Missbrauchte Kinder

Gerade Religionsgemeinschaften sollen – und müssen – im kritischen Umgang mit Gewalt und in der Ablehnung von Kriegsverherrlichung Vorbild sein. Denn zu viele schreckliche Kriege sind auch im Namen der Religion geführt worden. Wenn daher, wie zuletzt aus einer Wiener ATIB-Moschee bekannt geworden, Kinder zu Kriegsspielen missbraucht werden, hört sich jede Toleranz auf. Der Vorfall in einer der größten Moscheen Österreichs ist skandalös, weil er Kinder missbraucht. Dass solche „Wehrsportübungen“ politisch von Ankara angeordnet worden sein sollen, passt zum fragwürdigen Image des türkischen Staatschefs Recep T. Erdogan. Nur befindet sich die besagte Moschee nicht in der Türkei, sondern in Österreich mit seinen demokratischen Gesetzen. Der politische Aufschrei aus allen Ecken gibt Hoffnung. Unverzichtbar sind eine Prüfung und entsprechende Konsequenzen, völlig unabhängig davon, wie sehr gerade die Wirtschaft mit der Türkei mehr Geschäfte machen möchte. In ein anderes Licht stellt der Vorfall aber auch die Kopftuchdebatte: es ist kein allzu großer ideologischer Schritt vom Bekleidungszwang zum Befehl für Wehrsportübungen. Beides ist Missbrauch von Kindern. Dennoch ist es auch hier angebracht, nicht alle muslimische Vereine in einen Topf zu werfen. Neben der Wiener ATIB-Moschee gibt es Moschee-Vereine, die mit dieser Praxis ebenfalls – islamintern – ihre Probleme haben. Der Islam in Österreich ist nicht nur auf eine Richtung einzuengen.

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Ängstliche Verbote

Ich gebe zu: mir gefallen Kopftücher nicht besonders. Damit meine ich nicht bloß die religiös gedachten Kopftücher der Musliminnen, ob diese nun erwachsen sind oder nicht, sondern überhaupt. Auch den Kopftüchern der älteren Mühlviertlerinnen kann ich wenig abgewinnen. Nur aufregen kann ich mich darüber auch nicht, genauso wenig darüber, ob Musliminnen ihre Haare bedecken oder nicht. Katholische Nonnen tuns ja schließlich auch. Mir gefällt, um bei menschlichen Äußerlichkeiten zu bleiben, auch vieles andere nicht: Piercings und Tatoos zum Beispiel oder die neueste Haarmode, die mich an die Mode der Nazizeit erinnert. Aber soll ich mich bemühen, das alles zu verbieten???? Wirklich nicht. Ich liebe bunte Blumenwiesen und ich mag die Buntheit auch bei uns Menschen. Verbote signalisieren Ängste und Enge, das gefällt mir weniger als Mut zur offenen Buntheit.

Gepflanzte Wähler

Tun, was richtig ist. Es ist Zeit.

Diese Ansage wollten die meisten Wähler und haben sie am 15. Oktober gewählt.

Was haben wir bisher bekommen? Was war richtig und wofür war es Zeit?

Eine Diskussion über 140 km/h auf Autobahnen.

Ein aufgehobenes Rauchverbot in Lokalen.

Ein angedachtes Kopftuchverbot für kleine Mädchen, die mehrheitlich sowieso kein Kopftuch tragen.

 

