Gute Predigten sind politisch!

In Deutschland sind Weihnachtspredigten ins Gerede gekommen, weil sie zu politisch ausgefallen seien, wie der Chefredakteur einer Zeitung feststellte. Sein aufregender Satz: „wer soll eigentlich noch freiwillig in eine Christmette gehen, wenn er am Ende einer Predigt denkt, er hat einen Abend bei den Jusos bzw. der Grünen Jugend verbracht?“ Meine Gegenfrage: wie sonst sollen gute Predigten sein als politisch? Wobei zu definieren ist, was politisch in diesem Fall meint. Sicher nicht politisch im Sinne einer Partei. Das Programm einer parteipolitischen Organisation wiederzugeben ist tatsächlich nicht Aufgabe einer Predigt, ganz im Gegenteil. Kirchliche Vertreter haben sich aus gutem Grund um eine entsprechende Distanz zum Staat zu bemühen. Viel zu lang waren Staat und Kirchen gerade in Österreich unheilvoll miteinander verschmolzen. Aber distanziert zu sein von Organisationen heißt noch lange nicht, deren Programme und Taten kommentarlos zu schlucken und hinzunehmen. Christlich gesinnte Menschen haben immerhin die Bibel, an deren wohl und hoffentlich richtig interpretierten Aussagen die Geschehnisse in unserer Welt zu messen sind. Wie da etwa wären die Positionen gegenüber Asylsuchenden oder Fragen zum Schutz unserer Welt. Die Würde des Menschen ist ein weiterer dieser ganz wichtigen Meilensteine, auf die zu achten Christen immer gefordert sind, wenn sie sich als solche ernst nehmen. Nicht nur, was sie selbst, sondern vor allem, was die Mitmenschen in ihrer Umgebung betrifft. Und damit wird das Thema durchaus politisch, weil öffentlich. Sich dem nicht zu stellen, käme einer Art „Wellness-Christentum“ gleich, wie es der Religionssoziologe Paul Zulehner zu Recht formuliert hat. Wenn nun Prediger gerade zu Weihnachten das eine oder andere Umdenken etwa in der Flüchtlingsfrage einmahnen, was derzeit Not tut, so ist das nicht billig abgekupfertes rotes oder grünes Jugend-Parteiprogramm, sondern der Hinweis auf recht verstandenes und gelebtes Evangelium, das gerade durch die Weihnachtsgeschichte eine ganz besondere Brisanz erfährt und das sich selbstverständlich auch in dem einen oder anderen Parteiprogramm spurenhaft wiederfinden kann. Wie wichtig und konkret solche Hinweise sind, zeigt ein Vorfall, der sich in der Nacht auf den Heiligen Abend auf dem Grenzübergang Österreich-Italien abgespielt hat. Ein vermutlich illegal einreisender Flüchtling wurde nach einem wahrscheinlichen Stromschlag tot auf dem Dach eines Container-Güterzuges gefunden. Diese Zeitungsmeldung kommentierten Leser im Internet auf schaurig-hämische Weise wie: „endlich gute Nachrichten“, oder „für was Strom nicht alles gut ist“. Alleine diese beiden von vielen anderen ähnlich gräulichen Postings zeigen, dass es viel zu wenige politische Predigten in unserem Land gibt. Wobei mir klar ist, dass Schreiber solcher Zeilen dort wohl ohnedies nicht erreicht werden können. Und wenn doch, dann unter jenen Messbesuchern, für die Weihnachten bloß süß und schönes Brauchtum ist, aber nicht den leisesten Funken mit ihrer Lebenseinstellung zu tun hat. Ein Lob also für jene (leider zu wenigen) Prediger, die zu den Feiertagen und das Jahr über Woche für Woche versuchen, unserem Leben die richtige Orientierung anzubieten.

#christlichgehtanders

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Führe uns nicht in Versuchung

Also ehrlich: mir fallen ja noch viele Gebetsformulierungen ein, die höflich gesagt, optimierbar wären. Aber: glaubt von Euch wirklich jemand an einen Gott, der seinen Spaß daran hat, uns Menschen in eine wie immer geartete Versuchung zu verführen? Mit Verlaub: ein derartiges Verhalten kann ich nicht als göttlich erkennen.

