Beinharte Fragen sind Zeichen journalistischer Freiheit

Dunkel erinnere ich mich daran, in meinen ORF-Jahrzehnten selbst so einer gewesen zu sein, der mit dem Mikro gern auch durchaus frech nachgefragt hat und das solange, bis er eine brauchbare und verständliche Antwort bekommen hat. Nicht immer war ich mir sicher, ob der Bogen vielleicht nicht schon überspannt war. Aber die Alternative: nicht zu fragen oder meinem Gegenüber nur Fragen zu stellen, die diese Bezeichnung nicht verdienen, das wäre mir niemals in den Sinn gekommen, alleine schon aus Respekt vor der Person und der Position des Befragten. Ich verstehe es gut, dass vor allem Politiker jetzt immer öfter einmahnen, in den nächtlichen Infosendungen weniger hart befragt zu werden. Ich verstehe es aber überhaupt nicht, dass sogar hohe Funktionäre des ORF angebliche „Verhörmethoden“ abschaffen wollen oder sollen. Derartiges zu beabsichtigen ist ein offener Anschlag auf das hohe Gut der hart umkämpften journalistischen Freiheit in unserer Demokratie. Klar wird manchmal der Bogen überspannt. Das ist aber das kleinere Übel angesichts der jetzt offenbar erwünschten Möglichkeit, künftig nur noch parteigenehme Fragen stellen zu dürfen.

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