Das schwierigste Fest

Ostern hat ein schweres Los zu tragen. Verglichen mit Weihnachten lässt es sich so gut wie gar nicht vermarkten. Ein Leichnam auf einem Kreuz hat eindeutig das Nachsehen gegenüber einem Kind in einer Krippe. Der Leichnam hat alles hinter sich, dem Kind steht alles offen. So sehr sich Theologen aller Zeiten bemüht haben, den Vorrang des Ostergedankens vor allen anderen christlichen Festen zu betonen: in die Herzen der Gläubigen ist das zumindest bei uns kaum gedrungen, schon gar nicht in unseren modernen Zeiten, die Erfolg und Misserfolg am Marktwert orientieren. Da liegt Weihnachten meilenweit vor Ostern, ja auch Muttertag und Valentinstag haben die Nase vorn. Und doch: ohne Ostern wäre das Christentum nichts. Es begründet seinen Glauben auf der Auferstehung dieses am Kreuz gestorbenen Jesus und in der Folge auf der Hoffnung, jeder Mensch könne dieses Wunder dereinst auch für sich erhoffen. Zugegeben ein schwieriger, dann aber auch tröstender Gedanke. Wer diesen Glauben in sich trägt, tut sich im Leben möglicherweise leichter. Gescheite Philosophen mögen das als Opium interpretieren, Psychologen gestehen dieser Grundhaltung trotz aller immer wieder auftauchender Glaubenszweifel durchaus lebensbewältigende Kraft zu. Nur eines bleibt unbestritten: gewiss ist gar nichts. Nicht einmal der Papst wisse, ob es ein Leben nach dem Tod gebe, sagte am Aschermittwoch der Linzer Zelebrant eines sehr beeindruckenden Gottesdienstes in überraschender Ehrlichkeit und er hat Recht damit. Auf ein Leben danach könne man aus vielen guten Gründen hoffen, Gewissheit gebe es aber nicht. Welche Rolle kommt in diesem Zusammenhang den christlichen Kirchen zu, die vor allem in Europa nach wie vor unter einem schmerzhaften Aderlass an Mitgliedern leiden? Dass die Mitgliedschaft in einer Kirche sozusagen der Freifahrtschein in den Himmel wäre, vertritt längst niemand mehr. Wenn Jesus durch seine Auferstehung ein Zeichen setzen wollte, dann wohl nicht nur für die Mitglieder christlicher Kirchen, die es zu seiner Zeit in dieser Form ja überhaupt noch nicht gab, sondern für alle Menschen, also auch für Ausgetretene oder Andersgläubige. Kirchen leisten aber dennoch einen wesentlichen Beitrag für die Osterbotschaft. Sie verstehen sich als Gemeinschaft, halten das Geschehen von damals lebendig, sie bieten Hilfestellungen und neue Sichtweisen auf den Kern des Christusglaubens, sie setzen die Folgen des Osterwunders konkret um, indem sie sich zum Beispiel für Arme und Benachteiligte einsetzen oder auch versuchen, das Geschehen um sie herum aus dem christlichen Glauben heraus zu messen und auf politische Fehlentwicklungen hinzuweisen. Der aktuelle Papst Franziskus lebt genau das in beeindruckender Weise auf sehr anschauliche und für manche durchaus irritierende Weise vor. Er versucht die Welt besser zu machen: ökologisch und in der Beziehung der Menschen zueinander, getragen von der Grundhaltung, dass dies wohl im Sinne dieses Jesus ist, dessen wundersame Auferstehung wir gerade wieder feiern oder feiern sollten. Egal jetzt, ob in einer Kirche, auf irgendeinem Berg oder im Osterurlaub an einem Palmenstrand.

Scheidung der Geister

Der Umgang mit Asylwerbern macht es deutlich: befürwortet man eine offene Gesellschaft, die ALLEN Menschen Chancen bietet, ein gutes Leben zu führen, ODER tritt man ein für eine Gesellschaft, die unter sich bleiben möchte. Wohlstand für alle, oder nur für diejenigen, die gerade da sind. Ein freies, offenes Land oder eines mit Mauern drum herum.

Konkret werden diese beiden konträren Grundhaltungen am Umgang mit Asylwerbern: 13 namhafte Organisationen haben sich im „Linzer Appell“ dafür ausgesprochen, Zugewanderte vom 1. Tag ihrer Ankunft an zu integrieren: sie dezentral unterzubringen, sie deutsch zu lehren und alles zu tun, sie möglichst schnell hier Heimat spüren zu lassen. Das Gegenmodell will auch Integration, aber erst nach dem positiven Asylbescheid, also erst dann, wenn gewiss ist, dass diese Menschen hier bleiben dürfen. In der meist zwei Jahre dauernden Zwischenzeit sollen diese Menschen in großen Grundversorgungszentren und von der Umgebung weitgehend abgeschieden konzentriert bleiben. Wie sich eine derart lange Absonderung auf Psyche, Kriminalität und Integration auswirken, lässt sich leicht ausmalen.