Das „christliche“ Abendland

Das Radio meldet Verkehrsstau in den Tiroler Schigebieten am 31. Oktober und der Sprecher erklärt den Ansturm mit dem arbeitsfreien Reformations-Tag in Deutschland. Und ich erinnere mich an die Radio-Durchsagen rund um den vergangenen österreichischen Nationalfeiertag: Stau auf so ziemlich allen wichtigen Straßenverbindungen. Nicht anders an vielen anderen Feiertagen, etwa zu Christi Himmelfahrt oder Fronleichnam im Frühling. Freie Tage animieren uns immer mehr zum Wegfahren, zum Urlaub machen, zum individuellen Ausspannen. Dazu sind Feiertage zweifellos zunächst auch einmal da. Abwechslung bieten zum Arbeitsalltag. Und sowohl Österreich als auch unsere Nachbarländer bieten sagenhaft schöne Entspannungs- und Entdeckungsdestinationen an. Es scheint mir dabei jedoch, die Begründung des jeweiligen Feiertags wird immer mehr zur absoluten Nebensache. Hauptsache frei, egal warum. Auch kirchliche Angebote zur Vorbereitung auf größere Feiertage, wie es die Fastenzeiten im Advent oder die Wochen vor Ostern sein sollten, interessieren die breite Masse eher wegen der spezifischen kulinarischen Angebote. Also Punsch und Kekse vor Weihnachten, Fischspezialitäten in der Fastenzeit. Das, was christliche Religionen damit meinen, nämlich die Entschlackung von Geist und Körper, holen wir uns bei Bedarf teuer bezahlt in Kur- und Wellnesseinrichtungen.

Ganz anders muslimische Mitbürger. Der regelmäßig wiederkehrende Ramadan ist ihnen heilig, vor allem aus religiösen, wohl auch aus traditionellen Gründen. Viele pflegen auch das mehrmalige tägliche Gebet in Richtung Mekka. Aber sie machen sich uns Europäern damit nicht selten ein wenig suspekt und fremd. Zugleich warnen dieselben Europäer vor der Islamisierung des Abendlandes, denen die eigene christliche Fest- und Feiertradition nichts mehr bedeutet als die Chance auf einen freien Urlaubstag. Es ist eine merkwürdige Argumentation, dasjenige verteidigt und geschützt haben zu wollen, was man selbst im Grunde nicht mehr pflegt und hochhält. Zugleich aber Menschen schief anzusehen, die ihre Religion samt ihren Ritualen und Vorschriften ganz selbstverständlich leben. Seit einiger Zeit schon stehen in Europa die ersten Kirchen zum Verkauf, auch Klöster werden geschlossen. In Dublin habe ich ein riesiges Pub in einer ehemaligen Kirche erlebt, weitere ehemals gut besuchte Gotteshäuser werden an andere Religionsgemeinschaften übergeben oder dem Verfall preisgegeben, weil sie niemand mehr braucht und sie zur finanziellen Belastung für die Pfarren geworden sind. Der Staat wird sich gerade in finanziell angespannten Zeiten schwer tun, in all diesen Fällen mit Ersatzideen einzuspringen. Fazit: wer sich beklagt, dass Europa seine christliche Tradition zu verlieren droht, sollte darüber nachdenken, wie sehr er selbst durch sein Verhalten genau dazu beiträgt. Möglichkeiten dazu gibt es jeden Sonntag. Wem das zu viel des Guten ist, dann am kommenden 8. Dezember. Es wird ein Freitag sein, der wieder ein langes Wochenende in Aussicht stellt…

„Heiliger“ Martin Luther

Martin Luther auf und ab auf vielen TV-Kanälen oder in Zeitungen. Das 500. Jubiläum des Thesenanschlags wird in christlichen Kirchen so gewürdigt, als ob Luther einer der ihren gewesen wäre. Tatsächlich war er es. Er war Christ im wahrsten Sinn und hat durch sein Auflehnen gegen den Ablasshandel der katholischen Kirche auch dieser nach und nach die Augen geöffnet. Sein glaubwürdigster „Nachfolger“ sitzt als Franziskus derzeit sogar auf dem Papstthron. Wie schön wäre es, noch heuer den nach wie vor geltenden Bannspruch gegen Luther aufzuheben, und noch besser: Luther heilig zu sprechen. Er hat die Kirche zwar weniger mächtig, dafür aber humaner und dem ähnlicher gemacht, was ihr Gründer vor 2000 Jahren wollte.

Ein Zeichen FÜR den Papst

Tausende haben sich bereits angeschlossen und für Papst Franziskus unterschrieben. Auch wir von der Katholischen Aktion stehen voll und ganz hinter dieser originellen Initiative, die es in derartiger Form noch nie gegeben hat.  Aus allen Kontinenten treffen täglich weitere Unterstützer ein, die Franziskus und seinen Kurs stützen wollen. Er braucht es, der Gegenwind ist enorm. Daher lade ich auch Euch ein, den Link http://www.pro-pope-francis.com zu öffnen, euch einzutragen und damit den Papst zu stärken!

