Die Zukunft der Kirche ist weiblich

Wenn 10.000 (!) Jugendliche vor Begeisterung toben, dann ist das nicht zu überhören. Der riesige Petersplatz in Rom hat daher auch ordentlich gebebt, als Anfang August Ministranten aus vieler Herren Länder mit dem Papst zusammen getroffen sind. Die größte Wallfahrer-Gruppe stellte Österreich und hier wieder die Diözese Linz mit 1300 Mädchen und Burschen. Das Hallo bei ihrer Begrüßung war dementsprechend ohrenbetäubend laut. Eines ist beim Blick über den Petersplatz ganz deutlich aufgefallen: der Mädchenanteil überwog ganz eindeutig den der Burschen. Niemanden hats gestört, den Papst offensichtlich auch nicht. Noch gar nicht so lange ist es her, dass Mädchen am Altar nichts verloren hatten. Erst in den 1970-er Jahren begannen in manchen Pfarren erstmals auch Mädchen zu ministrieren und es dauerte 20 Jahre, bis dass es der damalige Papst ganz offiziell erlaubte. Ganz krampflos geschah das freilich nicht, immerhin bemüßigte sich der Heilige Stuhl 2001 noch zu der Erklärung, dass durch den weiblichen Ministrantendienst „Männer und Knaben keinesfalls ausgeschlossen werden dürfen und kein Priester gezwungen werden kann, sich von weiblichen Ministranten helfen zu lassen. Soweit, so ängstlich verkrampft.

Zurück auf den Petersplatz Anfang August 2015: der Großteil der tobenden Ministranten war weiblich und sie signalisierten damit etwas, was den hohen Würdenträgern hoffentlich zu denken gab und gibt: die Zukunft der Kirche ist weiblich – oder gar nicht. Auch wenn alle priesterlichen Funktionen derzeit noch männlich besetzt sind, auf Dauer wird und kann das nicht bestehen bleiben. Der Kirche wird schlicht und einfach der Nachwuchs fehlen, um alle Funktionen in gewohnter Weise männlich nachbesetzen zu können. Notlösungen wie Wortgottesfeiern, die auch jetzt schon von Frauen durchgeführt werden, finden zwar weitgehende Akzeptanz, werden aber auch von Gläubigen auf Dauer nur als zweitbeste Form Anerkennung finden. Warum, so fragt sich das einfache Kirchenvolk, darf da vorn am Altar nicht auch einmal eine Frau im Priestergewand stehen, die nach einer entsprechenden Ausbildung mit allen Rechten und Pflichten ausgestattet und geweiht ist wie ihr priesterlicher Kollege und daher auch Sakramente spenden darf. Das meist verwendete Gegenargument nach derartigem Begehren, dass Jesus mit seinen Aposteln damals vor 2000 Jahren eben ausschließlich nur Männer ausgesandt habe, wird historisch immer öfter hinterfragt, vor allem aber sei zu bedenken, dass sich Zeit und Welt seither massiv verändert haben. Frauen in westlichen Demokratien haben die Gesellschaft erobert. Wie schlimm es um sie anderswo stehen kann, zeigt deren Situation in arabischen Ländern. Die katholische Kirche ist gefordert, ein klares Bekenntnis zur Gleichbehandlung der Frauen abzugeben, indem sie Frauen in allen Bereichen jene Rechte zugesteht, die bisher nur für Männer gegolten haben. Tut sie das nicht, positioniert sie sich selbst weiterhin auf der Ebene arabisch-mittelalterlicher Kulturen.

Die 10.000 Ministranten auf dem Petersplatz waren mehr als eine pulsierende Veranstaltung der Kirchenjugend. Sie waren ein Statement für die Kirche von morgen, die weiblich – oder gar nicht sein wird.

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