn das gymnasiale Angebot über dem (momentanen) Interesse des Schülers gelegen ist. Natürlich sind Schulen keine Wellness-Institute. Es ist ihre wichtige Aufgabe, Kindern das beizubringen, was gesellschaftlich verlangt wird und auch wichtig ist: Lesen, Schreiben, Rechnen, dazu aber auch erste genauere Einblicke in alle möglichen Spezialgebiete, mit denen wir heute konfrontiert sind. Es ist aber nicht so, dass ein Schüler, der etwa in Physik die Ohren zumacht, automatisch und generell als unbegabt zu qualifizieren wäre. Vielleicht ist er ein guter Zeichner, dem die Welt später als Maler oder Musiker zu Füßen liegt. Oder der uninteressierte Musiker macht sich später als gefragter Elektriker oder Tischler oder eben als Busfahrer einen Namen und wird darin glücklich. Letztendlich geht es um das Glück und um die Zufriedenheit des einzelnen Menschen. Institutionen wie die Schule können dazu einen enormen Beitrag leisten, wenn sie es schaffen, vorhandene Begabungen zu definieren und den hoffentlich vernünftigen Eltern den möglichen Weg anzuzeigen, den ihr Kind dorthin gehen könnte. Abzweigungen in alle Richtungen sind dabei nicht ausgeschlossen. Sie alle sind gleich wertvoll.

Jetzt gehts erst los!

Selbst ich habe ihnen zugeschaut und erlebt, wie sie gekämpft haben. Sie haben spannenden Fußball gespielt und halt verloren. Nimmt man Fußball als Beispiel für andere Bereiche, ist die Behauptung zulässig: sie, die Frauen, können es und machen es auf ihre Weise. Im Fall vom Fußball weniger zickenhaft, weniger egomanisch, weniger wehleidig und viel weniger eitel (Haartracht). Vielleicht zeigen uns die Fußballfrauen damit, wo es lang gehen könnte. Die Männerwelt könnte anfangen, darauf zu reagieren: durch normalere Gagen, aber 1:1 aufgeteilt auf beide Geschlechter, und zwar nicht nur im Sport….

Frauen auf dem Fußballfeld

Mit Vielem hätte ich gerechnet, während ich im vergangenen Juli ein wenig abgetaucht war: ganz sicher aber nicht damit, dass Fußball spielende Frauen DAS große Gesprächsthema sein würden. Sowohl am Stammtisch als auch bei zwanglosen Zusammenkünften mit Freunden: die weibliche österreichische Nationalelf ist zum großen Star geworden. So sehr, dass am Sonntag fast alle außer mir den wunderbaren Sonnenuntergang am Teich sturmartig verließen, als es im Fernsehen hieß, jetzt würden die Elfmeter geschossen. Was sich danach thematisch abspielte, brauche ich Ihnen nicht zu erklären. Der Fußball, speziell der weibliche, wurde auf- und ab beredet, sodass ich gar nicht anders konnte, als endlich doch ein wenig genauer hinzuhören. Ich gestehe: als sich kürzlich eine Gruppe „meiner“ katholischen Frauenbewegung aufmachte, um beim Kampf um das Viertelfinale eben jener seither so gefeierten österreichischen Frauenmannschaft in Rotterdam live dabei zu sein, dachte ich noch an eine vielleicht fernwehbedingte Marotte. Viel zu spät danach merke ich, dass meine Damen mehr als einen guten Riecher hatten. Keineswegs möchte ich mich in dieser Kolumne in die Geschäfte der geschätzten Sportredaktion mischen, weil ich, wie alle meine Freunde und Bekannten leidlich wissen, von Sport im Allgemeinen und von Fußball im Besonderen weder Ahnung habe, noch dies auch haben möchte. Einige Beobachtungen scheinen mir aber auch für mein Metier durchaus interessant zu sein. So höre ich, das bis jetzt so sensationell erfolgreiche Frauenteam verstünde es viel besser als die Männer, Bälle aufeinander zuzuspielen. Man spüre den Teamgeist und sehe nicht bloß Solisten auf dem Spielfeld. Weiters: im ganzen Verhalten würden sich die Damen deutlich unkomplizierter und normaler geben als die männliche Kollegenschar. Etwa im Gerangel um den Ballbesitz, wo es geradezu natürlich sei, dass dabei der eine oder die andere einmal zu Boden gehe. Während männliche Fußballer sofort von halben Spitalsteams verarztet werden müssen, bevor sie wieder spielfähig sind, würden Frauen von alleine problemlos aufstehen und weiterspielen. Und auch was den bei männlichen Fußballern schon durchaus lächerlichen Haarschmuck betrifft, scheinen die Damen auf Natürlichkeit zu setzen und keine langen Friseursitzungen zu benötigen, bevor sie sich auf den Rasen wagen. Ein Haarspangerl oder ein gewöhnlicher Gummi reichen, um die Haare fuß- und fernsehtauglich zu machen. Fragen Sie nicht, was ihre männlichen Kollegen aufwenden, um ihrem fragwürdigen Starimage gerecht zu sein. Bleiben die Gagen. Ich höre und lese von gigantischen Unterschieden zwischen Damen und Herren und frage mich einmal mehr nach den Gründen. Wenn es die österreichischen Frauen im Fußball schon jetzt weiter geschafft haben als den Herren jemals gelungen ist und die Zuschauerquoten weit über denen des Männerfußballs liegen, würde doch eine Gagenumkehr angebracht sein, oder: um es bei der angenehmen Normalität der Sportlerinnen zu belassen, auch hier zu einem allgemein nachvollziehbaren Mittelmaß zu finden: aber auf jeden Fall gerecht aufgeteilt zwischen Damen und Herren.

