Gedanken zu Schulbeginn

Ein Akademiker, der seit vielen Jahren als Busfahrer arbeitet, hat kürzlich mediales Aufsehen erregt und auch mich zum Nachdenken gebracht. Wie kann ein „Studierter“ nur so tief fallen, das war die Assoziation, die damit geweckt wurde. Ich teile diese Verbindung absolut nicht. Als nebenberuflicher Reiseleiter hege ich Busfahrern gegenüber vielmehr höchste Achtung und Anerkennung. Sie tragen nicht nur enorme Verantwortung, ihre Gäste heil ans Ziel zu bringen, sondern wissen aufgrund ihrer langen Erfahrung mitunter mehr über Land und Leute zu erzählen als die neben ihnen sitzenden Reiseleiter. Doch darum geht es mir hier nicht. Ich denke viel mehr über berufliche Veränderungen nach, die in künftigen Jahren viel öfter an der Tagesordnung sein werden als bisher. Die Zeiten, wo jemand in seinem allerersten Job oder gar in seiner allerersten Firma in Pension geht, scheinen nach Ansicht vieler Experten längst vorbei zu sein. Und berufliche Umstiege kennen wohl alle bereits aus ihrer nächsten Umgebung. Hier arbeitet ein absolvierter Chemiker als Journalist, dort eine Juristin als Lebensberaterin, ich kenne einen Doktor der Limnologie, der höchst erfolgreich als Bierbrauer werkt, aber auch einen Elektriker, der es zum Psychologen gebracht hat. Und wieder schwingt die absolut unzulässige Wertung mit: Berufe mit akademischem Abschluss stünden über solchen, die eine Lehre als Basis haben. Stehen sie überhaupt nicht. Es sind einfach die verschiedensten Kompetenzen, die sich Menschen bei entsprechendem Interesse und Begabung aneignen können und mit deren Hilfe sie sich selbst möglichst gut zu verwirklichen suchen. Vielleicht eben nur eine Zeit lang, um dann wieder etwas Anderes zu versuchen.

Ich schreibe das bewusst zu Schulanfang. Weil ich Kinder kenne, die mit Sicherheit in der falschen Schule sitzen und von ihren Eltern mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln bis zur Matura getrieben werden. So als ob dieser Abschluss späteres Lebensglück garantieren würde. In Wahrheit kann selbst sie seelisch verkrüppelte Menschen zurücklassen, wenn das gymnasiale Angebot über dem (momentanen) Interesse des Schülers gelegen ist. Natürlich sind Schulen keine Wellness-Institute. Es ist ihre wichtige Aufgabe, Kindern das beizubringen, was gesellschaftlich verlangt wird und auch wichtig ist: Lesen, Schreiben, Rechnen, dazu aber auch erste genauere Einblicke in alle möglichen Spezialgebiete, mit denen wir heute konfrontiert sind. Es ist aber nicht so, dass ein Schüler, der etwa in Physik die Ohren zumacht, automatisch und generell als unbegabt zu qualifizieren wäre. Vielleicht ist er ein guter Zeichner, dem die Welt später als Maler oder Musiker zu Füßen liegt. Oder der uninteressierte Musiker macht sich später als gefragter Elektriker oder Tischler oder eben als Busfahrer einen Namen und wird darin glücklich. Letztendlich geht es um das Glück und um die Zufriedenheit des einzelnen Menschen. Institutionen wie die Schule können dazu einen enormen Beitrag leisten, wenn sie es schaffen, vorhandene Begabungen zu definieren und den hoffentlich vernünftigen Eltern den möglichen Weg anzuzeigen, den ihr Kind dorthin gehen könnte. Abzweigungen in alle Richtungen sind dabei nicht ausgeschlossen. Sie alle sind gleich wertvoll.

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Kaputte Konfrontation

Worüber auch immer und wie auch immer Kern und Leitner heute Abend reden werden: die zusehende Nation wird sich fragen, wie gespielt das alles sein mag, wenn beide zumindest schon 1 x miteinander privat auf Urlaub waren. Aufgepasst wird also mehr als jemals zuvor auf das, was zwischen den Zeilen gesagt wird und was ihre Körpersprache verrät. Schade eigentlich, weil das zwar auch wichtig, aber in diesem Fall doch zu wenig ist. Denn eigentlich sollten politische Inhalte vermittelt werden.