#christlichgehtanders

Legaler Kurswechsel

Mehr und mehr zeigen sich Landsleute irritiert über das, was in der heimischen Bundes-politik gerade vor sich geht. Wer sich zum Beispiel in sozialen Netzwerken ein wenig umsieht, dem fällt blanker Hass gegenüber der derzeitigen Bundesregierung auf, aber nicht nur dort. Sogar auf der Straße war ich neulich mit der Frage konfrontiert, wie lange sich schwarz-blau meiner Meinung nach noch halten werde. Veränderungen können verwirren und verunsichern. Das erleben wir gerade in Österreich und auch christlich und/oder sozial geprägte Menschen verweisen auf schmerzhafte finanzielle Einschnitte, die ihre Klientel deswegen zu tragen habe: Beispiel Mindestsicherung, Beispiel Arbeitslosengeld, Beispiel Kindergeld für ausländische Pflegerinnen undundund. Beinahe erwecken manche Mitmenschen den Eindruck, als würden sie sich die heillos zerstrittene frühere Bundesregierung von rot-schwarz zurücksehnen. Bei der Berechtigung aller Kritik am Parteienübereinkommen von schwarz-blau: diese Koalition wurde am 15. Oktober letzten Jahres völlig legal gewählt und es ist eine ganz normale Konsequenz, dass jetzt die Weichen demnach gestellt werden. Auf diese Normalität hinzuweisen halte ich deshalb für nötig, weil der Eindruck besteht, als würden Kritiker nichts lieber wünschen, als diese Regierung samt ihrem jungen Bundeskanzler möglichst rasch aus dem Amt zu jagen. Tatsächlich gibt es für manche Kurskorrektur auch gute Gründe, wie Kommentatoren in Medien immer wieder anführen und wie es auch Dr. Rolf Gleißner von der Bundeswirtschaftskammer kürzlich bei einer Veranstaltung von #christlichgehtanders in Wien durchaus eindrucksvoll getan hat. Klar ist freilich auch, dass Politik kritisierbar bleiben muss. Der Ökonom Dr. Stephan Schulmeister ist so ein Kritiker, der es versteht, den Bogen weit zu spannen und den von ihm diagnostizierten grundsätzlich neoliberalen Kurs der neuen Bundesregierung verurteilt. Er darf und er soll das dürfen, genauso wie all jene, die auf negative Konsequenzen mancher Veränderung auf das Leben ihrer Schutzbefohlenen verweisen. Auch das gehört zur Demokratie und sollte selbst den Regenten wenn auch lästig, so doch wertvoll sein. Aber die gesamte Regierung deshalb zu verjagen wäre doch ein höchst undemokratischer Akt. Es wird die Möglichkeit dazu geben, aber erst nach der Amtszeit der Regierung am nächsten Wahltag. Es mag ja sein, dass die Mehrheit der kritisch denkenden Österreicher am 15. Oktober anders gewählt hat als schwarz-blau. Aber Mehrheit ist in einer Demokratie nun einmal Mehrheit. Dass die flotten Sprüche auf den Plakaten die meisten Wähler offensichtlich mehr überzeugt haben als differenzierte und kritische Kommentare in den Zeitungen, ist in diesem Licht ebenso zur Kenntnis zu nehmen und schließt an eine große Frage an, die bei einer von OÖN und ORF veranstalteten Diskussion kürzlich offen geblieben ist: wie lässt sich die breite Masse heutzutage noch intellektuell erreichen. Immer mehr Menschen scheinen Gratisblätter und Facebook zu genügen. Die Umfrage an einer 3. Klasse Hauptschule im Mühlviertel passt in das gleiche Bild: die Lehrerin fragte im Zuge eines Zeitungsprojektes nach den Abos ihrer Eltern: nur vier von 15 Kindern wachsen in Familien auf, in denen es noch eine Tageszeitung gibt. Drei Viertel kennen das nicht mehr. Ihre Wahlentscheidung wird dereinst danach fallen, wer die knalligsten Plakate zu liefern imstande ist.

 

Frei am Frauentag?

Wer möchte das nicht: pro Jahr einen zusätzlichen bezahlten Urlaubstag. Mit dieser Idee möchte Außenministerin Karin Kneissl ihren circa 1000 weiblichen Beschäftigten eine Freude machen. Freilich stellt sich die unmittelbare Frage, warum nicht allen arbeitenden Frauen in Österreich dasselbe Glück zuteil wird. Man könnte das fordern, dachte ich und zögerte zugleich. Ist die Idee wirklich gut oder bloß ein billiger Schmäh. So nach der Art: ihr kriegt einen freien Tag, dann gebt aber Ruhe in Sachen Gleichbehandlung oder ähnlichem. Via Facebook, wo ich diese Frage zur Diskussion stellte, teilten viele Frauen meine Bedenken. Hier Auszüge aus den durchwegs interessanten Postings:

 

Vielleicht sollen die Frauen daran gehindert werden, an diesem Tag Aktionen zur Gleichberechtigung am Arbeitsplatz durchzuführen.

 

Keine gute Idee. Gleichberechtigung in der Arbeitswelt wäre sinnvoller.

 

ein tag frei und dafür verzichten wir zum beispiel auf gleichen lohn.

 

Keine gute botschaft. Klingt nach “brot und spiele“.

 

für mich stempelt es die Frau als „dummes Hascherl“ ab, das sich über einen freien Tag freut! Und wenn schon, dann müssen die Männer am Welttag des Mannes auch frei haben!

 

Ist ein billiger Schmäh, um von den wichtigen Frauenthemen abzulenken.

 

Diese Idee leistet für fortschrittliche Frauenpolitik einen Bärendienst, weil sie wieder Ungleichheit schafft!

 

Wenn alle anderen Themen in Sachen Gleichberechtigung erledigt sind (gleicher Lohn für gleiche Arbeit, gerechte Aufstiegschancen, usw). – von mir aus; wenn nicht, ist es in meinen Augen ein Ablenkungsmanöver von den wirklich wichtigen Themen.

 

Also Frauen: Obacht vor offenbar so durchsichtigen Geschenken!!!