Konzentriert ins Out

Selbst wenn jemand ideologisch immer wieder mit „Ehemaligen“ sympathisiert oder sich gerne mit solchen umgeben hat: sobald er als Innenminister einer demokratischen Republik amtiert, dürfen Vokabel nicht mehr vorkommen, die an die unseligsten Zeiten der Vergangenheit erinnern: Auschwitz, Dachau, Mauthausen oder andere ehemalige Konzentrationslager. Spielt er trotzdem mit dem Vokabel „konzentriert“ oder rutscht ihm das auch nur so beiläufig aus, ist seine politische Zeit abgelaufen, und zwar sofort, wenn er nur einen Funken von Gewissen und Anstand hat.

Advertisements

Kleingeistige Sparmaßnahme

Es mag gesetzlich korrekt sein, ausländischen Pflegerinnen die Kinderbeihilfe zu kürzen. Anständig ist es keinesfalls. Und auch schwer nachvollziehbar: diese Frauen, die ihre schwer verdienten Einkommen genauso versteuern wie alle anderen, über den Umweg der Kinderbeihilfe zu schröpfen. Bestraft werden letztlich die heimischen Pflegefamilien, weil wahrscheinlich die Tarife ansteigen werden. Ob Pflege dann noch leistbar bleibt? Und was spart sich der Staat unterm Strich wirklich über diese unfeine und kleingeistig wirkende Maßnahme?

Gute Predigten sind politisch!

In Deutschland sind Weihnachtspredigten ins Gerede gekommen, weil sie zu politisch ausgefallen seien, wie der Chefredakteur einer Zeitung feststellte. Sein aufregender Satz: „wer soll eigentlich noch freiwillig in eine Christmette gehen, wenn er am Ende einer Predigt denkt, er hat einen Abend bei den Jusos bzw. der Grünen Jugend verbracht?“ Meine Gegenfrage: wie sonst sollen gute Predigten sein als politisch? Wobei zu definieren ist, was politisch in diesem Fall meint. Sicher nicht politisch im Sinne einer Partei. Das Programm einer parteipolitischen Organisation wiederzugeben ist tatsächlich nicht Aufgabe einer Predigt, ganz im Gegenteil. Kirchliche Vertreter haben sich aus gutem Grund um eine entsprechende Distanz zum Staat zu bemühen. Viel zu lang waren Staat und Kirchen gerade in Österreich unheilvoll miteinander verschmolzen. Aber distanziert zu sein von Organisationen heißt noch lange nicht, deren Programme und Taten kommentarlos zu schlucken und hinzunehmen. Christlich gesinnte Menschen haben immerhin die Bibel, an deren wohl und hoffentlich richtig interpretierten Aussagen die Geschehnisse in unserer Welt zu messen sind. Wie da etwa wären die Positionen gegenüber Asylsuchenden oder Fragen zum Schutz unserer Welt. Die Würde des Menschen ist ein weiterer dieser ganz wichtigen Meilensteine, auf die zu achten Christen immer gefordert sind, wenn sie sich als solche ernst nehmen. Nicht nur, was sie selbst, sondern vor allem, was die Mitmenschen in ihrer Umgebung betrifft. Und damit wird das Thema durchaus politisch, weil öffentlich. Sich dem nicht zu stellen, käme einer Art „Wellness-Christentum“ gleich, wie es der Religionssoziologe Paul Zulehner zu Recht formuliert hat. Wenn nun Prediger gerade zu Weihnachten das eine oder andere Umdenken etwa in der Flüchtlingsfrage einmahnen, was derzeit Not tut, so ist das nicht billig abgekupfertes rotes oder grünes Jugend-Parteiprogramm, sondern der Hinweis auf recht verstandenes und gelebtes Evangelium, das gerade durch die Weihnachtsgeschichte eine ganz besondere Brisanz erfährt und das sich selbstverständlich auch in dem einen oder anderen Parteiprogramm spurenhaft wiederfinden kann. Wie wichtig und konkret solche Hinweise sind, zeigt ein Vorfall, der sich in der Nacht auf den Heiligen Abend auf dem Grenzübergang Österreich-Italien abgespielt hat. Ein vermutlich illegal einreisender Flüchtling wurde nach einem wahrscheinlichen Stromschlag tot auf dem Dach eines Container-Güterzuges gefunden. Diese Zeitungsmeldung kommentierten Leser im Internet auf schaurig-hämische Weise wie: „endlich gute Nachrichten“, oder „für was Strom nicht alles gut ist“. Alleine diese beiden von vielen anderen ähnlich gräulichen Postings zeigen, dass es viel zu wenige politische Predigten in unserem Land gibt. Wobei mir klar ist, dass Schreiber solcher Zeilen dort wohl ohnedies nicht erreicht werden können. Und wenn doch, dann unter jenen Messbesuchern, für die Weihnachten bloß süß und schönes Brauchtum ist, aber nicht den leisesten Funken mit ihrer Lebenseinstellung zu tun hat. Ein Lob also für jene (leider zu wenigen) Prediger, die zu den Feiertagen und das Jahr über Woche für Woche versuchen, unserem Leben die richtige Orientierung anzubieten.

