Frei am Frauentag?

Wer möchte das nicht: pro Jahr einen zusätzlichen bezahlten Urlaubstag. Mit dieser Idee möchte Außenministerin Karin Kneissl ihren circa 1000 weiblichen Beschäftigten eine Freude machen. Freilich stellt sich die unmittelbare Frage, warum nicht allen arbeitenden Frauen in Österreich dasselbe Glück zuteil wird. Man könnte das fordern, dachte ich und zögerte zugleich. Ist die Idee wirklich gut oder bloß ein billiger Schmäh. So nach der Art: ihr kriegt einen freien Tag, dann gebt aber Ruhe in Sachen Gleichbehandlung oder ähnlichem. Via Facebook, wo ich diese Frage zur Diskussion stellte, teilten viele Frauen meine Bedenken. Hier Auszüge aus den durchwegs interessanten Postings:

 

Vielleicht sollen die Frauen daran gehindert werden, an diesem Tag Aktionen zur Gleichberechtigung am Arbeitsplatz durchzuführen.

 

Keine gute Idee. Gleichberechtigung in der Arbeitswelt wäre sinnvoller.

 

ein tag frei und dafür verzichten wir zum beispiel auf gleichen lohn.

 

Keine gute botschaft. Klingt nach “brot und spiele“.

 

für mich stempelt es die Frau als „dummes Hascherl“ ab, das sich über einen freien Tag freut! Und wenn schon, dann müssen die Männer am Welttag des Mannes auch frei haben!

 

Ist ein billiger Schmäh, um von den wichtigen Frauenthemen abzulenken.

 

Diese Idee leistet für fortschrittliche Frauenpolitik einen Bärendienst, weil sie wieder Ungleichheit schafft!

 

Wenn alle anderen Themen in Sachen Gleichberechtigung erledigt sind (gleicher Lohn für gleiche Arbeit, gerechte Aufstiegschancen, usw). – von mir aus; wenn nicht, ist es in meinen Augen ein Ablenkungsmanöver von den wirklich wichtigen Themen.

 

Also Frauen: Obacht vor offenbar so durchsichtigen Geschenken!!!

Advertisements

Lächerliche Maskierungen

Ich muss das jetzt schreiben, obwohl es eine reine Äußerlichkeit ist: total abgesehen von den Inhalten, die Burschenschafter, vor allem die schlagenden, so antreibt und über die in den letzten Wochen viel informiert wurde: ihr Outfit schaut (für mich) dermaßen lächerlich aus, dass ich mich jedesmal wundere, wie sich diese Herrschaften selbst ernst nehmen können. Diese durchgebogenen Kapperl und dann das komische Bandl rund um den Bauch…. Ich schreibe das, obwohl es auch in meiner Familie solche (nicht schlagenden) Menschen gibt, die ich ansonsten sehr schätze und gegen deren Vernetzung ich auch absolut nichts einzuwenden habe. Aber diese Maskierung, wenn sie auch außerhalb des Faschings in Gruppen auftreten – einfach unmöglich!

Star oder Verbrecher?