Fraglich ist auch, ob Tarek Leitner wirklich der richtige Fragensteller war, denn er, der im Allgemeinen so viel Wert auf eine ästhetische Optik legt und darüber sogar ein Buch geschrieben hat („Mut zur Schönheit – Streitschrift gegen die Verschandelung Österreichs“), hätte denselben Maßstab auch an sich selbst anlegen und die Diskussion ablehnen sollen.

Lieber eine zahnlose Halleluja-Bewegung?

Lieber Papst Franziskus, leicht hast du es nicht. Wenn nur die Hälfte dessen stimmt, was man sich vom Vatikan erzählt, geht es dort wilder zu als im österreichischen Wahlkampf, der gerade läuft. Papst zu sein ist sicher kein erstrebenswertes Geschäft. Dass du die katholische Kirche umkrempeln und wieder biblischer machen möchtest, das haben wir verstanden. Wir sehen und hören aber auch, wieviel Widerstand es dagegen gibt. So viele bremsende Kurien-Kardinäle kannst du offenbar gar nicht entlassen, als sich immer wieder höchste geweihte Herren finden, die deine Pläne torpedieren. In Intrigen scheint die kirchliche Zentrale in Rom reiche Erfahrung zu haben, aber nicht nur dort unten: auch draußen, in den vielen Diözesen dieser Welt, gibt es jede Menge Leute, denen eine katholische Kirche als prunkvoller Machtkörper, als möglichst unpolitische Gebetsorganisation, als zahnlose Halleluja-Bewegung lieber ist. Deine Vision von einer Kirche, die sich für Arme einsetzt, die sich um Heimatlose kümmert, die barmherzig ist gegenüber Gestrauchelten, die aussichtlosen Fällen eine zweite Chance gibt, erscheint ihnen suspekt. Die Folge davon ist, dass nichts weiter geht in konkreten Entscheidungen, die aber wichtig wären, auch für uns in Österreich.

Priester schaffen die Seelsorge nicht mehr, weil sie alleine dastehen. Es ist ein zweifaches Einsamkeits-Problem, das vielen zu schaffen macht: wegen des Personalmangels müssen sie immer mehr Aufgaben alleine schultern, wegen des Zölibats steht ihnen aber auch niemand zur Seite, bei dem sie ihre Probleme abladen könnten, zumindest nicht offiziell.

Frauen verlieren die Geduld mit der Kirche, weil nicht einmal die Weihe zur Diakonin möglich ist, geschweige denn zur Priesterin. Von außen betrachtet ist diese Situation ja auch wirklich schwer erklärbar: hier der eklatante Mangel an Priester, dort das päpstliche Njet (Papst Johannes Paul II.) zur Weihe von Frauen.

„Macht mir mutige Vorschläge!“, das hast du den Bischöfen schon vor einiger Zeit zugerufen. Gekommen ist nichts, wie es den Anschein hat. Und nicht nur kleine Gläubige fragen sich, was der Grund für diese scheinbare Feigheit der Hirten ist. Wenn sie schon der Papst selbst aufruft, mutig zu sagen, was nottut: was hätten sie zu verlieren? Aber es spießt ja schon bei ihrer Nachbesetzung, Beispiel Tirol. Ein Zeichen der Wertschätzung einer Diözese ist es jedenfalls nicht, sie so lange unbesetzt zu lassen.

Das alles erhöht den Unmut unter Katholiken, oder noch schlimmer: es macht immer mehr von ihnen mürbe und sie geben enttäuscht auf. Junge haben diesen Schritt vielfach bereits hinter sich. Eine derart unbewegliche Organisation ist ihre Sache nicht und sie orientieren sich anderswo.

Du selbst, lieber Papst kannst dafür wenig. Aber die Zeit drängt. Und es wäre ein fatales Signal, wenn selbst du, der du bei deinem Amtsantritt vor bereits vier Jahren so ungeheuer viele Hoffnungen geweckt hast, die Bühne der Kirche resigniert verlassen würdest.

