Grausliche Folgen der Trump-Wahl

Viele können sich seit heute freuen, auch in Europa. So unberechenbar der neue US Präsident ist, das Freihandelsabkommen TTIP lehnt er ab, hat er zumindest gesagt. Ob er es tun wird, weiß niemand, aber die europäischen Gegner von TTIP bekommen dadurch Rückenwind. Von einem Mann halt, der ihnen bisher alles andere als grün war. Die Amerikaner haben einen Milliardär an die Spitze gewählt, der Frauen öffentlich demütigt, der Mauern bauen, Flüchtlinge ausweisen will, der hohe Steuerschulden hat undundund. Und eine sympathische Erscheinung ist er auch nicht. Aber: er schert sich um nichts, auch nicht um seine eigene republikanische Partei, er sagt, was er sich denkt, pfeift auf die Diplomatie, träumt von einem starken Amerika und hat damit den Nerv der Amerikaner getroffen, die ihn dafür gewählt haben.

Übertragen auf Europa, wo amerikanische Trends immer recht schnell ankommen: einfach denkende, populistische Kandidaten sind im Aufwind. Politiker, die auf die Stärkung der eigenen Nationen setzen und auf die EU pfeifen, sind im Kommen. Das größere Gemeinsame zu denken scheint für eine Weile der Vergangenheit anzugehören. Was in dieser Weile dadurch aber auf unserem Kontinent passieren wird, wage ich gar nicht zu denken… (Die nächsten Europäer, die sich bei Wahlen für oder gegen diesen Trend aussprechen dürfen, sind wir Österreicher: nicht nur am 4. Dezember, sondern womöglich auch schon 2018…)

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2 Kommentare zu “Grausliche Folgen der Trump-Wahl

  1. Guten Tag nach Österreich.
    Das ist gut und knapp zusammengefasst. Manch einer glaubt ja indes schon, dass dies eine Riesenkatastrophe ist und formuliert schon so etwas wie Endzeitstimmung. zumindest die Pressemeldungen etablierter Medien geht in diese Richtung und es wird die Frage gestellt, wie wird das weiter gehen?

    Es wird weitergehen. Das ist sicher. Ob das allen gefällt ist eine andere Frage. Die Angstmache der führenden Medien, der etablierten Politiker und einflussreicher Lobbyisten zeigt eher, dass diese Gruppen Angst haben müssen – nämlich privilegierte Vorteile für sich verlieren zu können.

    Als Person ohne Präferenzen sage ich: Es ist gar nichts passiert. Es war eine demokratische Wahl nach einer unsäglichen Schlammschlacht und die Amerikaner bekommen den Präsidenten, den sie sich (zur Überraschung von Vielen) gewünscht haben und der zu ihnen passt.

    Wir sollten das anerkennen und uns fragen was wir wollen. Wenn unsere Gesellschaft eine klare Vorstellung von dem hat, wie sie leben möchte, dann können wir das notwendige tun um diese Entwicklung voranzutreiben. Dann brauchen wir keinen amerikanischen Präsidenten hinter dem alle herlaufen, in Ermangelung eigener Klarheit und eigener Vorstellungen.

    Trump hat es medial auf eine ganz einfache Formel gebracht: „America first“. Genau so sollten wir auch denken. Wir sollten zu allererst an unser Gemeinwesen denken und uns klar machen, wie wir leben wollen und dann alles tun um unsere Gesellschaft dort hin zu entwickeln. Wir sollten uns nicht darum sorgen, dass Amerika den „besten Präsidenten“ bekommen (den haben sie sich heute Nacht gewählt 😉 und das Amerika das bekommt was es will. Das verstellt uns nur den Blick für unsere eigenen Interessen und das kann nicht unserem Interesse sein.

    Seit heute ist Trump genau so eine Realität wie Putin oder Erdogan und viele andere. Damit müssen wir umgehen. Ja. Aber Trump und Amerika ist der falsche Focus.
    Es gibt bei uns genügend aufzuräumen. Wie wäre es denn zu Beispiel mit der grandios misslungenen Integration des Ostens. Oder fairen Lohn für gleiche Arbeit. Bildungschancen, soziale Teilhabe für alle, faire Besteuerung von Arm und Reich oder die kommende Altersarmut.

    Wir haben uns Amerika viel zu lange zum Vorbild genommen und haben mit der unreflektierten Übernahme amerikanischer Interessen, die negativen Konsequenzen für unser Gemeinwesen ausgeblendet. Nun soll die Globalisierung oder (der aus Amerika kommende) Neo-Liberalismus daran schuld sein. Ich sage: Alles Unsinn. Das Problem ist unser Fokus auf Amerika, der uns den Blick auf uns selbst verstellt hat. Das müssen wir, jeder einzelne, die deutschen Lobbyisten, die deutschen Medien und die Politiker schnellstmöglich lernen.
    Wenn die narzistische Egomanie von Herrn Trump dabei hilft, dieses Lernen in Gang zu setzen und zu befördern, dann sollten wir den amerikanischen Wählern für ihre Entscheidung dankbar sein und dieses Wahlergebnis als glückliche Fügung des Schicksals anerkennen.

  2. Wir sollten Wahlergebnisse weder beklagen noch verteufeln, es nützt uns nichts. Das Wunschdenken der (österreichischen) Medienlandschaft und die „Selbsthilfegruppe ORF“ entfernen die Bevölkerung immer weiter von den verantwortlichen Politikern der westlichen Demokratien. Hat denn keiner von den gescheiten Kommentatoren des ORF und Politikexperten in den vergangenen Wochen gewusst, was in der Bevölkerung vorgeht? Wenn jetzt jemand überrascht ist, dass die Wahl so ausgegangen ist, war er entweder nicht richtig informiert oder eben kein Experte. Auch bei den nächsten Nationalratswahlen wird in Österreich das Szenario ähnlich sein. Wir werden eine Meinungsberichterstattung wochenlang präsentiert bekommen, die nicht der gelebten Wirklichkeit entspricht. Man wird uns wochenlang erzählen, welche Farbe das Auto von H.C. Strache hat und was er wann und wo gesagt hat. Man schachterlt die Volksmeinung in links und besonders rechts und wundert sich später mit abfälligen Kommentaren über das Wahlergebnis. Diese Entwicklung ist gefährlich. Endet sie doch – siehe USA – beim Infragestellen der Demokratie. Es ist daher höchste Zeit, daß die Politiker auch unseres Landes begreifen, daß sie den Abstand zu ihren Wählern verringern und den zu den Medien vergrößern müssen.

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