Toni Sailer war auch ein Idol meiner Jugend. So zu gewinnen und so aufzutreten wie er, das hatten wir damals in den 60-er Jahren nicht gekannt und so faszinierte er uns auch. Dass jetzt schwere Schatten auf das längst verstorbene Idol fallen, sorgt für massive Irritationen. Journalisten, die sich auf die Geschichte gesetzt haben, geraten unter Beschuss, sie würden die Totenruhe stören und mögen doch die Finger davon lassen. Jetzt ist es tatsächlich so, dass damals, lange vor dem Fall des Eisernen Vorhangs unbescholtene Promis mitunter für politische Zwecke missbraucht wurden. Durchaus denkbar, dass Toni Sailer aus demselben Grund eine Prostituierte untergeschoben wurde, nur: bewiesen ist das nicht und der Verdacht des Missbrauchs wiegt durchaus schwer. Den Fall nicht aufzuklären und ihn unter Verschluss halten geht gar nicht. Die Augen vor einem möglichen Verbrechen zu verschließen wäre vielleicht typisch österreichisch, aber absolut nicht gut zu heißen, selbst wenn die Geschichte schon vor Jahrzehnten passiert ist. Erst ein Vertuschen würde das Andenken an das Ski-Idol nachhaltig schädigen. Nur der Versuch der restlosen Aufklärung und der entsprechenden Publizierung wird seiner Persönlichkeit gerecht. Bestätigt sich der schwere Verdacht, mögen die sportlichen und später sonstigen Verdienste Sailers durchaus gewahrt bleiben. In vielen Persönlichkeiten liegen halt gute und schlechte Seiten nahe beisammen und es gilt, sie gesondert zu bewerten. Charaktere entwickeln sich freilich nicht steril innerhalb der Persönlichkeit, sondern sie werden auch von ihrer Umwelt mitgeprägt, also davon, wie sie von den sie umgebenden Personen betrachtet werden. Wunderbar eindringlich zu erleben ist dieses psychologische Phänomen derzeit im Schauspielhaus des Linzer Landestheaters im Stück „Andorra“ von Max Frisch. Ein junger Mann wird als Jude ausgegeben, ohne das zu sein. Seine judenfeindliche Umgebung treibt es soweit, dass Andri Verhaltensweisen an den Tag legt, die Juden zugeschrieben werden und er es schließlich selbst nicht glauben will, kein Jude zu sein. Es ist zu spät, als sich der fatale Vorfall aufklärt. Andri ist bereits tot. Als Jude ermordet. Wem diese Darstellung mitmenschlicher Beeinflussung zu martialisch ist, es geht auch umgekehrt: denken Sie an „My fair Lady“, wo ein durchschnittliches Vorstadtmädchen durch eine pointiert positive Einschätzung zum Star der Gesellschaft wird. Was Toni Sailer, Andorras Andri und „My fair Lady“ verbindet? Die menschliche Umwelt hat entscheidenden Anteil daran, Menschen zu Stars oder auch zu Verbrechern zu machen. Sie alle haben sich eine gerechte Bewertung durch Juristen und Historiker verdient, ob mit positivem oder negativem Ausgang. Über diese Vorgänge zu informieren ist die Aufgabe von seriösem Journalismus, aber nicht nur das: oft sind es journalistische Recherchen, die eine genauere Betrachtung erst in Gang bringen. Umso wichtiger ist deren Bedeutung in der Gesellschaft, die allzu gerne dazu neigt, den Mantel des Vergessens über Dinge zu decken, die vielleicht die vertraute Gemütlichkeit zu stören imstande wären.

Politisch bedenkliches Farbenspiel

Der Fall Landbauer bringt Klarheit. Gar nicht so still und heimlich sind in die österreichische Politik Personen eingezogen, die ihre Identität ziemlich genau dort zu haben scheinen, wo vor 70 Jahren ähnlich tickende Politiker ein 1000-jähriges Reich gründen wollten. Sie kleiden sich auffallend modern, geben sich zugleich gern trachtig, vor allem aber: von verabscheuungswürdigen Liedtexten in ihren Kreisen wollen sie natürlich nichts gewusst haben. Augen zu und durch an die Spitze: das ist ihre Devise. Viele Beobachter fragen nach der unüberschreitbaren roten Linie, und ich finde: sie ist spätestens mit dem Fall Landbauer überschritten. Endlich hat sogar der Bundespräsident für Ö1 halbwegs klare Worte gefunden. Mir stellt sich immer mehr die Frage, wie denn die alte schwarze ÖVP mit ihrem türkisen Erfolgspflänzchen umgeht, das solche blaue Partner in die Regierung geholt hat, deren Lieblingsfarbe in Wahrheit eher braun zu sein scheint. Gefragt sind aber auch Vertreter der christlichen Kirchen, bekennen sich viele der angeblich kirchentreuen Blauen doch zu einem Kirchenbild, das spätestens seit dem 2. Vatikanischen Konzil in den 1960-er Jahren nicht mehr der offiziellen Doktrin entspricht, das heute durch Papst Franziskus eindrucksvoll repräsentiert wird. Irgendwann vielleicht einmal Ministrant gewesen zu sein, ist absolut keine Legitimation, Jahrzehnte später menschenfeindliche Texte zu verharmlosen oder gar mitzusingen.

Konzentriert ins Out

Selbst wenn jemand ideologisch immer wieder mit „Ehemaligen“ sympathisiert oder sich gerne mit solchen umgeben hat: sobald er als Innenminister einer demokratischen Republik amtiert, dürfen Vokabel nicht mehr vorkommen, die an die unseligsten Zeiten der Vergangenheit erinnern: Auschwitz, Dachau, Mauthausen oder andere ehemalige Konzentrationslager. Spielt er trotzdem mit dem Vokabel „konzentriert“ oder rutscht ihm das auch nur so beiläufig aus, ist seine politische Zeit abgelaufen, und zwar sofort, wenn er nur einen Funken von Gewissen und Anstand hat.

