Beinharte Fragen sind Zeichen journalistischer Freiheit

Dunkel erinnere ich mich daran, in meinen ORF-Jahrzehnten selbst so einer gewesen zu sein, der mit dem Mikro gern auch durchaus frech nachgefragt hat und das solange, bis er eine brauchbare und verständliche Antwort bekommen hat. Nicht immer war ich mir sicher, ob der Bogen vielleicht nicht schon überspannt war. Aber die Alternative: nicht zu fragen oder meinem Gegenüber nur Fragen zu stellen, die diese Bezeichnung nicht verdienen, das wäre mir niemals in den Sinn gekommen, alleine schon aus Respekt vor der Person und der Position des Befragten. Ich verstehe es gut, dass vor allem Politiker jetzt immer öfter einmahnen, in den nächtlichen Infosendungen weniger hart befragt zu werden. Ich verstehe es aber überhaupt nicht, dass sogar hohe Funktionäre des ORF angebliche „Verhörmethoden“ abschaffen wollen oder sollen. Derartiges zu beabsichtigen ist ein offener Anschlag auf das hohe Gut der hart umkämpften journalistischen Freiheit in unserer Demokratie. Klar wird manchmal der Bogen überspannt. Das ist aber das kleinere Übel angesichts der jetzt offenbar erwünschten Möglichkeit, künftig nur noch parteigenehme Fragen stellen zu dürfen.

Schwere Zeiten für den Osterhasen

Möglicherweise täuscht mich der Eindruck, aber mir scheint, als hätte die Wirtschaft, konkret die Werbewirtschaft ihre Freude an Ostern verloren. Weitgehend zumindest, denn sowohl auf den vielen Prospekten oder Zeitungsinseraten als auch in der elektronischen Werbung kommt der sympathische Osterbote sehr viel seltener vor als mir das früher in Erinnerung war. Was habe ich mich gewundert, wenn die Schokohasen ehemals schon im Februar  in Reih und Glied zum Verkauf aufgestellt waren: heuer habe ich sie zwar auch schon vor der Zeit gesehen, aber doch auffallend dezenter und seltener, wie mir vorkommt. Ich will wirklich keinen Grabgesang auf Schokohasen anstimmen, aber: immerhin waren die süßen Langohren noch vor 2 Jahren die mit Abstand beliebtesten Geschenke (58 %), noch vor den gefärbten Eiern (42 %) und den Spielsachen (27 %). Stimmt mein Eindruck des deutlichen Rückgangs, lässt das sehr viel ernstere Rückschlüsse zu: Ostern befindet sich im freien Fall. Hat es Weihnachten (zum Leidwesen aller Kritiker des überhand genommenen Brauchtums) geschafft, auch außerhalb christlicher Familien gefeiert zu werden, ist das dem Osterfest nicht oder nur kaum gelungen. So sehr Theologen darauf hinzuweisen versucht haben, dass die Geschichte vom Kind in der Krippe eigentlich als kritische Anregung zu verstehen wäre, haben Kitsch und Geschäft diesen Hinweis lautstark übertönt und Krippe, Ochs und Esel zur eigenen werbeträchtigen Marke gemacht. Das Christentum selbst als eigentlicher Träger dieser Botschaft ist ins Hintertreffen gelangt. Anders bei Ostern: eine Kreuzigung lässt sich schwer sympathisch machen und noch schwerer verkaufen. Der frühlingshafte Ostertermin ließ den Osterhasen aufkommen,aber auch dem scheinen jetzt schön langsam die Batterien auszugehen. Ostern, das wichtigste Fest der Christen, steht ein wenig im Schatten. Ob es wirklich noch mehrheitlich mit der Auferstehung Christi verbunden wird, wage ich zu bezweifeln. Doch eher mit verlängertem Wochenende, mit einem Kurzurlaub im Süden, einem Frühlingsfest mit Freunden, vielleicht auch noch mit einer Wellness-Fastenkur in den Wochen davor, aber immer weniger mit dem, was den Kern Glaubens ausmacht. Und was macht ihn aus? Alle Christen wären eingeladen, das zumindest jeden Sonntag zu bekennen: dass vor 2000 Jahren ein gewisser Jesus von Nazareth, der sich durchaus selbstbewusst als Sohn Gottes bezeichnet hat, wegen seiner für damalige Zeiten absolut provokanten Predigten und Taten ans Kreuz genagelt wurde und dessen Leichnam drei Tage danach nicht mehr im Felsengrab gelegen ist. Er sei vom Tode auferstanden, sagten seine Anhänger, die nach und nach über wundersame Begegnungen mit Jesus berichteten. Was das für heutige Anhänger heißen könnte?  Wir brauchen über Tote nicht allzu sehr zu trauern, wir brauchen unseren eigenen Tod auch nicht wirklich zu fürchten, weil uns zugesagt ist, jetzt und danach bei einem guten Gott geborgen zu sein. Und zwar bedingungslos, ob wir jetzt an ihn geglaubt haben oder nicht, ob unser Leichnam verbrannt wurde oder traditionell im Sarg bestattet wurde. Eigentlich eine Botschaft, die hilfreich sein müsste und könnte, ein ausgeglichenes und seelisch gesundes Leben zu führen.