#christlichgehtanders

Konzentrierte Quartiere für Asylwerber

Nicht mehr privat und aufs ganze Land verteilt, möchte der künftige blaue Klubobmann im Parlament die Asylwerber künftig wohnen lassen. Private Unterbringung ermögliche zuviel Integration, was der Ideologie von Johann Gudenus widerspricht. Wichtig sei das Bild nach außen, dass Österreich für Einreisende doch nicht so gemütlich sei.

Hat man das recht verstanden? Asylwerber in Gebieten konzentrieren, wo wenig Menschen leben? Erinnert das nicht doch ein wenig zu auffällig an längst vergangene Zeiten? Und so ein Vorstoß gleich am Tag nach der Angelobung der neuen Bundesregierung! Dazu noch das feige Herumgerede der neuen blauen Minister, von Ö 1 auf die abstruse Idee von Gudenus angesprochen: „noch nie gehört, das müssen sie den Johann schon selbst fragen…“

Ich bin überzeugt, christlich geht anders! Auch wenn 3 von 4 Bürgern die Idee von den Konzentrations-Quartieren womöglich für gut finden. Aber die haben diese Regierung auch so gewählt, wie sie jetzt ist. Man darf sich nicht wundern, dass die jetzt auch in diesem Sinne zu agieren beginnt.

 

#christlichgehtanders

Führe uns nicht in Versuchung

Also ehrlich: mir fallen ja noch viele Gebetsformulierungen ein, die höflich gesagt, optimierbar wären. Aber: glaubt von Euch wirklich jemand an einen Gott, der seinen Spaß daran hat, uns Menschen in eine wie immer geartete Versuchung zu verführen? Mit Verlaub: ein derartiges Verhalten kann ich nicht als göttlich erkennen.

Skandalöse Weihnachten

Oberösterreich hat es vorgemacht, die Stadt Linz überholt rechts und unsere Regierungsverhandler sind sich in dieser Frage auch schon einig: viele Menschen werden eiskalt in bittere Armut gestürzt. Die drei letzten Präsidenten der Caritas, Schüller, Küberl und Landau haben Recht: es ist ein Skandal, wie hierzulande neuerdings mit notbedürftigen Menschen umgegangen wird. „Bisher war es möglich, zwischen links und rechts, zwischen Sozialpartnern und Regierung immer wieder einen vernünftigen Kompromiss zu finden“, sagte neulich Bundespräsident a.D. Heinz Fischer. Darauf vertraue er auch in Zukunft. Die aktuellen politischen Entwicklungen lassen an der Fortsetzung eines guten Weges aber zweifeln. Mit maximal 520 Euro sollen zum Beispiel Menschen ihr monatliches Auslangen finden, denen der Staat bereits die Berechtigung zugesprochen hat, hier bei uns zu bleiben, weil ihnen in ihrer Heimat Verfolgung und Tod drohen. Oder die Grundversorgung, auf die Asylwerber Anspruch haben, denen die Berechtigung zum dauerhaften Bleiben also noch fehlt: Linz schlägt vor, denen nur noch Sachleistungen zu geben, also eine Unterkunft, Verpflegung und 40 Euro Taschengeld pro Monat bei eingeschränkter Bewegungsfreiheit und dem Verbot, einer Arbeit nachzugehen.

