Trendsetter aus dem Mühlviertel

Nicht, dass die Schulkinder von Neumarkt im Mühlkreis anders oder gar besser wären als andere Schüler in diesem Land. Aber seit Jahren grasen sie im Herbst in der halben Gemeinde alle Apfelbäume ab und sammeln im Einverständnis der Besitzer Fallobst auf. Ein auf Obst spezialisierter Betrieb in Tragwein presst daraus vor den Augen der Schüler Apfelsaft, sterilisiert ihn und gibt ihn den jungen Leuten vakuumverpackt zurück. Es ist das beliebteste Pausengetränk für ein ganzes langes Schuljahr. Energydrinks oder colaähnliche Zuckerbomben sind im Schulgebäude taboo.
Dazu passt eine aktuelle Agenturmeldung dieser Tage: Bei Coca-Cola laufen die Geschäfte schleppend – nun soll mit Einsparungen gegengesteuert werden. Im dritten Quartal fiel der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr von 2,4 auf 2,1 Milliarden Dollar, wie der US-Konzern mitteilt. Der Getränkemulti kämpft vor allem mit sinkender Beliebtheit von zuckerlastigen Softdrinks.
Natürlich sind nicht die Neumarkter Schüler schuld daran, dass es dem Getränkeriesen schlechter geht. Aber die jungen Leute sind offensichtlich kein Einzelfall. Der Trend zu gesunder Nahrung scheint jetzt auch auf die Getränkeerzeuger durchzuschlagen. Weniger süß, weniger fett, weniger tierisch – mehr pflanzlich, mehr Natur: das ist der Trend. Mediziner bestätigen, dass er durchaus zu empfehlen ist: Stichwort Übergewicht, aber auch Stichwort Tierschutz, wenn man den veganen Megatrend bedenkt.
Noch eine Pressemeldung vom selben Tag, weil sie perfekt dazu passt: Viele Burger-Fans kehren der weltgrößten Imbisskette McDonald’s den Rücken. Auf dem Heimatmarkt USA knickten die Erlöse im dritten Quartal neuerlich ein. Von Juli bis September gingen die Umsätze insgesamt um fünf Prozent auf knapp sieben Mrd. US-Dollar ) zurück. Der Gewinn sackte gar um 30 Prozent auf knapp 1,1 Mrd. Dollar ab.
Möglicherweise ist diese Entwicklung darauf zurückzuführen, dass die Burger-Fans lieber zur billigeren Konkurrenz ausgewichen sind, wie die Pressemeldung zu erklären versucht. Nicht ausgeschlossen ist aber, dass der Trend zu Mutter Natur auch in diesem Segment zu spüren ist. Es wäre eine hoffnungsvolle Trendumkehr.
Viele moderne Wirte machen es längst vor: auf ihren Speisekarten kommen auch Gemüsefans voll auf die Rechnung, und sogar Veganer, die auf tierisches Eiweiß gänzlich verzichten, werden gern und problemlos bedient. Längst sind sie keine Eintagsfliegen mehr, längst haben sie ihr früher all zu alternatives Mäntelchen abgelegt.
Der große gemeinsame Nenner für diese Entwicklung ist die Nachhaltigkeit. So leben, dass auch die Generationen nach uns noch gut und gerne auf dieser Welt sein wollen. Nachhaltigkeit aber auch in Bezug auf unser persönliches Leben: so gesund und natürlich wie möglich und dabei auch die Ressourcen direkt vor der Haustür ausnutzend.
Die Mühlviertler Schüler aus Neumarkt machen es seit Jahren vor: Saft aus der eigenen Umgebung schmeckt, ist gesund und das natürlichste der Welt.

Bewegung auf dem Geldmarkt

Geldgeschäfte sind geheim. Als top secret gilt bei uns, wie viel jemand auf der hohen Kante hat oder wie tief er in der Kreide steckt. Geld ist tabu, fast so wie das Liebesleben. Und doch kommt niemand drum herum, über beides zumindest nachzudenken. Wen mache ich zu meinem Gegenüber, wie gehe ich mit ihm um. Wieviel vertraue ich ihm an, wieviel kann ich mir entleihen. Fragen, die für beide Bereiche stimmen: das Geld und das Beziehungsleben. Garantien gibt es ebenfalls nur sehr bedingt. Beziehungen können brechen, Banken können pleite gehen. Kluge Menschen lernen aus Misserfolgen. Sie starten einen neuen Versuch, sind aber vorsichtiger geworden. Bei der Wahl der Bank, aber auch bei der neuen Partnerschaft.

Bei den Geldgeschäften neigen immer mehr dazu, herkömmlichen Banken ihr Vertrauen zu entziehen. Zu vieles ist passiert, die Beziehung ist brüchig geworden. Würstel und ein Seiterl am Weltspartag können den Riss nicht mehr ausreichend kitten. Berichte über mehr als fragwürdige Beteiligungen, Gerüchte über schwindelnd hohe Geldflüsse an Personen, mit denen man als normaler Mensch lieber nichts zu tun haben möchte, das Wissen über Millionen und Abermillionen Euro, die in den Sand gesetzt wurden, haben das Vertrauen kleiner Sparer und Anleger tief erschüttert. Mit lächerlich niedrigen Zinsen auf ihren Sparbüchern müssen sie die Zeche zahlen, so ihr schwer zu widerlegender Eindruck.

Was tun sie? Sie halten nach Alternativen Ausschau. Lieber investieren sie ihre kleinen Vermögen in überschaubare Projekte. In Firmen, deren Manager sie kennen, deren Ansichten sie teilen. In Ideen, die auch die ihren sind. Windkraftwerke können solche sein, oder Betriebe, die den Gedanken Bio hochhalten oder Unternehmen auch, die Menschen Arbeit geben und dadurch eine Region am Leben halten. Wie der Unternehmer Heini Staudinger zum Beispiel. Er gibt durch seine Schuhfabrik vielen Menschen im Waldviertel Arbeit und Hoffnung. So sehr, dass ihm Leute sogar ihr Geld anvertrauen, mit dem er den Betrieb weiter ausbaut. Stop, ruft jetzt der Staat dazwischen. Solche Finanzierungen sind ihm nämlich nicht erlaubt. Sie seien nur den Banken vorbehalten. Genau den Banken aber, vor denen kleine Sparer einen immer größeren Bogen machen. Sie wollen und sollen selbst entscheiden dürfen, wem sie ihr Geld anvertrauen. Der Staat verweist auf den durch die Finanzmarktaufsicht garantierte Sicherheit der Bankeinlagen. Die Pattstellung hat es auf die Titelseiten geschafft.

Wir von der KA wünschen uns einen Kompromiss. Eine wie immer geartete Möglichkeit, dass es gesetzlich möglich wird, sein Geld so und dort anzulegen, wo man selbst es für sinnvoll hält. Wir möchten nicht, dass Unternehmen zusperren müssen, weil sie auf einem Finanzmodell basieren, das (noch) nicht legal ist, das aber den Bedürfnissen breiter Schichten entgegen kommt. Wie schreibt Christine Haiden am Schluss ihrer jüngsten OÖN Kolumne „Haiden am Donnerstag“: „Man kann Staudinger und Co. sicher noch einige Zeit kanifeln und verhindern, aber die Welle der Veränderung dürfte mächtiger sein, als manche glauben wollen“.