Völlig falscher Ehrgeiz

Väter und Mütter, die ihre Kinder hinter sich her zerren. Nicht einmal Hunden würde man das gerne antun. Dabei können oder wollen die Kleinen einfach nicht mehr. Zu weit sind sie schon gelaufen, wahrscheinlich „motiviert“ von ihren überehrgeizigen VEltern. 40 Meter können viel sein, vor allem wenn der Läufer erst 3 oder 4 Jahre alt ist. Als Nicht-Läufer begebe ich mich auf dünnes Eis, wohl wissend, dass Sport auch Überwindung braucht wie vieles im Leben. Nach der Erziehung von vier Söhnen ist mir auch klar, dass Kinder und Jugendliche oftmals Anreize von außen benötigen, um die erforderten Leistungen zu erbringen. Aber doch nicht so, wie es auf einigen Fotos vom Linzer Junior-Marathon am vergangenen Sonntag abgebildet ist. Vielfach wurde ein Bild in Facebook und Co. verbreitet und die Kommentare lassen keinen Zweifel, wie darüber gedacht wird. Von welchem Ehrgeiz lassen sich Eltern treiben, dass sie ihre Kleinen in dieser Weise stressen. Diese Frage stelle ich mir und ich schaudere, wenn ich mir die weiteren Lebensstationen dieser Kinder durch den Kopf gehen lasse. Möglichst frühe Einschulung, möglichst nur erstklassige Beurteilungen in der Schule, das teuerste Kleid zur Erstkommunion, das beste Fahrrad, selbstverständlich das Gymnasium, und wenn sich die Kids dabei noch so schwer tun, zum Führerschein ein Auto. Es ist zum schwindelig werden, weil trotz aller pädagogischen Aufklärungsversuche, die dahin zielen, den Kindern doch nur jene Förderung angedeihen zu lassen, die sie wirklich brauchen und vor allem auch ihr eigenes Entwicklungstempo zu lassen, scheinbar ungehört verhallen. Die modernen Eltern von heute geben Gas, ihre Selbstverwirklichung erfolgt mehr denn je über ihre Kinder, selbst wenn die sich noch so wehren. So als ob es wichtig wäre, soll in deren Lebenslauf dereinst einmal zu lesen sein: „hat mit 4 bereits am Junior-Marathon teilgenommen“. Wie lächerlich dieses Ansinnen ist, können wahrscheinlich nur Außenstehende beurteilen.

Natürlich sind Marathon-Veranstaltungen eine großartige Angelegenheit, auch wenn sie immer mehr zu einem modernen Götzendienst zu verkommen scheinen. Sie tun einer Stadt imagemäßig gut und vor allem animieren sie Menschen, sich mit ihrer Gesundheit zu beschäftigen. Die allermeisten erwachsenen Läufer (die ebenfalls mitlaufenden Dopingsünder ausgenommen) wissen, wieviel sie sich zumuten können. Sie trainieren meist lange auf ihr Ziel hin und wissen einzuschätzen, was noch geht und was nicht. Sich aber Kinder an die Hand zu krallen und sie quasi über die Ziellinie zu schleppen, weil sie selbst keinen Schritt mehr tun wollen und nur noch schreien wie am Spieß, das hat mit Sport absolut nichts mehr zu tun. Es ist Ausdruck einer völlig falsch verstandenen Pädagogik. Es zeigt, dass diese Eltern auch von Sport keine Ahnung haben und dass sie eigentlich nur versuchen, in den Kindern ihre eigenen Wünsche und Ehrgeizfantasien umzusetzen. Die Kleinen können einem Leid tun, was da noch auf sie wartet, bis sie endlich selbst ihre eigenen Entscheidungen treffen können. Hoffentlich nicht als verbogene und zerschundene Menschen, zum Opfer ihrer Eltern geworden, die sie vorwiegend zum Zweck ihrer eigenen Selbstoptimierung gesehen, um nicht zu sagen missbraucht haben.

 

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Ein Kommentar zu “Völlig falscher Ehrgeiz

  1. Keine Aufregung lieber Bert. Wie in allen Bereichen der Gesellschaft gibt es leider auch beim Sport negative Auswüchse.
    Dem Fotografen gings um Aufmerksamkeit und gutes Geld das er mit diesen Fotos macht
    Um mehr sicher nicht .
    Mir haben die Bilder auch nich gefallen und ich wußte sofort was man damit anrichtet.
    Man stellt den Sport d ie Bewegung für unsere Gesundheit in FRage, weil einige unreife und wohl auch dumme Eltern versagt haben.
    Ich bin Obmann eines Sportvereines mit 1600 Mitgliedern . Wir haben 50 ehrenamtliche Trainerinnen und Trainer die in den Kindern gemeinsam mit den Eltern auf behutsame liebevolle Art die Freude an Bewegung und zum Sport wecken .
    Ich kann dir viele Bilder schicken wo du aus den Gesichtern der Kindern Freude und Spass lesen kannst.
    Wir brauchen auch keine Psychologen, die ein Konzept erarbeiten wie das beim nächsten Linz Marathon dann richtig gemacht wird. Meine Trainerinnen und Trainer können das weil sie ein Herz und ein Gespür für Kinder habe.
    Angst macht mir viel mehr, dass immer mehr Kinder an Bewegungsmangel und Fettleibiglkeit leiden.
    LG
    Dein

    Georg Bachmair

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