Lieber Papst Franziskus

jetzt bist du also beinahe 80. Ziemlich alt für einen, der noch so viel vorhätte auf seiner Baustelle im Vatikan. Andere Konzernchefs haben in diesem Alter längst an Jüngere übergeben und sind im Ausgedinge. Bei Politikern spricht man von Sesselklebern, wenn sie den Zeitpunkt der Übergabe nicht rechtzeitig erwischen, manche sind dabei noch weit vom Achtziger entfernt. Bei Päpsten ist das anders. Dein Vorgänger hat die Welt daran erinnert, dass auch ein Papst in Pension gehen darf. Du wirkst jedoch nicht wie ein müder Rentner, ganz im Gegenteil: wer dich erlebt, spürt den Schalk, der dir in deinen Augen blinzelt, alle staunen über deine Agilität, die du gern im Bad der Menge auskostest und manche staunen über die Konsequenz, wie du deinen Weg gehst, der nach deinen Vorstellungen der Weg der katholischen Kirche sein soll: viel weniger pompös, viel weniger angepasst, viel offener und menschenfreundlicher, als man das vor dir gewohnt war. Nicht alle sind glücklich auf diesem unbequemen Weg. Selbst nachdenken zu müssen, was denn deine Vorschläge für die eigene Umgebung bedeuten, scheint ihnen zu mühsam. Leichter wäre es, einen Befehl nach Strich und Beistrich auszuführen, aber Befehle gibst du nicht. Es sind Anregungen, Wegzeichen und Denkanstöße. Dass es danach zu durchaus gegensätzlichen Entscheidungen kommen kann (etwa in der Frage der Sakramente für Katholiken in 2. Ehe), scheint dich wenig zu stören. Unterschiedliche Formen unter demselben Dach dürften es sein, was Kirche für dich ausmacht und wie dieser riesige, weltumspannende Konzern vielleicht eine gute Überlebenschance haben könnte.

Manche verlieren dabei die Geduld, und ich verstehe die Frauen in deiner Kirche. Sie hätten sich mehr Tempo gewünscht auf ihrem Weg zum Altar. Dass du dir dabei Zeit lässt und ihnen keine zu schnellen Hoffnungen erlaubst, macht dich bei denen ziemlich unbeliebt. Deine mögliche Sorge, dass es bei Frauenpriesterweihen die Weltkirche zerreißen könnte, wollen viele nicht verstehen und sie argumentieren damit, dass der Prozess der Kirchenspaltung doch längst im Gang sei, allerdings nicht zwischen Frauen und Männern, sondern zwischen jungen und alten Kirchenmitgliedern. Was auch stimmt: in europäischen Kirchenbänken sieht man kaum noch junge Menschen sitzen.

Für dich scheint es aber wichtigere Fragen zu geben als jene, dass es möglichst bald Priesterinnen gibt. Für dich spricht, dass du dich spannend erhältst. Welchen Geistlichen gibt es schon, dessen sonntägliche Predigten oft heiß erwartet werden? Du hast dir den Ruf erarbeitet, dass die Zuhörer immer wieder überrascht werden und von dir geistige Nahrung erhalten. Wenn das kein Kompliment ist für einen Priester im Alter eines Uropas.

Von Managern sagt man, was sie in 3 Jahren an notwendigen Umbaumaßnahmen nicht schaffen, würden sie nie mehr zusammenbringen. Ich meine, dass dies für Päpste keine Gültigkeit hat. Das beste Beispiel dafür bist du, lieber Papst Franziskus. Ich wünsche dir und uns allen zu deinem 80. Geburtstag, dass du überraschend bleiben kannst und dass dich dein hohes geistliches Geschäft noch möglichst lange freut.

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