Schwere Zeiten für den Osterhasen

Möglicherweise täuscht mich der Eindruck, aber mir scheint, als hätte die Wirtschaft, konkret die Werbewirtschaft ihre Freude an Ostern verloren. Weitgehend zumindest, denn sowohl auf den vielen Prospekten oder Zeitungsinseraten als auch in der elektronischen Werbung kommt der sympathische Osterbote sehr viel seltener vor als mir das früher in Erinnerung war. Was habe ich mich gewundert, wenn die Schokohasen ehemals schon im Februar  in Reih und Glied zum Verkauf aufgestellt waren: heuer habe ich sie zwar auch schon vor der Zeit gesehen, aber doch auffallend dezenter und seltener, wie mir vorkommt. Ich will wirklich keinen Grabgesang auf Schokohasen anstimmen, aber: immerhin waren die süßen Langohren noch vor 2 Jahren die mit Abstand beliebtesten Geschenke (58 %), noch vor den gefärbten Eiern (42 %) und den Spielsachen (27 %). Stimmt mein Eindruck des deutlichen Rückgangs, lässt das sehr viel ernstere Rückschlüsse zu: Ostern befindet sich im freien Fall. Hat es Weihnachten (zum Leidwesen aller Kritiker des überhand genommenen Brauchtums) geschafft, auch außerhalb christlicher Familien gefeiert zu werden, ist das dem Osterfest nicht oder nur kaum gelungen. So sehr Theologen darauf hinzuweisen versucht haben, dass die Geschichte vom Kind in der Krippe eigentlich als kritische Anregung zu verstehen wäre, haben Kitsch und Geschäft diesen Hinweis lautstark übertönt und Krippe, Ochs und Esel zur eigenen werbeträchtigen Marke gemacht. Das Christentum selbst als eigentlicher Träger dieser Botschaft ist ins Hintertreffen gelangt. Anders bei Ostern: eine Kreuzigung lässt sich schwer sympathisch machen und noch schwerer verkaufen. Der frühlingshafte Ostertermin ließ den Osterhasen aufkommen,aber auch dem scheinen jetzt schön langsam die Batterien auszugehen. Ostern, das wichtigste Fest der Christen, steht ein wenig im Schatten. Ob es wirklich noch mehrheitlich mit der Auferstehung Christi verbunden wird, wage ich zu bezweifeln. Doch eher mit verlängertem Wochenende, mit einem Kurzurlaub im Süden, einem Frühlingsfest mit Freunden, vielleicht auch noch mit einer Wellness-Fastenkur in den Wochen davor, aber immer weniger mit dem, was den Kern Glaubens ausmacht. Und was macht ihn aus? Alle Christen wären eingeladen, das zumindest jeden Sonntag zu bekennen: dass vor 2000 Jahren ein gewisser Jesus von Nazareth, der sich durchaus selbstbewusst als Sohn Gottes bezeichnet hat, wegen seiner für damalige Zeiten absolut provokanten Predigten und Taten ans Kreuz genagelt wurde und dessen Leichnam drei Tage danach nicht mehr im Felsengrab gelegen ist. Er sei vom Tode auferstanden, sagten seine Anhänger, die nach und nach über wundersame Begegnungen mit Jesus berichteten. Was das für heutige Anhänger heißen könnte?  Wir brauchen über Tote nicht allzu sehr zu trauern, wir brauchen unseren eigenen Tod auch nicht wirklich zu fürchten, weil uns zugesagt ist, jetzt und danach bei einem guten Gott geborgen zu sein. Und zwar bedingungslos, ob wir jetzt an ihn geglaubt haben oder nicht, ob unser Leichnam verbrannt wurde oder traditionell im Sarg bestattet wurde. Eigentlich eine Botschaft, die hilfreich sein müsste und könnte, ein ausgeglichenes und seelisch gesundes Leben zu führen.

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