Das damit vermittelte Bild erscheint klar und entspricht der im jüngsten Wahlverhalten ausgedrückten erschreckend ängstlichen Grundstimmung im Land: wir und die anderen. Oder noch deutlicher: die anderen wollen wir nicht. Von nun an gibt es Menschen erster und zweiter Klasse. Erfolgreiche und Verlierer. Wer nichts geleistet hat, kriegt auch nichts. Eine brutale und enorm engstirnige Haltung, wie ich meine. Und unlogisch noch dazu: jedem neugeborenen Kind, das naturgemäß auch noch keine finanzielle Vorleistung erbracht haben kann, wird die entsprechende Obsorge selbstverständlich geschenkt.

Zugleich erfährt die Öffentlichkeit, dass etliche Superreiche gesetzlich offenbar völlig gedeckt Milliarden Euro in ausländische Steuerparadiese auslagern und den Staat damit um ein Vielfaches mehr schädigen als eine humane Versorgung von Notbedürftigen kosten würde.

Zugleich aber auch wird bekannt, dass der bisherige Bundeskanzler gehaltsmäßig von 22.000 Euro auf „lächerliche“ 8756 Euro monatlich abstürzen würde, weshalb die SPÖ sein Salär zumindest um 6000 € aufzubessern beschlossen hat. Sei ihm der Zuschuss vergönnt, er zeigt aber, wie ungleich hier gehandelt wird und wie leicht es gehen kann, Geld aufzutreiben, wenn es nur für nötig gehalten wird.

Ich fürchte, in der gesamten Thematik fehlt es am Augenmaß. Weihnachten könnte eine Korrektur sein, wenn man nur genau hinhören wollte auf die Botschaft dieses Festes. Auch der neugeborene Jesus wurde bald nach seiner Geburt zum Flüchtling. Die unzähligen Weihnachts-Beleuchtungen im ganzen Land sind wunderschön, aber sie machen vergessen, dass der, um den es dabei eigentlich geht, heutzutage auch in unserem Land miserabel behandelt würde. Eigentlich ein Weihnachtsskandal.

Mit Volldampf in die Vergangenheit

Wenigstens DAS ist von den Regierungsverhandlungen nach außen gedrungen: die alten Schulnoten werden wieder eingeführt. So als ob das Bildungssystem in Österreich keine anderen Probleme hätte. Aber die Kinder erhalten wieder das, was sie nach Ansicht der türkis-blauen Verhandler am meisten vermissen: 1 – 5. Dass Pädagogen die Wirksamkeit und Aussagekraft von Ziffernnoten begründet anzweifeln, dass Schüler anderer Länder ohne Noten bei PISA besser abschneiden als die unsrigen, dass schlechte Noten nur selten angetan sind, Kinder zu erhöhter Leistung anzustacheln, scheint egal. Hauptsache, alles wird, wie es früher war.

Genauso wie bei der Aufregung über die neue Familienbibel. Der blaue Landeshauptmann Stellvertreter Haimbuchner ärgert sich über eine Übersetzung, die auch Frauen endlich den ihnen zustehenden Stellenwert zukommen lässt. Auch hier dasselbe Muster: vorwärts mit dem Blick zurück…