Heikle Einladung: Verständnis für Muslime

Ich möchte ungern in ihrer Haut stecken: 1 Monat lang tagsüber weder essen noch trinken, und das bei dieser Hitze, die den heurigen Ramadan im vergangenen Juni begleitet hat. Der heilige Monat der Muslime sollte aber auch Nicht-Muslimen Respekt abverlangen und nicht mitleidig lächelnde Verachtung. Immerhin ist das Opfer, das die Gläubigen in diesen 4 Wochen bringen, nicht unbeträchtlich. Es ist ein rein religiöses Opfer mit dem Ziel der inneren Reinigung. Und es ist erstaunlich, mit welcher Geschlossenheit sich auch die bei uns im Westen lebenden Muslime daran beteiligen. Sie könnten uns ein Beispiel sein. Immerhin gäbe es auch bei uns die beiden Fastenzeiten vor Weihnachten und Ostern. Dass sich die Mehrheit der Christen darum sehr kümmern würde, ist mir schon lange nicht mehr aufgefallen.

Ein Zweites: weil seit des großen Zustroms von Flüchtlingen die Zahl von Vergewaltigungen nach oben geht, wird das ohne lang nachzudenken muslimischen Männern in die Schuhe geschoben. Der Zusammenhang mit den Eingewanderten mag stimmen, aber: hängt das auch ursächlich mit ihrer Religion zusammen? Ich bestreite das vehement und wage die Behauptung: wären die Zugewanderten Mitglieder anderer, meinetwegen auch christlicher Religionen, gäbe es genauso viele Vergewaltigungen. Weil Triebe eben einmal stärker sind als Gebote. Klar sind Vergewaltigungen abzulehnen und zu verfolgen, klar sind Frauen davor zu bewahren, aber: dass allein stehende junge Männer, die hier im Westen beim endlos langen Warten auf den Asylbescheid praktisch dem Nichtstun ausgesetzt sind, auf schlimme Gedanken kommen, kann ich verstehen. Die Steigerung bei Vergewaltigungen ist daher in erster Linie diesem Umstand anzurechnen und nicht dem Faktum, dass diese Männer Muslime sind. Außerdem ist es eine Tatsache, dass sich die überwiegende Zahl der Flüchtlinge nichts zuschulden kommen lässt. Diese Menschen sind wie wir: nicht besser, aber auch nicht schlechter.

Und ein Drittes: es ist keine Floskel, wenn große Kirchenführer immer wieder von den drei großen Bruder- oder Schwesterreligionen sprechen: Juden, Christen und Moslems sind in ihrer religiösen Anschauung tatsächlich viel enger verwandt als gemeinhin wahrgenommen wird. Als gemeinsamer Stammvater gilt Abraham. Das Judentum begann mit dem Auszug aus Ägypten vor 3250 Jahren immer mehr Gestalt anzunehmen. Im Lauf der Geschichte sind die Wege jedoch auseinander gegangen: vor 2000 Jahren entwickelte sich daraus das Christentum, vor 1500 Jahren kamen die Moslems dazu. Zwischen den Religionen gab es deutlich längere Zeiten des absolut friedlichen Miteinanders als des wild kämpferischen Gegeneinanders. Letzteres sollten wir auch jetzt nicht einreißen lassen. Und vor allem sollten wir uns hüten, den Muslimen soziale Fehlentwicklungen in die Schuhe zu schieben, die sich bei uns abzeichnen, die aber nicht das Geringste mit ihnen zu tun haben, sondern mit eigenen v.a. politischen Versäumnissen in der jüngsten Vergangenheit.

Und noch etwas: wie vernünftiges Neben- und Miteinander von Religionen aussehen kann, demonstrieren evangelische und katholische Kirche gerade in Oberösterreich schon lange. Schönster Höhepunkt war das heurige Fronleichnamsfest auf dem Linzer Domplatz, das von Gläubigen beider Kirchen mit Superintendent und Bischof gemeinsam gefeiert wurde. Resumee: es geht schon, wenn nur alle wollen.

 

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6 Kommentare zu “Heikle Einladung: Verständnis für Muslime

  1. Der Generalvikar der Diözese Linz, DDr. Severin Lederhilger möchte den Blog-Eintrag von Dr. Bert Brandstetter nicht unkommentiert stehen lassen.

    Bert Brandstetter äußert in seinem Artikel im zweiten Absatz – zumindest äußerst missverständlich! – „Verständnis“ für Vergewaltiger. Vergewaltigung ist aber nie und durch nichts zu rechtfertigen! Nie kann man dies „verstehen“ wollen, um dafür „Verständnis“ aufzubringen – egal ob eine solche Gewalttat von In- oder Ausländern verübt wird. Möglicherweise sind die genannten Umstände der (fragliche) Versuch einer „Erklärung“, aber niemals darf für Vergewaltigung auch nur ansatzweise rechtfertigendes „Verständnis“ gezeigt werden.

    Bei Arbeits- und Beschäftigungslosigkeit soll mit allen Möglichkeiten Abhilfe geschaffen werden, egal ob bei Flüchtlingen oder Einheimischen. Untätigkeit kann und darf aber niemals als Ausrede für Gewalttaten dienen!

    Eines stimmt: Verbrechen ist Verbrechen – egal mit welchem religiösen Hintergrund. Religion rechtfertigt Vergewaltigung in keinem Fall!