Kulturelle Schubumkehr

Es ist mehr als auffällig. Seit Jahren besuche ich mit Reisegruppen große Festspielveranstaltungen, vornehmlich auch jene im Burgenland. Dabei zeigt sich, dass es kaum noch vollbesetzte Vorstellungen gibt. An der künstlerischen Qualität kann es nicht liegen. Das Niveau der Darbietungen ist durchwegs hochstehend, auch gefallen meinen Gästen eigentlich alle Inszenierungen, weil in Mörbisch und St. Margarethen im Gegensatz zu anderen Spielstätten recht vorsichtig umgegangen wird mit sogenannten Modernisierungen, die dann bekanntlich sehr leicht zu künstlerischen Vergewaltigungen zu werden drohen. Und trotzdem: von Jahr zu Jahr bleiben mehr Besucher aus und als Erstes müssen die Intendanzen dran glauben. Köpfe wechseln, auf die Besucherzahlen scheint das aber keinen Einfluss zu haben.

Eine mögliche Erklärung für diese Entwicklung dürfte in einem hoch erfreulichen Umstand zu suchen sein. Die Erklärung trägt Ortsnamen wie Helfenberg, Bad Leonfelden, Reichenau, Sarleinsbach und viele andere mehr. Die Erklärung sind all die kleinen Spielorte, wo noch vor wenigen Jahren kulturelle Mitternacht herrschte, wo jetzt aber originelle Angebote geliefert werden, die liebend gern gebucht werden. Natürlich bedeutet das massive Konkurrenz für die wenigen großen Veranstalter, die früher fast alleine dagestanden sind. Dass die Oberösterreicher die Chance nutzen, ihr Theater ums Eck anzuschauen und sich dafür die stundenlange Fahrt zum See und zurück sparen, ist nur zu verständlich. Und ihr Verhalten unterstützt vor allem die lokale Kultur, also das, was für ein reichhaltiges Leben am Land mehr als erfreulich ist. Allzu große Sorgen um die Großen braucht man sich trotzdem nicht zu machen. Leitbetriebe sind überall nötig, vielleicht schrumpfen sie sich ein wenig gesund, es muss ja nicht sein, dass für einen Vogelhändler dreimal pro Woche eine Arena von 6000 Besuchern gefüllt sein muss. Aber dass die Kultur jetzt begonnen hat, sich spürbar über das ganze Land zu verteilen, halte ich für ein geradezu unbezahlbares Benefit, weil dadurch eine breitere Masse von dem Virus angesteckt wird, in welcher Form auch immer Kunst zu betreiben. Kultur wird immer große Schauspieler oder Musiker als Vorbilder und Lichtgestalten brauchen. Solche Vorbilder haben dort den allergrößten Wert, wenn es auch Nachahmer gibt und das scheint mit der kulturellen „Schubumkehr“ gelungen zu sein. Zugleich wird mit dem neu aufflammenden Kunstbetrieb am Land ein Reservoir für die große Kunst geschaffen, weil es wohl immer so sein wird, dass in dem einen kleinen Theaterstadl oder der ambitionierten Chorgemeinschaft dereinst vielleicht ein Star heranwächst, der dann später einmal auf einer der ganz großen Bühnen Karriere macht. Beispiele dafür gibt es jede Menge, die momentane Entwicklung gibt Anlass zur Hoffnung auf eine eventuelle Wiederholung.

Natürlich kostet Kultur Geld, in den allermeisten Fällen durch öffentliche Unterstützung. Aber es stimmt zweifellos, was der ehemalige Kulturreferent Landeshauptmann Josef Pühringer gern gesagt hat, wann immer das Füllhorn vielleicht gar ein wenig zu großzügig ausgeschüttet wurde: „Kultur kostet, aber Unkultur kostet noch viel mehr“. Die Entwicklung von der „kulturellen Schubumkehr“ mag eine erfreuliche Frucht dieser Art von Kulturpolitik sein.

Arme Dieselfahrer

Neulich auf dem Busparkplatz in Mörbisch nach der Vorstellung. Alle Motoren laufen bereits, als es mir auffällt: früher machte mich der konzentrierte Gestank regelmäßig wütend, aber diesmal: du stehst direkt hinter den Auspuffen, aber du riechst absolut nichts. Mein Fahrer erklärt mir das mit den supermodernen Euro 6 Motoren, die in stinkenden Städten geradezu als Katalysatoren eingesetzt werden könnten, weil ihre Abgase sauberer sind als die Luft, die sie in dieser Stadt ansaugen. Wenn es so stimmt, dann frage ich aber, warum Diesel aller Art jetzt so gescholten werden. Und noch etwas: Ich lese von Kreuzfahrtschiffen als enorm schmutzigen Fortbewegungsmitteln und mein Handy zeigt mir den weltweit enormen Flugverkehr über unseren Köpfen. Dagegen regt sich kein Widerstand, derzeit zumindest nicht.