Heikle Einladung: Verständnis für Muslime

Ich möchte ungern in ihrer Haut stecken: 1 Monat lang tagsüber weder essen noch trinken, und das bei dieser Hitze, die den heurigen Ramadan im vergangenen Juni begleitet hat. Der heilige Monat der Muslime sollte aber auch Nicht-Muslimen Respekt abverlangen und nicht mitleidig lächelnde Verachtung. Immerhin ist das Opfer, das die Gläubigen in diesen 4 Wochen bringen, nicht unbeträchtlich. Es ist ein rein religiöses Opfer mit dem Ziel der inneren Reinigung. Und es ist erstaunlich, mit welcher Geschlossenheit sich auch die bei uns im Westen lebenden Muslime daran beteiligen. Sie könnten uns ein Beispiel sein. Immerhin gäbe es auch bei uns die beiden Fastenzeiten vor Weihnachten und Ostern. Dass sich die Mehrheit der Christen darum sehr kümmern würde, ist mir schon lange nicht mehr aufgefallen.

Ein Zweites: weil seit des großen Zustroms von Flüchtlingen die Zahl von Vergewaltigungen nach oben geht, wird das ohne lang nachzudenken muslimischen Männern in die Schuhe geschoben. Der Zusammenhang mit den Eingewanderten mag stimmen, aber: hängt das auch ursächlich mit ihrer Religion zusammen? Ich bestreite das vehement und wage die Behauptung: wären die Zugewanderten Mitglieder anderer, meinetwegen auch christlicher Religionen, gäbe es genauso viele Vergewaltigungen. Weil Triebe eben einmal stärker sind als Gebote. Klar sind Vergewaltigungen abzulehnen und zu verfolgen, klar sind Frauen davor zu bewahren, aber: dass allein stehende junge Männer, die hier im Westen beim endlos langen Warten auf den Asylbescheid praktisch dem Nichtstun ausgesetzt sind, auf schlimme Gedanken kommen, kann ich verstehen. Die Steigerung bei Vergewaltigungen ist daher in erster Linie diesem Umstand anzurechnen und nicht dem Faktum, dass diese Männer Muslime sind. Außerdem ist es eine Tatsache, dass sich die überwiegende Zahl der Flüchtlinge nichts zuschulden kommen lässt. Diese Menschen sind wie wir: nicht besser, aber auch nicht schlechter.

Und ein Drittes: es ist keine Floskel, wenn große Kirchenführer immer wieder von den drei großen Bruder- oder Schwesterreligionen sprechen: Juden, Christen und Moslems sind in ihrer religiösen Anschauung tatsächlich viel enger verwandt als gemeinhin wahrgenommen wird. Als gemeinsamer Stammvater gilt Abraham. Das Judentum begann mit dem Auszug aus Ägypten vor 3250 Jahren immer mehr Gestalt anzunehmen. Im Lauf der Geschichte sind die Wege jedoch auseinander gegangen: vor 2000 Jahren entwickelte sich daraus das Christentum, vor 1500 Jahren kamen die Moslems dazu. Zwischen den Religionen gab es deutlich längere Zeiten des absolut friedlichen Miteinanders als des wild kämpferischen Gegeneinanders. Letzteres sollten wir auch jetzt nicht einreißen lassen. Und vor allem sollten wir uns hüten, den Muslimen soziale Fehlentwicklungen in die Schuhe zu schieben, die sich bei uns abzeichnen, die aber nicht das Geringste mit ihnen zu tun haben, sondern mit eigenen v.a. politischen Versäumnissen in der jüngsten Vergangenheit.

Und noch etwas: wie vernünftiges Neben- und Miteinander von Religionen aussehen kann, demonstrieren evangelische und katholische Kirche gerade in Oberösterreich schon lange. Schönster Höhepunkt war das heurige Fronleichnamsfest auf dem Linzer Domplatz, das von Gläubigen beider Kirchen mit Superintendent und Bischof gemeinsam gefeiert wurde. Resumee: es geht schon, wenn nur alle wollen.

 

Österreichs jüngste Hoffnung

Kaum hat Sebastian Kurz  die ehemalige christlich-soziale ÖVP zu seinem Wahlverein umgemodelt, zeigt sich, was er damit meint. Finanzminister Schelling hat es gestern kundgetan: Hartz IV für Österreich nach deutschem Vorbild. Einsparungspotenzial: mehr als 1 Milliarde Euro. Hintergedanke: wer keine Arbeit hat, ist nur zu faul dazu. Übersehene Wahrheit: die allermeisten Joblosen möchten arbeiten, finden aber nichts Passendes oder sind aus den diversesten Gründen nicht in der Lage dazu. Hartz IV verbessert nur die Staatskassen, verschlechtert aber das Leben von vielen Landsleuten. Ein Armutszeugnis für einen reichen Staat wie Österreich.