Zynische Gedanken

Die Überlegung des Finanzministers hat schon was: wie soll jemand besonders großen Anreiz verspüren, sich nach einer Arbeit umzusehen, wenn er ohne was zu tun, durch das österreichische Sozialsystem fast genau so viel Geld bekommen kann. Schelling hat das Wort nicht in den Mund genommen, aber dass hier Sozialschmarotzer gefördert würden, liegt klar und deutlich in der Luft. Auch wenn Rote und Grüne umgehend Protest erhoben haben: die Debatte ist eröffnet und es dürfte sich in absehbarer Zeit auch hier Einiges ändern. Interessant daran finde ich allerdings Eines: der Einspar-Fokus wird einmal mehr bei jenen angesetzt, die sich ohne Zweifel am unteren Ende der Einkommensskala befinden. Ob selbstverschuldet oder nicht, sie sind jene Österreicher, die am wenigsten besitzen. Keine Häuser, keine Golddukaten, keine Yachten, oft eben auch keine Arbeit. Mag sein, dass das Sozialsystem nicht wirklich arbeitsfördernd ist, aber dort mit dem Sparen zu beginnen, klingt einigermaßen zynisch. Wo es am oberen Ende der Skala bei politischem Mut und gutem Willen bestimmt mehr zu holen gäbe. Noch dazu gutes Geld, das den Besitzern kaum wirklich fehlen dürfte, weil genug davon vorhanden ist. Unten sieht die Sache anders aus. Wer nur ein paar Hundert Euro zur Verfügung hat (aus welcher Quelle auch immer), der spürt fast jeden Cent, der ihm genommen wird. Österreich will also versuchen, das unter anderem durch Bankenspekulationen verlorene Geld jetzt von den Ärmsten einzutreiben. Von Menschen, denen man alles möglich nachsagen kann, nicht aber, dass sie mit Schuld wären am sündteuren Fiasko etwa der Hypo Alpe Adria. Ein weiterer zynischer Gedanke.

Zynisch ist aber auch der österreichische Umgang mit den Flüchtlingen. Es sind Menschen, die überhaupt nichts mehr bei sich haben. Sie haben sich um ihr allerletztes Geld in den sicheren Westen schleusen lassen, um hier ein neues Leben zu beginnen. Was machen wir? Wir streiten monatelang um ihre Unterbringung, pferchen sie derweil in Zelte und lagern sie als scheinbar schlaueste Idee in die Slowakei aus. Wir tun das, obwohl wir dringend neue Bürger brauchen, die auch unserem Pensions- und Sozialsystem helfen würden, wenn sie dereinst integriert sind, und noch viel mehr. Der US-amerikanische Präsident Barack Obama könnte dafür gutes Beispiel sein. Seine Vorfahren, die er neulich in Kenia besucht hat, sind nach Amerika ausgewandert, aus welchen Gründen auch immer. Heute ist ihr Spross amerikanischer Präsident. Wer weiß, vielleicht steckt in einem unserer Asylwerber, oder einem seiner Nachkommen, gar ein österreichischer Obama. Sie lachen? Wir hatten auch schon einen Bruno Kreisky als Bundeskanzler (sein Großvater kam aus Mähren, dem heutigen Tschechien) und er hat Österreich in seiner Zeit ziemlich gut getan, wie ihm viele Historiker bescheinigen.

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Ein Kommentar zu “Zynische Gedanken

  1. Politiker wollen sich Geld bei den Armen holen, die sich am wenigsten wehren können dagegen.

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