Kein Schlemmermahl im Gotteshaus

Kompliment den Pfarrverantwortlichen von Freistadt: sie haben eingesehen, dass ein Haubenmenü in der gotischen Stadtpfarrkirche fehl am Platz ist und haben die Veranstaltung verlegt. Die Kirche, in deren Bänken die Gäste von „mühlviertlerisch tafeln“ das Spitzenbuffet hätten genießen sollen, bleibt verschont, das Event findet in dem dafür perfekt geeigneten Salzhof statt. Kompliment aber auch den vielen wachen und kritischen Geistern, die mit ihrem mutigen Auftritt (telefonisch, per mail und in Postings) diesen Fehltritt verhindert haben.

 

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6 Kommentare zu “Kein Schlemmermahl im Gotteshaus

  1. Schade!! Es verwundert, dass ein Verantwortungsträger der KA offensichtlich die Öffnungen der Kirche seit dem letzten Konzil verschlafen hat. Will die KA wirklich wieder ins tiefe Mittelalter zurück (Leibfeindlichkeit)??? Schade!!!

    • Aber Andreas, hier schüttest du wohl das Kind mit dem Bad aus. Niemand will zurück ins Mittelalter, schon gar nicht die KA. Aber Öffnung heißt noch lange nicht billige Anbiederung. Wenn wir das tun, verliert die Gesellschaft schnell den Respekt vor uns.

  2. Hier die offizielle Stellungnahme der Pfarre Freistadt:

    Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Eph 4,2-3

    Mühlviertlerisch Tafeln in der Stadtpfarrkirche abgesagt

    Aufgrund einer Welle an kritischen Stimmen wird die Veranstaltung Mühlviertlerisch Tafeln am Freitag, 2. September nicht in der Stadtpfarrkirche stattfinden. Die emotional aufgeladene und bisweilen polemisch einseitige Rhetorik erlaubt zum jetzigen Zeitpunkt keine sachliche Vermittlung mehr. Den von Einzelpersonen verbreiteten verzerrten Darstellungen ist mit Argumenten und auf dem Boden der Tatsachen nicht beizukommen. Die Ängste vor einem Gelage, einer Fresserei, einer Entsakralisierung des Kirchenraums haben eine derartige Eigendynamik entwickelt, dass die nüchterne Sicht auf das Veranstaltungskonzept vollständig aus dem Blick geraten ist: ein klassisches Konzert mit einer (dem Rahmen selbstverständlich angemessenen) Verköstigung in den Pausen.

    Auch wenn die Pfarrleitung nach wie vor inhaltlich hinter ihrer Entscheidung steht, wird aus Gründen des guten Miteinanders deshalb auf diese einmalige Veranstaltung verzichtet. Die entgangene Möglichkeit, Erfahrungswerte auch in diese Richtung zu sammeln, wird insgesamt bedauert.

    Alle BefürworterInnen und Befürworter dieses Öffnungsversuches bitten wir jedenfalls um Verständnis und laden alle Kritikerinnen und Kritiker natürlich jederzeit zur konstruktiven Mitarbeit ein.

    Die Pfarrleitung

    Und noch ein Gedanke in eigener Sache: Das Lob des Bloggers an die vielen Mutigen, die dazu beigetragen haben, diese Veranstaltung zu verhindern kann ich nicht nachvollziehen. Außer man will Beschimpfungen, Verunglimpfungen, Polemik, Unterstellungen, Gehässigkeiten etc. gut heißen. Was hier passiert ist, ist einer Gemeinschaft, die sich selbst christlich nennt, jedenfalls unwürdig. Vom Blogger Bert Brandstätter, den ich beim gemeinsamen Theaterstück „Die Wolkenmacher“ schätzen gelernt habe, bin ich jedenfalls persönlich und nachhaltig tief enttäuscht.

    Wolfgang Gratzl (Pastoralassistent in der Pfarre Freistadt)

  3. Lieber Mag. Wolfgang Gratzl, deine Enttäuschung nehme ich zur Kenntnis und ich kann sie auch verstehen. Hätte ich derartiges geplant oder zumindest mitgetragen, würde ich vielleicht ähnlich reagieren, wenn das dann abgeblasen werden muss. Ich habe mir schon die Mühe gemacht, zu verstehen, was euch Freistädter bewogen hat, das Event in der Kirche zuzulassen. Öffnung zuzulassen finde auch ich richtig und nötig. Einen Kirchenraum aber derart desakralisieren zu lassen, wie es „mühlvierlerisch tafeln“ vorgehabt hätte (bloß Kulisse für ein Haubenmenü), finde ich prinzipiell falsch. Die vielen negativen Reaktionen aus dem ganzen Land zeigen, wie sehr damit auch die Gefühle von Gläubigen verletzt worden wären. Weshalb ich euch Pfarrverantwortlichen nochmals wirklich aufrecht gratuliere zu der Entscheidung, die Veranstaltung im Kirchenraum abzusagen.

    • Lassen wir jetzt einmal Gras drüber wachsen, und wenn die Sache dann nicht nur gegessen ist, sondern vielleicht auch verdaut, dann vergessen wir die vielen Prinzipien und du schaust bei Gelegenheit auf einen Kaffee im Pfarrhof vorbei – auch im Sinne des guten Miteinanders und im unverfänglichen Rahmen.

      Derweil eine gute Zeit

      wolfgang

  4. Mal abgesehen davon, daß eine Kirche kein Speisesaal ist und ich aus religiösen Gründen froh über die Entscheidung bin: Es freut mich auch aus einem säkularen und nicht minder wichtigen Grund.
    Dampfende Speisen dürfen schlichtweg nicht in die Nähe von bemaltem Schnitzwerk (Nothelferaltar) und Ölgemälden (Katharinenaltar) kommen. Wenn schon kein Respekt vor dem Heiligen da ist, könnte ja wenigstens Respekt vor den Künstlern herrschen, deren Werke man mit solchen Aktionen zumindest strapaziert.

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