Rätselhafte Bischofsernennung

Einmal möchte ich verstehen, was sich die hochwürdigen Herrschaften im Vatikan dabei denken, wenn sie ihren Diözesen mit ziemlicher Regelmäßigkeit Bischöfe vorsetzen, die sich das Volk eigentlich gar nicht wünscht. Der Grazer Hermann Glettler ist ein Mann mit bestem Ruf – als Priester und als Künstler. Aber die Tiroler sind mit dem diözesanen Administrator Jakob Bürger bestens gefahren und sie wollten daher ihn und niemand anderen als ihren Bischof haben. Warum der Vatikan das nicht erlaubt, ist mir rätselhaft. Was überhaupt nicht heißt, dass externe Bestellungen schlechte Bischöfe sein werden: Gegenbeispiele gibt es genug, aber trotzdem: das Volk fühlt sich schlecht vertreten und für dumm verkauft, wenn ständig gegen seinen Wunsch bestimmt wird.

Lieber eine zahnlose Halleluja-Bewegung?

Lieber Papst Franziskus, leicht hast du es nicht. Wenn nur die Hälfte dessen stimmt, was man sich vom Vatikan erzählt, geht es dort wilder zu als im österreichischen Wahlkampf, der gerade läuft. Papst zu sein ist sicher kein erstrebenswertes Geschäft. Dass du die katholische Kirche umkrempeln und wieder biblischer machen möchtest, das haben wir verstanden. Wir sehen und hören aber auch, wieviel Widerstand es dagegen gibt. So viele bremsende Kurien-Kardinäle kannst du offenbar gar nicht entlassen, als sich immer wieder höchste geweihte Herren finden, die deine Pläne torpedieren. In Intrigen scheint die kirchliche Zentrale in Rom reiche Erfahrung zu haben, aber nicht nur dort unten: auch draußen, in den vielen Diözesen dieser Welt, gibt es jede Menge Leute, denen eine katholische Kirche als prunkvoller Machtkörper, als möglichst unpolitische Gebetsorganisation, als zahnlose Halleluja-Bewegung lieber ist. Deine Vision von einer Kirche, die sich für Arme einsetzt, die sich um Heimatlose kümmert, die barmherzig ist gegenüber Gestrauchelten, die aussichtlosen Fällen eine zweite Chance gibt, erscheint ihnen suspekt. Die Folge davon ist, dass nichts weiter geht in konkreten Entscheidungen, die aber wichtig wären, auch für uns in Österreich.

Priester schaffen die Seelsorge nicht mehr, weil sie alleine dastehen. Es ist ein zweifaches Einsamkeits-Problem, das vielen zu schaffen macht: wegen des Personalmangels müssen sie immer mehr Aufgaben alleine schultern, wegen des Zölibats steht ihnen aber auch niemand zur Seite, bei dem sie ihre Probleme abladen könnten, zumindest nicht offiziell.

Frauen verlieren die Geduld mit der Kirche, weil nicht einmal die Weihe zur Diakonin möglich ist, geschweige denn zur Priesterin. Von außen betrachtet ist diese Situation ja auch wirklich schwer erklärbar: hier der eklatante Mangel an Priester, dort das päpstliche Njet (Papst Johannes Paul II.) zur Weihe von Frauen.

„Macht mir mutige Vorschläge!“, das hast du den Bischöfen schon vor einiger Zeit zugerufen. Gekommen ist nichts, wie es den Anschein hat. Und nicht nur kleine Gläubige fragen sich, was der Grund für diese scheinbare Feigheit der Hirten ist. Wenn sie schon der Papst selbst aufruft, mutig zu sagen, was nottut: was hätten sie zu verlieren? Aber es spießt ja schon bei ihrer Nachbesetzung, Beispiel Tirol. Ein Zeichen der Wertschätzung einer Diözese ist es jedenfalls nicht, sie so lange unbesetzt zu lassen.

Das alles erhöht den Unmut unter Katholiken, oder noch schlimmer: es macht immer mehr von ihnen mürbe und sie geben enttäuscht auf. Junge haben diesen Schritt vielfach bereits hinter sich. Eine derart unbewegliche Organisation ist ihre Sache nicht und sie orientieren sich anderswo.

Du selbst, lieber Papst kannst dafür wenig. Aber die Zeit drängt. Und es wäre ein fatales Signal, wenn selbst du, der du bei deinem Amtsantritt vor bereits vier Jahren so ungeheuer viele Hoffnungen geweckt hast, die Bühne der Kirche resigniert verlassen würdest.