Generation what: „des zaht si net…“

Politische Parteien beklagen den Umstand genauso wie die Schulbehörde, Hilfsorganisationen vielleicht etwas weniger, in Kirchen macht sich das Phänomen aber wieder ganz massiv bemerkbar: es ist der Vormarsch der Ich-AGs. Der Vormarsch also von Menschen, die in erster Linie sich und ihren Vorteil suchen und nicht den der Gemeinschaft. Solche Egoisten hat es immer gegeben, der Unterschied mag vielleicht darin liegen, dass Egoismus früher aufgrund der allgemein geltenden Moral eher scheel angesehen war. Das ist jetzt nicht mehr so. Egoisten haben keinen Nachteil mehr davon zu erwarten, wenn sie zu allererst auf ihren persönlichen Vorteil schauen, bevor sie sich vielleicht um das Wohl ihrer Umgebung kümmern, wenn überhaupt.

Die Schulbehörde merkt das an den Bewerbungen für Direktorenposten. Es sind wenig hundert Euro, die ein Direktor für seine nicht unerhebliche Mehrarbeit beziehen kann. Die Folge: kaum noch ein Lehrer bewirbt sich um dieses ehemals durchaus begehrte Amt, weil es wenig Geld, aber ein erhöhtes Maß an Verantwortung mit sich bringt.

Oder politische Parteien. Welcher Privatmensch will es sich antun, Jahre lang für diese oder jene Überzeugung zu werben, von Haus zu Haus zu laufen, Zettel auszutragen, Lose zu verkaufen und Stimmung zu machen. Aber auch, wenn es dafür Geld gibt, überlegen es sich mögliche Kandidaten lieber fünfmal, bevor sie sich und ihre Zeit hergeben, um sich zuerst um ein Amt zu bewerben und sich danach in der ersten Krise von Andersdenkenden schlecht machen zu lassen. Die Folge: politisches Fußvolk zu suchen wird zur Mammutaufgabe, taugliche Bürgermeister zu finden geradezu ein Glücksspiel.

Hilfsorganisationen wie Feuerwehr oder Sanitätsorganisationen haben es etwas leichter. Auch sie leben von Freiwilligen, ihr Vorteil mag sein, dass es für die Schar der Mitarbeiter schon auf den ersten Blick ersichtlich ist, auch persönlich etwas davon zu haben, wenn man dabei ist: die mögliche Karriere in der Organisation, die öffentliche Anerkennung, die Gemeinschaft. Ähnlich der Einsatz in den unzähligen Musikkapellen usw.

Anders wieder die Situation in den Kirchen: die Kirchenbänke leeren sich, die Austrittszahlen steigen unvermindert. Das Eintreffen der ersten Kirchenbeitrags-Vorschreibung bewirkt in nicht wenigen Fällen den Austritt aus der Organisation. Warum zahlen für etwas, das ich eh nicht nutze, und überhaupt: warum sich engagieren für dieses oder jenes Projekt, denken sich viele. Was habe ich davon, wenn andererseits ein freies Wochenende oder ein netter Kurzurlaub über den Feiertag möglich ist und vor allem: wenn ich auch ohne all das mein Leben leben kann.

Natürlich gibt es viele Ausnahmen. Beispiele, die eine gänzlich andere Sprache sprechen, etwa das Projekt „72 Stunden ohne Kompromiss“, in dem sich  über 4000 junge Leute in Österreich sozial engagiert haben. Aber unterm Strich ist der Befund besorgniserregend negativ.

„Des zahlt si net“, hören Lehrer von Heranwachsenden immer wieder, wenn sie die jungen Damen und Herren motivieren möchten, dies oder jenes zu tun, was vielleicht über den aktuellen Lehrstoff hinausgeht.

„Des zaht si net“ scheint das Motto der jungen „Generation what“ geworden zu sein. Ein Motto, das zu denken gibt und keine sonderlich gute Prognose ermöglicht, sollten dereinst wieder schlechtere Zeiten anbrechen.

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