Jetzt gehts erst los!

Selbst ich habe ihnen zugeschaut und erlebt, wie sie gekämpft haben. Sie haben spannenden Fußball gespielt und halt verloren. Nimmt man Fußball als Beispiel für andere Bereiche, ist die Behauptung zulässig: sie, die Frauen, können es und machen es auf ihre Weise. Im Fall vom Fußball weniger zickenhaft, weniger egomanisch, weniger wehleidig und viel weniger eitel (Haartracht). Vielleicht zeigen uns die Fußballfrauen damit, wo es lang gehen könnte. Die Männerwelt könnte anfangen, darauf zu reagieren: durch normalere Gagen, aber 1:1 aufgeteilt auf beide Geschlechter, und zwar nicht nur im Sport….

Frauen auf dem Fußballfeld

Mit Vielem hätte ich gerechnet, während ich im vergangenen Juli ein wenig abgetaucht war: ganz sicher aber nicht damit, dass Fußball spielende Frauen DAS große Gesprächsthema sein würden. Sowohl am Stammtisch als auch bei zwanglosen Zusammenkünften mit Freunden: die weibliche österreichische Nationalelf ist zum großen Star geworden. So sehr, dass am Sonntag fast alle außer mir den wunderbaren Sonnenuntergang am Teich sturmartig verließen, als es im Fernsehen hieß, jetzt würden die Elfmeter geschossen. Was sich danach thematisch abspielte, brauche ich Ihnen nicht zu erklären. Der Fußball, speziell der weibliche, wurde auf- und ab beredet, sodass ich gar nicht anders konnte, als endlich doch ein wenig genauer hinzuhören. Ich gestehe: als sich kürzlich eine Gruppe „meiner“ katholischen Frauenbewegung aufmachte, um beim Kampf um das Viertelfinale eben jener seither so gefeierten österreichischen Frauenmannschaft in Rotterdam live dabei zu sein, dachte ich noch an eine vielleicht fernwehbedingte Marotte. Viel zu spät danach merke ich, dass meine Damen mehr als einen guten Riecher hatten. Keineswegs möchte ich mich in dieser Kolumne in die Geschäfte der geschätzten Sportredaktion mischen, weil ich, wie alle meine Freunde und Bekannten leidlich wissen, von Sport im Allgemeinen und von Fußball im Besonderen weder Ahnung habe, noch dies auch haben möchte. Einige Beobachtungen scheinen mir aber auch für mein Metier durchaus interessant zu sein. So höre ich, das bis jetzt so sensationell erfolgreiche Frauenteam verstünde es viel besser als die Männer, Bälle aufeinander zuzuspielen. Man spüre den Teamgeist und sehe nicht bloß Solisten auf dem Spielfeld. Weiters: im ganzen Verhalten würden sich die Damen deutlich unkomplizierter und normaler geben als die männliche Kollegenschar. Etwa im Gerangel um den Ballbesitz, wo es geradezu natürlich sei, dass dabei der eine oder die andere einmal zu Boden gehe. Während männliche Fußballer sofort von halben Spitalsteams verarztet werden müssen, bevor sie wieder spielfähig sind, würden Frauen von alleine problemlos aufstehen und weiterspielen. Und auch was den bei männlichen Fußballern schon durchaus lächerlichen Haarschmuck betrifft, scheinen die Damen auf Natürlichkeit zu setzen und keine langen Friseursitzungen zu benötigen, bevor sie sich auf den Rasen wagen. Ein Haarspangerl oder ein gewöhnlicher Gummi reichen, um die Haare fuß- und fernsehtauglich zu machen. Fragen Sie nicht, was ihre männlichen Kollegen aufwenden, um ihrem fragwürdigen Starimage gerecht zu sein. Bleiben die Gagen. Ich höre und lese von gigantischen Unterschieden zwischen Damen und Herren und frage mich einmal mehr nach den Gründen. Wenn es die österreichischen Frauen im Fußball schon jetzt weiter geschafft haben als den Herren jemals gelungen ist und die Zuschauerquoten weit über denen des Männerfußballs liegen, würde doch eine Gagenumkehr angebracht sein, oder: um es bei der angenehmen Normalität der Sportlerinnen zu belassen, auch hier zu einem allgemein nachvollziehbaren Mittelmaß zu finden: aber auf jeden Fall gerecht aufgeteilt zwischen Damen und Herren.