Es geht nicht um Abstand, es geht um Anstand

Ich war in Köln zu Silvester nicht dabei. Zum Glück, denn ich gestehe, ich hätte mich wohl ein wenig gefürchtet in dem Riesenwirbel. Und das, obwohl ich ein gestandener Mann bin und nicht gerade schutzbedürftig aussehe. Den Tipp der Kölner Oberbürgermeisterin, Frauen mögen zu Fremden immer eine Armlänge Distanz halten, finde ich grotesk. War die Dame noch nie in einer großen Menschenansammlung? Und überhaupt: sind jetzt gar die Frauen selbst Schuld, dass sie angepöbelt, begrapscht und vergewaltigt wurden, nur weil sie nicht Abstand gehalten haben??? Die Frage ist schon, wer hier nicht Abstand gehalten hat, wobei es im konkreten Fall nicht um Abstand, sondern um Anstand geht. Das scheint mir überhaupt der Punkt zu sein, dass Menschen zusehends verlernen, wie man sich benimmt. In angeheizter Stimmung, in Feierlaune, unter Alkoholeinfluss fallen dann die Schranken und unscheinbare Menschen verwandeln sich mangels ausreichendem Ego blitzschnell in jene Figuren, die sie in der virtuellen Welt vielleicht so sehr beneiden und bewundern.

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