Schlemmermahl im Gotteshaus

Kirchenleuten mag man gelegentlich vorwerfen, gar zu abgehoben und weltfremd zu agieren. Was die Verantwortlichen der Pfarre Freistadt aber geritten haben mag, ihre gotische Stadtpfarrkirche am 2. September einen Abend lang zu einem Restaurant werden zu lassen, ist schwer nachvollziehbar. Unter dem Titel „Kulinarik zu himmlischen Klängen“ bewerben Gastronomen und Touristiker einen Abend, der neben einem reichhaltigen Buffet inklusive Getränken, begleitet von edler Bläsermusik zum Preis von 94 (!) Euro Gaumen und Gemüt erfreuen soll. Dass zehn Prozent der Einnahmen der Pfarrcaritas zugute kommen soll, macht die Veranstaltung im Gotteshaus nicht leichter verständlich. Nichts gegen schlichte Agapen in Kirchen nach geistlichen Veranstaltungen: aber sündteure Haubenmenüs mit ausgewählter alkoholischer Begleitung haben in liturgischen Räumen nichts, aber rein gar nichts verloren. So lobenswert und originell die gastronomische Serie „mühlviertlerisch tafeln“ zweifellos ist: aber es gibt geeignetere Veranstaltungsorte als intakte Kirchen. Gotteshäuser vielleicht im Sinne der Öffnung gegenüber der Gesellschaft als Restaurants zu vermieten ist lupenreine Pervertierung ihrer ureigenen Bestimmung.

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9 Kommentare zu “Schlemmermahl im Gotteshaus

  1. FInde Ihre Meinung verfehlt, wenn eine Veranstaltung Qualität hat, warum nicht auch in einer Kirche, noch dazu wenn es zusätzlichen einen caritativen Anreiz hat. Wird in Zukunft aber ohnehin leichter, weil viele Kirchen zu „ehemaligen Kirchen“ werden und diese nicht immer – wie in Wien – an andere Konfessionen weitergeben werden können und kirchenfremd genutzt werden.

  2. Das ist wieder einmal ein Beweis dafür, dass die Verantwortlichen der Pfarre, angefangen beim Pfarrer die Kirche selber ruinieren, nicht das normale Volk!
    Ich bin froh einen starken Glauben zu besitzen, den ich von meinen Eltern überliefert bekommen habe, denn von den heutigen Vertretern der Kirche erwarte ich mir nichts mehr.

    Danke für deine guten Beiträge!

    • Umso wichtiger wäre dann, die Basis wie in der Urkirche entscheiden zu lassen. Alles dann aber, von der Pfarrbesetzung bis zum Bischof! Dann könnten weder die Befürworter noch Gegnerinnen wie Sie lamentieren, dass es nicht des Volkes Wille sei.

  3. Fast jedes Wort, das du in deinem absolut treffenden Kommentar verwendest, habe ich ebenfalls schon seit Wochen ins Treffen geführt. Mit dem Ergebnis, als „Hinterwäldler“ abgestempelt worden zu sein. Schön, dass du als „Institution“ dieses Fressgelage unterbinden konntest.

  4. Es ist etwas befremdlich zu lesen, dass sich gerade eine Organisation, die sich auf die Fahnen heftet „Leben in die Kirche“ bringen zu wollen und die „verkrustete Strukturen“ beklagt, gegen eine solche Veranstaltung wehrt. Kirchen wurden und werden immer auch für andere als die liturgischen Zwecke verwendet. In Kathedralen gab es ursprünglich sogar Marktstände. Auch heute noch finden Konzerte, Vorlesungen, Ausstellungen und andere Veranstaltungen statt, nachzulesen unter anderem auch in der „Langen Nacht der Kirchen“. Wieso dann ausgerechnet eine karitative Veranstaltung, die das Essen in den Mittelpunkt stellt will sich mir nicht erschließen. Das neuerdings Wein ein Tabu in österreichischen Kirchen ist, ist mir neu.

  5. interessant, dass ich jemandem so im magen liege, dass er sogar meine email-adresse klaut, um sich hier in meinem namen mit einem blog wichtig zu machen. Wo doch mittlerweile viele in Freistadt wissen, dass ich entschieden gegen diese veranstaltung bin. bravo bert, du hast mir aus der seele gesprochen.

  6. Diese, vom Präsidenten der KA OÖ emotionsgeladen transportierte Diskussion über eine Veranstaltung in einer Kirche, sollte so nicht abgehandelt werden. Ich hoffe, daß diese mediale Empörung eine sachliche Auseinandersetzung über die künftige Bedeutung und Funktion der Gotteshäuser nicht schon im Keim erstickt, sondern Überlegungen zuläßt, was das Beisammensein in einer Kirche zu etwas Besonderem macht. Musik? Ausstellungen? Vorträge? Gemeinsame Essenskultur? Ich habe an meinem Urlaubsort wenig Detailinformationen über den konkreten Anlaß in Freistadt. Es ist aber aus meiner Sicht grundsätzlich höchste Zeit, die Kirchen für unsere Jugend und andere Kunst- Kultur-Begeisterte zu öffnen und zu einem der Zeit entsprechenden Ort der Begegnung zu machen. Das hätte nicht nur Auswirkung auf die Zahl und Altersstruktur der Kirchenbesucher, sondern auch auf das Interesse Mitglied unserer „Gemeinschaft“ zu werden.

  7. In Ihrem Blog spiegelt sich die Hilflosigkeit der katholischen Kirche gegenüber Sinnlichkeit auf bereits überwunden geglaubte Art und Weise wider. Ein sakraler Raum wird nicht dadurch entweiht, dass darin gespeist und zu den Klängen klassischer Musik ein Fest gefeiert wird.
    Im Gegenteil, die Chance, so möglicherweise besonders tiefe und zu Herzen gehende Momente zu ermöglichen und zuzulassen, wurde leichtfertig vertan.
    Nebenbei bemerkt: Die Polemik in Ihrer Stellungnahme ist hier unangebracht und platt, unterstellt sie den Veranstaltern sowie dem Pfarrer von Freistadt doch Gedanken- und Gefühlslosigkeit.
    Möglicherweise haben die genannten Personen über diese Veranstaltung jedoch länger und vor allem tiefer nachgedacht als Sie.

  8. Lieber Herr Mag. Hinterdorfer, nach meiner Meinung schießen Sie in Ihrem Kommentar über das Ziel. Einen sakralen Raum vor zu viel Säkularisierung zu verteidigen ist kein Ausdruck von Hilflosigkeit gegenüber Sinnlichkeit. Denn es ist in solchen Räumen abseits der Gottesdienste genug Sinnliches möglich, denken Sie an Konzerte, oft auch in Verbindung mit Agapen, gegen die niemand etwas einzuwenden hat. Aber Haubenmenüs (95€!) mit musikalischer Begleitung, denen es bloß um den originellen architektonischen Rahmen geht, haben in Kirchen nichts verloren.

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