Verkehrte Nächstenliebe

Österreich zuerst: so hat das Volksbegehren geheißen, das Jörg Haider vor knapp einem Vierteljahrhundert vom Zaun gebrochen hat. Etwas mehr als 7 Prozent der Österreicher haben seinen Frontalangriff gegen die in Österreich lebenden „Ausländer“ unterzeichnet, ein peinlich magerer Wert für den damaligen Robin Hood der heimischen Politik. Nicht einmal sein Nachfolger HC Strache hat sich getraut, seine in den Sommergesprächen 2015 ins Spiel gebrachte Neuauflage eines solchen Ausländer Volksbegehrens wahr zu machen. Und das, obwohl der Prozentsatz der Unterzeichner inzwischen höher sein dürfte als damals. Nein, es war und ist dem Bundespräsidentschaftskandidaten der Volkspartei, Andreas Khol vorbehalten, das ungustiöse Thema aufs Tapet zu heben. Wenn er in seiner treuherzig tirolerischen Art feststellt, „wir müssen zuerst auf unsere Leut schaun“, ist das das klassische Bekenntnis, dass er, der sich in besagtem Interview ausdrücklich auf die christliche Nächstenliebe berufen hat, von eben dieser offenbar keine blasse Ahnung hat oder sie bewusst ins Gegenteil verkehrt. Der Nächste ist nach christlicher Lehre noch immer der Mensch, der in Not ist und nicht der, der mir aus welchem Grund auch immer gerade nahe steht.

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