  2. Vergewaltigungen entstehen nicht durch Triebe. Triebe sind nur eine jahrhundertealte vom Patriarchat genutzte Entschuldigungsformel. Auch weibliche Flüchtlinge stehen stundenlang in Warteschlangen und sind dem Nichtstun ausgesetzt! Auch viele männliche Flüchtlinge wandeln ihren Frust nicht in (sexuelle) Gewalt um! Vergewaltigungen sind Gewalttaten, die auf einer von der Gesellschaft getragenen Ungleichheit der Geschlechter, sprich Minderwertigkeit der Frau, basieren. Männer sind keine triebgesteuerten Tiere, und wenn ihnen was juckt, haben sie in der Regel gesunde Hände. Oder sie versuchen es mal mit Nettsein…. 😉

  3. Um aufgeflammte Missverständnisse auszuräumen, sei es noch einmal gesagt: Selbstverständlich sind Vergewaltigungen abzulehnen und zu verfolgen, klar sind Frauen davor zu bewahren, aber: dass allein stehende junge Männer, die hier im Westen beim endlos langen Warten auf den Asylbescheid praktisch dem Nichtstun ausgesetzt sind, auf schlimme Gedanken kommen, mag eine Erklärung für solche natürlich absolut untolerierbare Untaten sein. Eine Erklärung hat aber absolut nichts mit Verständnis oder gar mit heimlicher Duldung zu tun. Vorgänge psychologisch zu verstehen heißt nicht, sie auch moralisch zu dulden.

  4. Psychologische Erkenntnisse zeigen schon lange, dass Vergewaltigungen nicht durch Langeweile entstehen oder das Männer irgendwie hilflos ihren Trieben ausgesetzt sind, sobald sie aufhören wie die Irren zu arbeiten. Insofern sind das keine psychologischen Erklärungen. Das hat nichts damit zu tun, dass die Zustände in den Flüchtlingsheimen und das lange Warten auf Asylbescheide ohne sinnvolle Aktivität irgendwie zu tolerieren sind. Dagegen muss man auf jeden Fall was tun. Aber das eine mit dem anderen zu verknüpfen geht mal gar nicht. Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Frauen und Männer, die in denselben Zuständen leben und keine strafbaren Handlungen begehen.

  5. Eine Fortbildung zur gesellschaftspolitisch relevanten Thematik der Gewalt gegen Frauen, wäre für Sie wichtig. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen ist eine Form von Gewalt: Ausdruck von Frauenverachtung, Machterhalt, Unterordnung und Zerstörung von Mädchen und Frauen. Die (sexualisierte) Gewalt zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten. Auch Buben und Burschen waren/sind Opfer von (sexualisierter) Gewalt, die Täter kommen durchaus auch aus kirchlichen/katholischen Lebens- und Arbeitswelten.

  6. Moin Herr Brandstetter,
    das Durchhalten des Ramadan zeugt einerseits von Unterwerfung unter einen grausamen Gott – der ein derartig gesundheitsschädliches Verhalten den Menschen abverlangt – andererseits von einem religiösen Betrug an diesem Gott – denn kaum ist der „Fastentag“ um, wird erst Recht in Unmengen gegessen – und damit der ursprüngliche Sinn eines Verzichts prompt zunichte gemacht. Das ist – religiös betrachtet – also eine Farce und medizinisch betrachtet – komplett unsinnig – mindestens.
    Zum Thema Vergewaltigung: Wenn ich Sie beim Wort nehmen sollte, würde dies bedeuten, dass Sie nur deswegen nicht vergewaltigen, weil Sie „triebschwach“ sind?
    Bei annabachannablogspot.de habe ich eine Satire gefunden, die genau auf Ihre Einstellung zu passen scheint – Empfehlung.
    Und – Sie haben natürlich völlig Recht – Judentum, Christentum und Islam sind BRUDER-Religionen – nicht aber Schwesterreligionen. Denn erfunden und mit bestialischer Gewalt durchgesetzt wurden sie allesamt von Männern – mit dem Ziel, einen „Vatergott“ im Himmel – den es davor nicht gab – einzusetzen. Genau genommen handelt es sich also nicht um Bruder- sondern um Vaterreligionen. Wahrscheinlich wissen Sie das gar nicht, und ich werde es Ihnen auch nicht verübeln: Es ging und geht beim Patriarchat um die Absetzung der Mutter als Lebensschöpferin (fast hat patriarchal dominierte Technik das ja nun geschafft) und um die Erniedrigung der Frauen zu Sexualobjekten – und ob unter den Schleier gezwungen, ins Bordell gezwungen, ins Kloster gezwungen, in eine patriarchale Ehe gezwungen – alle drei Vaterreligionen haben die Frauenunterdrückung und die Vergewaltigung von Frauen und Kindern gemeinsam. Und die Vergewaltiger sind stets MÄNNER. Und das ist das Thema, dessen Fragen hier im Raum stehen – eine echte Aufgabe für echte Katholiken wie Sie: Wie können wir Männer endlich davon abhalten, zu vergewaltigen?
    Wie wäre es einmal mit: Wir geben Ihnen weniger Macht über andere Menschen?
    Wie wäre es mal mit: Einer weiblichen Päpstin und ausschließlich weiblichen Bischöfinnen, Priesterinnen – das wäre doch eine Lösung – denn die Statistiken zeigen: Frauen finden friedliche Lösungen und – sie vergewaltigen nicht!
    Gruß, Angela Bachmann

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