Kleingeistige Sparmaßnahme

Es mag gesetzlich korrekt sein, ausländischen Pflegerinnen die Kinderbeihilfe zu kürzen. Anständig ist es keinesfalls. Und auch schwer nachvollziehbar: diese Frauen, die ihre schwer verdienten Einkommen genauso versteuern wie alle anderen, über den Umweg der Kinderbeihilfe zu schröpfen. Bestraft werden letztlich die heimischen Pflegefamilien, weil wahrscheinlich die Tarife ansteigen werden. Ob Pflege dann noch leistbar bleibt? Und was spart sich der Staat unterm Strich wirklich über diese unfeine und kleingeistig wirkende Maßnahme?

Gute Predigten sind politisch!

In Deutschland sind Weihnachtspredigten ins Gerede gekommen, weil sie zu politisch ausgefallen seien, wie der Chefredakteur einer Zeitung feststellte. Sein aufregender Satz: „wer soll eigentlich noch freiwillig in eine Christmette gehen, wenn er am Ende einer Predigt denkt, er hat einen Abend bei den Jusos bzw. der Grünen Jugend verbracht?“ Meine Gegenfrage: wie sonst sollen gute Predigten sein als politisch? Wobei zu definieren ist, was politisch in diesem Fall meint. Sicher nicht politisch im Sinne einer Partei. Das Programm einer parteipolitischen Organisation wiederzugeben ist tatsächlich nicht Aufgabe einer Predigt, ganz im Gegenteil. Kirchliche Vertreter haben sich aus gutem Grund um eine entsprechende Distanz zum Staat zu bemühen. Viel zu lang waren Staat und Kirchen gerade in Österreich unheilvoll miteinander verschmolzen. Aber distanziert zu sein von Organisationen heißt noch lange nicht, deren Programme und Taten kommentarlos zu schlucken und hinzunehmen. Christlich gesinnte Menschen haben immerhin die Bibel, an deren wohl und hoffentlich richtig interpretierten Aussagen die Geschehnisse in unserer Welt zu messen sind. Wie da etwa wären die Positionen gegenüber Asylsuchenden oder Fragen zum Schutz unserer Welt. Die Würde des Menschen ist ein weiterer dieser ganz wichtigen Meilensteine, auf die zu achten Christen immer gefordert sind, wenn sie sich als solche ernst nehmen. Nicht nur, was sie selbst, sondern vor allem, was die Mitmenschen in ihrer Umgebung betrifft. Und damit wird das Thema durchaus politisch, weil öffentlich. Sich dem nicht zu stellen, käme einer Art „Wellness-Christentum“ gleich, wie es der Religionssoziologe Paul Zulehner zu Recht formuliert hat. Wenn nun Prediger gerade zu Weihnachten das eine oder andere Umdenken etwa in der Flüchtlingsfrage einmahnen, was derzeit Not tut, so ist das nicht billig abgekupfertes rotes oder grünes Jugend-Parteiprogramm, sondern der Hinweis auf recht verstandenes und gelebtes Evangelium, das gerade durch die Weihnachtsgeschichte eine ganz besondere Brisanz erfährt und das sich selbstverständlich auch in dem einen oder anderen Parteiprogramm spurenhaft wiederfinden kann. Wie wichtig und konkret solche Hinweise sind, zeigt ein Vorfall, der sich in der Nacht auf den Heiligen Abend auf dem Grenzübergang Österreich-Italien abgespielt hat. Ein vermutlich illegal einreisender Flüchtling wurde nach einem wahrscheinlichen Stromschlag tot auf dem Dach eines Container-Güterzuges gefunden. Diese Zeitungsmeldung kommentierten Leser im Internet auf schaurig-hämische Weise wie: „endlich gute Nachrichten“, oder „für was Strom nicht alles gut ist“. Alleine diese beiden von vielen anderen ähnlich gräulichen Postings zeigen, dass es viel zu wenige politische Predigten in unserem Land gibt. Wobei mir klar ist, dass Schreiber solcher Zeilen dort wohl ohnedies nicht erreicht werden können. Und wenn doch, dann unter jenen Messbesuchern, für die Weihnachten bloß süß und schönes Brauchtum ist, aber nicht den leisesten Funken mit ihrer Lebenseinstellung zu tun hat. Ein Lob also für jene (leider zu wenigen) Prediger, die zu den Feiertagen und das Jahr über Woche für Woche versuchen, unserem Leben die richtige Orientierung anzubieten.

#christlichgehtanders