Einladung zum Bespitzeln und Denunzieren

Allein die Möglichkeit zu schaffen, jemanden anonym denunzieren zu können, ist ein offener Anschlag gegen die Demokratie. Noch dazu in einer Einrichtung wie der Schule, wo junge Menschen diese Form der Politik kennen lernen sollen.

Und überhaupt: Gnade Gott allen Lehrern, vor allem denen, die künftig eine der großen Clusterschulent leiten müssen. Man stelle sich vor, einer dieser Denunzier-Fanatiker wird einmal Unterrichtsminister… Soviel Rückgrat gibt es überhaupt nicht, dass ein solcher Pädagoge der Weisung von oben Widerstand leisten kann. Vorher dürfte er (oder sie) längst seines Postens enthoben sein.

Rücktrittsreifer Außenminister

Normalerweise habe ich keine so lange Reaktionszeit. Aber ich wollte und konnte es nicht glauben, was Außenminister Sebastian Kurz da über NGOs und Flüchtlinge im Mittelmeer von sich gegeben hat. Ich halte Derartiges nicht nur bodenlos ignorant den Ertrinkenden gegenüber. Es ist zugleich auch eine unerträgliche Ignoranz gegenüber allen freiwilligen Helfern in ehrenamtlichen Organisationen. Eigentlich ist ein Politiker mit solchen Ansichten nicht nur keine Hoffnung für eine politische Partei, schon gar nicht für eine, die sich noch immer christlich-sozial nennt, sondern er ist schlicht und einfach rücktrittsreif.

Mord als Sinn-Ersatz

Der Attentäter von London hat sich den Islam als seine Religion ausgesucht. Wie gut er ihn verstanden hat, wissen wir nicht. Von anderen Attentätern ist bekannt, dass sie von der Religion, die sie als Triebfeder des Anschlags benannten, ziemlich wenig Ahnung hatten. Der wahre Hintergrund derartiger Gräueltaten ist meist die unausgereifte Psyche der Täter. Sie wollen endlich etwas gelten und verwenden die Religion, in vielen Fällen zur Zeit den Islam, als billigen Vorwand. Mord als Sinn-Ersatz.

Verquere Argumentation

Was auch immer angeführt wird, um den priesterlichen Zölibat zu verteidigen und rechtzufertigen, EIN Argument ist unzutreffend und sogar beleidigend für alle Verheirateten. Die Ehelosigkeit erlaube es Priestern, ihren Beruf besser und intensiver auszufüllen als verpartnerten Männern. Übersetzt und umgedreht: Chirurgen, Sänger, Maurer, Journalisten, Psychologen usw. wären noch viel besser, wenn sie ledig wären. Davon abgesehen, dass ich persönlich meine, dass gerade das Gegenteil wahr ist, stellt ein derartiger Zusammenhang eine Beleidigung aller verheirateten Berufstätigen dar. Ich empfinde und erlebe persönliche Geborgenheit bei einem anderen Menschen nicht als Kräfte raubend, sondern als Kraft spendend.

Dies als (m)ein Beitrag zur Diskussion über die jetzt auch päpstlichen Überlegungen, verheiratete viri probati als Priester zu erlauben.

Bedenklicher Kniefall

Politische Bildung gut zu heißen, aber nur so lange, als die eigene Partei nicht kritisiert wird. Und wenn, dann wilden Alarm schlagen und den Schuldirektor zur unverzüglichen Absage zwingen. Solche Methoden erinnern an Zustände vor dem 2. Weltkrieg, als sich Mitläufer einer Partei immer frecher aufführten, bis es zur totalen Katastrophe kam.

Wehren wir den Anfängen! Über Parteien zu diskutieren und auch an ihnen Kritik zu üben, MUSS Platz haben in der Schule. Derartiges wehleidig zu unterbinden, passt genau in das Bild der neuen Rechten, wie ich es zuletzt mehrfach erlebt habe.