Warum Pfarren wählen

Der kommende 19. März ist für viele katholische Pfarren in unserer Diözese von maßgeblicher Bedeutung. Die Kirchenbesucher sind eingeladen, ihre pfarrlichen Vertreter für die nächsten fünf Jahre zu wählen. Pfarrliche Vertreter? Seit wann werden Pfarrer gewählt? Wer so fragt, an dem ist viel kirchliche Entwicklung unbemerkt vorbei geschrammt. Natürlich werden Pfarrer nicht gewählt, sondern vom Bischof bestellt. Aber sie alleine könnten das kirchliche Leben bei weitem nicht mehr schaukeln. Die Zahl der Priester ist zu klein und viele sind zu alt, um alle anstehenden Aufgaben noch zu bewältigen. Neben ihnen gibt es daher jede Menge anderer Personen, die Aufgaben und Funktionen übernehmen: Diakone (meist verheiratete Männer), weibliche und männliche Pfarr- und Pastoralassistenten und eben die Pfarrgemeinderäte. Ihr Fokus liegt auf der jeweiligen Pfarre. Sie kümmern sich (neben den hauptamtlichen Pfarrverantwortlichen) um alles, was Pfarre ausmacht: um den passenden Ablauf der Gottesdienste, um die würdige Gestaltung von Begräbnissen, um bauliche Angelegenheiten, um die Finanzen, um Flohmärkte, soziale Fragen und vieles mehr. Genau um diese Pfarrgemeinderäte geht es am 19. März. Sie stellen sich der Wahl durch die Kirchenbesucher und sind dann fünf Jahre lang im Amt. „Ich bin da. Für“: das ist ihr Motto heuer und das kann vieles bedeuten: Dafür sein, dass es die Pfarre weiter gibt, oder auch: sich dafür engagieren zum Beispiel. Pfarre hat mit Heimat zu tun und wird in gar nicht so seltenen Fällen auch von Personen genutzt, die ansonsten mit Kirche nichts mehr oder nur noch wenig am Hut haben: etwa über die Pfarrbibliothek oder über den kirchlichen Kindergarten. Engagement im Pfarrgemeinderat könnte auch der Start sein, selbst zu versuchen, ein Beispiel für eine attraktive Kirchengemeinschaft abzuliefern und damit auch einen Beitrag dafür zu leisten, das angekratzte Kirchenbild zu korrigieren, vielleicht sogar zu modernisieren. Kirche kann nur funktionieren, wenn die Basis lebt. Sie ist die Brutstätte für die dringend notwendigen Veränderungen in den über ihr liegenden kirchlichen Etagen. Der Wille der Basis wird auf Dauer nicht zu überhören sein. Etwa was veränderte Zulassungsbedingungen zum Priesteramt betrifft (warum sollten ausgebildete und verheiratete Frauen und Männer dieses Amt nicht übernehmen dürfen?) oder auch die Haltung der Kirche gegenüber Personen, deren ursprüngliches Lebens- und Liebeskonzept gescheitert ist. Papst Franziskus scheint hier einen wohltuend anderen Weg einschlagen zu wollen. Dass die Widerstände nicht zu groß werden, auch dafür können Pfarrgemeinderäte als gewählte Funktionäre der kirchlichen Basis eine wichtige Schützenhilfe leisten.

Engagement für kirchliche Anliegen bringt aber auch persönlichen Gewinn. Gemeinschaft wird erlebbar, vor allem junge Mitglieder erleben in dieser Gruppe bisher unentdeckte Talente und erhalten die Chance, sie auszuprobieren, was eine entschiedene persönliche Bereicherung darstellt. Und ältere Personen erleben erquickliche Teamarbeit, oft ganz im Gegensatz zu aufreibenden politischen Rivalitäten in den Gemeinderäten der politischen Gemeinde.

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