Blitzlicht auf den neuen Steirerbischof

Am Vatertag wird er geweiht und es scheint, dass ihm das gefällt. Willi Krautwaschl, der sich als Bischof Wilhelm nennen wird, zeigt nach außen wenig, was ihm nicht gefällt. Ja, der steirische Wahlausgang, schmunzelt er vor Journalisten, den müsse man zur Kenntnis nehmen. Ob er jetzt, nach einer solchen Wahl, weniger gern Bischof aller Steirer sein wolle, wird er gefragt. Antwort gibt er keine, zumindest nicht direkt, nur soviel: die Politik nach der Wahl sei eine Herausforderung und mit ihm würden auch nicht immer alle eine Freude haben.

Thema Flüchtlinge: es ist kurz und bündig, was er sagt: „Nächstenliebe ist unteilbar“. Punkt.

Er spricht recht schnell, der neue Bischof und man hört es, dass er ein Oststeirer ist, wofür er sich entschuldigt (er meint damit den leichten Dialekteinschlag, nicht den Oststeirer). Oft schaut er ein wenig unsicher zu seinem jungen Assistenten, so als ob er Bestätigung suche für das, was er gerade sagt. Ein Hirte wolle er sein für seine Diözese. Aber auch da liefert Krautwaschl kein klares Bild für sein geplantes Bischofsamt: manchmal geht der Hirte vorn, manchmal hinten nach, manchmal ist er in der Mitte. Allein sein mag er nicht: endlich eine Aussage, mit der wir Journalisten etwas anzufangen wissen. Immer habe er mit Menschen zusammen gewohnt und das werde er auch als Bischof so halten. Sogar mit wem er wohnen wird, verrät er uns: es ist ein junges Studentenpaar, das am 1.August heiraten wird. Ob die beiden schon vor der Hochzeit zu ihm in den Bischofshof ziehen dürfen? „Die Wohnung wird erst danach fertig“, ist die schlaue Antwort. Aber ob sie dürften, haken wir nach. „Es geht um das Leben der Leute. Das ist die letzte Norm.“ Also doch Sex vor der Ehe? So konkret wird der Bischof dann lieber nicht. Doch, er habe seine Ansichten und Überzeugungen, aber: „das muss ja nicht die einzig richtige Linie sein“. Das gelte auch für den Zölibat der Priester. Es liege ihm aber fern, in deren Schlafzimmern zu schnüffeln. „Führung heißt Vertrauen“, im Vieraugengespräch könne er aber sehr wohl klar werden, wenn es sein muss. Und wieder lächelt er verschmitzt.

Journalisten wollen klare Aussagen, kantige Botschaften. Diesen Wunsch erfüllt der neue Bischof kaum. Und doch scheint ein neuer Stil in den Grazer Bischofshof einzuziehen. 100 Personen hat Krautwaschl in eine Umfrage mit einbezogen um herauszufiltern, wer für die weiteren diözesanen Leitungsaufgaben am besten in Frage komme. Das Ergebnis? „Lassen Sie sich überraschen!“. Bischöfe sollten den Geruch der Herde tragen, also Land und Leute kennen. Ob das in der Praxis von Vorteil sei? „Ja und Nein“, sagt Bischof Wilhelm, viel mehr nicht. Auch Fragen nach der Struktur der Diözese beantwortet er unverbindlich. Noch nie habe es soviele Pfarren gegeben, da könne man auch über Zusammenlegungen diskutieren, aber „schaun ma mal. Erst das Leben, dann die Struktur“, sagt er noch.

Dann ist die Stunde um und schon mischt sich der Bischof leutselig unter die Leute, reicht ihnen die Hand, beantwortet zusätzliche Fragen und scheint froh, dass der offizielle Teil vorbei ist.

 

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