Versuch, KEINE Heiligsprechung zu schreiben

Landeshauptleute, auch Josef Pühringer, pflegen Gott sei Dank lebend abzutreten. Bei den ehrenden Abschiedsreden ist also darauf bedacht zu nehmen, sie nicht (nach Pühringers eigenen Worten) zu Grabreden werden zu lassen. Abschied ohne viel Pathos, das dürfte damit gemeint sein. Was nicht einfach ist angesichts einer Amtszeit von weit über 20 Jahren. Ein Landeshauptmann vom Format eines Josef Pühringer konnte gar nicht anders, als dem Land ein Gesicht zu geben. Fast jede große Entscheidung lief über seinen Schreibtisch. Und wenn nicht, hat er hinten herum davon gewusst und mit seiner Expertise die Dinge mitunter beeinflusst. Das liegt in der Natur des Amtes. Josef Pühringer war aber dennoch besonders, und das unterscheidet ihn von manchen seiner Kollegen, die auch das Land und seine Leute mögen: er ist nie abgehoben, er blieb am Boden und hat sich bemüht, sich von der Würde des Amtes nicht verändern zu lassen. Das grenzt aber bereits an Heiligsprechung, die sicher nicht in seinem Sinne ist. Viel mehr dürfte ihm eine kirchliche Formulierung gefallen, die weniger fein klingt, aber dasselbe meint: er ist trotz der Vielzahl von Gottesdiensten, der er von Amts wegen zu besuchen hatte, nie ein frömmelnder Heiliger geworden, sondern wie wir alle ein normaler Sünder geblieben. Der etwas bizzelige Charakter dürfte ihm von allen, die vielleicht manchmal in dessen Genuss gekommen sind, im Nachhinein als authentischer und schlussendlich sympathischer Zug nachgesehen werden. Kirchlichen Anliegen stand er, der ehemalige Religionslehrer, immer wohlwollend gegenüber, den Dank dafür wird er noch ausgiebig vernehmen und es ist ihm zu wünschen, dass ausreichend Zeit dafür bleibt. Denn er geht wohl demnächst, um in anderer Funktion aber zu bleiben. Sein Vorgänger Josef Ratzenböck machte es ihm vor und diente dem Seniorenbund 22 Jahre lang.

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