Einwanderer auf dem Fußballfeld

Sie heißen Ramazan, György, Mark, Zlatko oder Rubin und tragen während der EM in Frankreich das österreichische Trikot. Davids Name ist sowieso gängig bei uns und Alaba gilt ja trotz seiner Hautfarbe längst als Nationalheiligtum. Das ganze Land wird mehr als stolz sein, wenn gute Pässe oder gar Tore gelingen und niemand wird lange fragen, aus welchem Land der österreichische Torschütze denn nun eigentlich stammt. Erstens, weil das die Fans sowieso wissen, zweitens, weil das im Fall des Erfolges kaum jemanden interessiert. Wohl nicht einmal Anhänger von solchen politischen Parteien, die ansonsten mit Ausländern nicht so viel am Hut haben. Irgendwann sind alle genannten Fußballstars oder deren Vorfahren nach Österreich eingewandert. Die meisten wohl völlig unbekannt, vielleicht auch mittellos oder gar als Flüchtlinge. Und auch bei ihnen wird es gedauert haben, bis sie endlich bleiben durften. Bleiben und klein anfangen, im Fall der Fußballer auch: trainieren dürfen bei irgendeinem Verein. Dann wurden sie entdeckt, sie avancierten zu Stars, und prägen als solche wie andere Sportler auch nicht nur die Werbung auf Plakaten und in Kino oder Fernsehen, sondern sogar die Frisuren ihrer Fans. Ob die mit den hochgeschorenen Haaren nun komisch aussehen oder nicht: sie setzen einen unübersehbaren Modetrend und alle Burschen (habe auch schon Mädchen gesehen), die jetzt genauso merkwürdig gestylt durch die Welt laufen, signalisieren, dass sie dazu gehören oder dazu gehören möchten zu den Erfolgreichen. Das war immer so und so wird es immer sein. Nichts lieber als dazu gehören möchten aber auch die vielen Asylwerber, die im Vorjahr gekommen sind und die wohl auch heuer wieder kommen möchten. Jede Wette drauf, dass sich auch unter ihnen Talente befinden in irgendeinem Spezialgebiet. Es muss ja nicht nur der Fußball sein; wer weiß, vielleicht befindet sich unter den syrischen oder afghanischen Neuankömmlingen ein Tennisgenie oder ein Schifahrer oder ein Musiktalent. Natürlich wissen wir es nicht, aber es ist wie bei den ehemals ausländischen Fußballern im Nationalteam der Europameisterschaft: eine Chance brauchen sie, und zwar jeder und jede einzelne von ihnen. Erstens, weil sie das als Menschen verdienen, dann aber auch, weil es durchaus sein kann, dass wir in ein paar Jahren mächtig stolz sein werden auf sie. Wenn es soweit ist, dann haben aber auch wir, die wir ihnen diese Chance nicht verwehrt, sondern bei der Aufnahme und bei der Eingliederung geholfen haben, jeden Grund dafür, auch auf uns selbst ein wenig stolz zu sein. Viel mehr als jene, die ihre gesamte Energie darauf verwenden, wie sich Österreich vor Zuwanderern abschotten oder wie man ihnen das Überleben möglichst erschweren kann oder gar jene, die sogar heimlich applaudieren und von verständlicher Notwehr sprechen, wenn wie neulich in Altenfelden ein zum Glück noch leeres Flüchtlingswohnheim in Brand gesteckt wird. Vergessen wir nicht: in jedem Flüchtlingskind kann ein künftiger kleiner Alaba oder eine noch nicht entpuppte Netrebko stecken. Vor allem aber, und das ist sicher: es handelt sich um einen Menschen, der unsere Zuwendung verdient.

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Ein Kommentar zu “Einwanderer auf dem Fußballfeld

  1. Friedrich Gruber, 4020 Linz, Thürheimerstraße 28 - und liebe Verfassungsdiens-Polizei, ich bin noch Voprstrafen frei. schreibt:

    Die sogenannten Stars in Sport, Kultur, Wirtschaft, Politik, und die Bischöfe gehen mir inzwischen sehr auf die Nerven, egal welcher Hautfarbe oder Herkunft sie sind. Damit unsere Flüchtlings- und Einwandererpolitik zu begründen ist typisch für unsere so genannten Eliten und Intellektuellen, die mit unsereinem Normalbürger ja nichts mehr zu tun haben wollen.
    Und Brandschatzung des für Flüchtlinge gebauten Holzgebäudes. Auch da wäre es für die Polizei und Staatspolizei besser, sie würde vorerst in alle Richtungen ermitteln. Und vor allem sollte sie nicht jene Bürger verhören, die bei einer Unterschriftenaktion gegen ihrer Meinung nach falsch situierte Flüchtlingsheime unterzeichnet haben. So war es Altenfelden und in Leonding so. Wir sind schon so weit: Wer irgendwas gwegen Flüchtlinge und Einwanderer sagt, läuft Gefahr, wegen „Hass“ oder „Verhetzhung“ auf einer Polizeiliste zu landen. Da spielt die Kirche mit ihrer Beterei „gegen Rechts“ auch schon eine beachtliche Rolle: Heute auch wieder bei den Fürbitten in unserer Kirche.
    Aber ich weiß schon, ist nicht nur sinnlos, seine Meinung zu sagen, sondern auch gefährlich.

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