und noch einmal: Schlemmern im Gotteshaus

Kirchen sind längst nicht bloß Stätten von Gottesdiensten. Selbst im Linzer Dom wird bisweilen nach besonderen Feierlichkeiten eine bescheidene Agape angeboten, um die Besucher noch ein wenig ins Gespräch kommen zu lassen. Aus Frankreich ist mir sogar ein richtiges Abendmahl bekannt, das der Pfarrer speziell für Arme seiner Gemeinde veranstaltet. Ein Essen ganz ohne Gottesdienst in einer Kirche. So etwas muss Platz haben und es muss möglich sein. Die Pfarre Freistadt scheint es mir mit der Liberalität in dieser Hinsicht aber doch etwas zu weit getrieben zu haben, wie ich meine. Ein Haubendinner samt Alkohol und musikalischer Begleitung um 96 € in der Stadtpfarrkirche! Also ein Event, das sich aufgrund der Höhe des Preises ganz sicher nur Menschen leisten können, die nicht jeden Euro zweimal umdrehen müssen. Selbst wenn 10 Prozent der Einnahmen an die Pfarrcaritas gehen: eine derartige Kalkulation klingt verdächtig nach Bestechung, sie steht aber auch prinzipiell diametral dem gegenüber, was Kirche sein will und sein soll. Christen sollen nicht im eigenen Saft schmoren, sie sollen sich öffnen, sie sollen mit Andersdenkenden ins Gespräch kommen und sie sollen ihre Häuser nicht verschließen. Das ist voll und ganz zu unterschreiben. Christen dürfen sich aber auch nicht zu billig verkaufen, wie die Aufregung rund um das Schlemmermahl im Freistädter Gotteshaus zeigt. Vielleicht steht die gut gemeinte Idee dahinter, damit Menschen in die Kirche zu bringen, die ansonsten nie in ein solches Haus kommen. Das aber mit einem Haubendinner zu versuchen ist sicher der falsche Weg, weil etwas völlig anderes vorgegaukelt wird, als eine Kirche eigentlich anbietet. In der Liturgie ist natürlich auch von Speis und Trank die Rede. Kirchgänger wissen aber, wie das gemeint ist und dass das mit leiblicher Sättigung nur indirekt zu tun hat, mit einem sündteuren Haubenmahl aber ganz bestimmt überhaupt nichts.

„Mühlviertlerisch tafeln“ heißt die Veranstaltungsserie, die sich in der Freistädter Stadtpfarrkirche einnisten wollte. Dass dies aus prinzipiellen Gründen einfach unmöglich ist, soll die Qualität des Events nicht schmälern. Es ist kreativ und innovativ, das kulinarische Potenzial der Region einmal an ungewöhnlichen Orten zu präsentieren. Es hilft den ohnedies Leid geplagten Wirten, betuchten Gästen ihr Können zu zeigen und damit Werbung zu machen für ihre Kunst. Und es ist anregend, das mit lokalen Musikanten zu verbinden, die das tolle Essen mit feiner Tafelmusik begleiten. Alles lobenswert und vor den Vorhang zu holen, nur: ein Gotteshaus ist dafür bei aller nötigen Offenheit schlicht und einfach der falsche Ort. Weil es sich nicht miteinander verträgt, in einem Haus des Betens, der Besinnung und der Ruhe feinste Speisen und Getränke zu servieren, die es die Gäste trotz aller vielleicht besinnlicher Musik bald vergessen lassen, wo sie sich eigentlich befinden. Selbst wenn sie die köstlichen Speisen in den dafür sicher nicht geeigneten Kirchenbänken verzehren müssen. Das alles haben die Freistädter jetzt eingesehen und die Veranstaltung aus der Kirche verbannt. Dazu ist ihnen zu gratulieren.

 

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Ein Kommentar zu “und noch einmal: Schlemmern im Gotteshaus

  1. Bitte bei der Wahrheit bleiben: Die Veranstaltung wird aus Gründen des guten Miteinanders abgesagt und weil es den Pfarrverantwortlichen nicht wert ist, sich den Verleumdungen, den Gehässigkeiten und den Unterstellungen vieler der „vielen Mutigen“ auszusetzen. Das ist diese Veranstaltung tatsächlich nicht wert, weil es in persönlicher Hinsicht gar keinen Unterschied macht, ob sie stattfindet oder nicht.

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