Respekt statt Fusion: reicht das für die Kirchen?

Ein wenig ist es wie in der Wirtschaft: Die Zeiten, in denen small beautiful war, sind in Wirklichkeit lange vergangen. Überleben scheint nur den Großen garantiert. Warum mir das einfällt? In Kremsmünster ging es neulich um die Ökumene und gescheite Damen und Herren schrieben auf den Titel, es müsse etwas weitergehen. Deutlich spürbar dahinter ist die Ungeduld, dass trotz einem halben Jahrtausend katholisch-protestantischer Trennung kaum jemand ernstlich erwartet, die beiden Religionsgemeinschaften würden schon demnächst wieder ineinander verschmelzen. Viele Gläubige drängen danach, weil die Unterschiede der beiden Religionen für sie in der Praxis kaum noch spürbar sind. Wären da nicht die Theologen, die trotz des Glaubens beider Gruppierungen an denselben Jesus und an denselben Gott die Hürden für ein großes Einheitschristentum in vielen Details sehen. Es ist nicht so sehr der Priesterzölibat oder die Weihe von Frauen zu Vorstehern, die Katholiken und Protestanten nach wie vor unterscheiden: es sind theologische Prinzipien, die manchen als Spitzfindigkeiten erscheinen mögen, die aber die Differenzen eben ausmachen. Ob sie überwindbar sind, ist komplizierte, theologische Ansichtssache.

Natürlich ist eine Trennung schmerzhaft. Gerade, wenn sie schon so lange dauert und gerade auch, wenn an der pfarrlichen und diözesanen Basis das gedeihliche Miteinander erlebbar ist und zumal auch viele der damaligen Trennungsgründe längst beseitigt und auch die Ursachen der Spaltung ausreichend aufgearbeitet sind. Aber 500 Jahre lassen sich nicht einfach vom Tisch wischen.

Mir stellt sich aber die Grundsatzfrage: MUSS wirklich auf eine Fusion von katholischer und evangelischer Kirche gedrängt werden? Reicht nicht auch eine von Respekt und Zuneigung getragene Zusammenarbeit dort, wo sie möglich und sinnvoll ist? Ist es nicht wie mit den verschiedenen Strömungen, die es nach wie vor in beiden Kirchen gibt: sowohl in der Evangelischen als auch in der Katholischen? Sie unter einem Dach zu halten, ist schwer genug. Wichtig ist, dass die einen den anderen den Glauben nicht absprechen oder versuchen, sie aus dem Boot zu drängen. Aber mit allem Nachdruck eine Fusion von Katholiken und Protestanten einzumahnen, ist zwar verständlich, im Sinne eines gedeihlichen Mit- und Nebeneinanders der beiden christlichen Blöcke überhaupt nicht notwendig. Wieder versuche ich einen Vergleich mit der Wirtschaft: TTIP und CETA machen Bürgern aus vielen Gründen Angst. Einer ist auch, dass kleine Firmen ihr Ende für gekommen sehen, wenn sich transatlantisch die Giganten weiter ausbreiten. So respekteinflößend Megafirmen vielleicht sind: die Skepsis ihnen gegenüber ist beträchtlich und sie scheint immer mehr zu wachsen. Aus dem Blickwinkel vieler Landsleute ist small immer noch schöner, überschaubarer und letztlich lebenswerter, auch wenn es global ein wenig aus der Mode gekommen zu sein scheint. Das gilt für die Wirtschaft, könnte aber auch als Bild für die Ökumene genommen werden. Könnte. Denn letztes geistliches Ziel kann es für Evangelische und Katholische eben nicht sein, getrennt nebeneinander zu existieren. Weil das den Willen dessen absolut verfälscht, den beide als ihren Gründer und Herrn verehren.

 

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