Der „schlagende“ Papst

Ach, lieber Papst, das hättest du dir lieber sparen sollen. Kinder würdevoll schlagen: wie soll denn sowas gehen und was soll denn das überhaupt??? Auf den Popsch ja, ins Gesicht aber nein. Das kann doch nicht dein Ernst sein. Hört für dich die Würde des Menschen gar beim Hals auf, so nach dem Motto: alles abwärts ist des Teufels (den du ja auch für ein personales Wesen hältst, wie ich zu meiner Verwunderung lesen muss). Solche Sager kommen den Feinden deiner Kirche gerade Recht, lass dir ein paar Ausdrucke aus Postings in Facebook zukommen oder vorlesen, dann siehst du, was du angerichtet hast mit deinen spontanen und wohl oder hoffentlich gar nicht so gemeinten Erziehungstipps. Natürlich, natürlich: du kommst aus einer anderen Welt, aus einer anderen Generation und außerdem lebst du ohne Familie. Erziehungsfragen sind ganz sicher nicht deine Kernkompetenz. Warum dann dieses Thema, noch dazu vor der ganzen Welt???

Gut, oder besser: nicht gut, aber es ist passiert. Ich denke zurück an die Jahre, in denen meine vier Söhne klein waren. Und ich stocke. Selbst mir, mit psychologisch/pädagogischem Doktorat versehen, ist die Hand ausgerutscht. Bei jedem unserer Buben. So selten zwar, dass ich mich an jeden der zählbar seltenen Ausrutscher erinnere, aber immerhin. Es ist passiert. Jedesmal erklärbar und irgendwie verständlich, weil kleine Kinder uns Erwachsene manchmal bis zur Weißglut reizen können, aber doch: ich habe zugeschlagen. Und die weinenden Kleinen nachher oft entschuldigend und mich schämend umarmt. Aber doch: es hat geblitzt. Vorwürfe dafür habe ich bis heute von den inzwischen erwachsenen Burschen nicht gehört. Dank natürlich auch nicht, was ich aber weder erwartet noch akzeptiert hätte (meine 95-jährige Mutter erzählt immer wieder, sie und ihre vielen Geschwister hätten sich bei ihrem Vater unmittelbar nach jeder Körperstrafe dafür explizit bedanken müssen…). Nur: geschadet im Sinne eines psychologischen Traumas hat mein Ausrutscher offenbar keinem. Vielleicht hat er sogar genutzt: erstens mir, dem „Schläger“, weil sich meine Wut abgekühlt hat, zweitens aber ihm, dem Sohn, weil er ohne lange Worte klar und deutlich erlebt hat, dass hier eine Grenze überschritten ist.

Ich weiß, diese Argumentation liegt ziemlich genau auf der neuen päpstlichen Linie. Und genau diametral zu der in unseren Breiten gängigen Pädagogik, die Eltern zu erklären versucht, wie Kinder gewaltfrei zu erziehen sind. Dass dabei die Tipps oft von Kinderlosen abgegeben werden, stört mich nicht wirklich, weil sie ja klug sind, aber es ist vergleichbar mit dem, was unser lieber Papst gemacht hat. Auch er äußert seine Position, hat aber noch nie in der konkreten Situation gelebt. Selbstverständlich bezieht sich derartiges Denken auch auf die Sexualmoral der katholischen Kirche. Auch dabei gaben und geben hochbetagte Männer oft ohne ausreichende persönliche Erfahrung den Paaren der ganzen Welt Vorschriften, wie sie es mit der körperlichen Liebe halten sollen. Wie in der Erziehung, lieber Papst, um zu dir zurückzukehren. Nett, dass du eine Sprache sprichst, die wir verstehen und dass du Themen aufgreifst, die die unsrigen sind. Aber vergiss nicht, dass sich die Welt weiter gedreht hat. Wir wissen inzwischen damit umzugehen, wann man Kinder in die Welt setzt und es gibt ausreichend Pädagogen, die uns professionell helfen, wenn wir mit deren Erziehung nicht zu Rande kommen.

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9 Kommentare zu “Der „schlagende“ Papst

  1. NATÜRLICH ist der Klaps auf den Po nicht die Lösung dieser Frau hat durch ihre Lehrerin,auf den Rücken geschlagen und ihr dadurch, die Angst vor dem Konzert genommen,

    Sie ist wohl die lebendigste Geigerin, der Welt, die ich kenne. Es gibt bei uns eine viel größere Strafe, die aber nicht beachtet wird und auch hier im Blog funktioniert das. Es ist die Fähigkeit einfach NICHT zu reagieren. Damit werden die Menschen bei uns systematisch erzogen und verdummt und angepasst. Also wenn wir den lebendigen Papst kritisieren sollten wir uns unser tötliches Ignoranzsystem einmal genauer anschauen. Es gibt zum Beispiel Schulen, da gibt es diese Ignoranz nicht und was passiert dort? Die Kinder lernen 10 Mal so schnell. Mit einer ständigen Begeisterung wie die obige lebendige Geigerin auch. Die Schetinin-Schule

    http://bumibahagia.com/2015/02/09/schetinin-die-ganz-andere-schule-nebenbei-zehn-mal-schnelleres-lernen/comment-page-1/#comment-25701

  2. DER KLAPS AUF DEN PO fällt unter dem paradoxen Lösungsansatz, mit dem auch der Clown arbeitet, um jemanden aus seiner „Fassung“ zu bringen. Ein kleines Kind, was einen Schreianfall bekommt kann durch diesen leichten Klaps davon befreit werden. Ein KIND was geboren wird bekommt einen Klaps auf den Po; um nun selbstständig zu atmen. Wer den Papst falsch verstehen will, sollte sich besser seine 15 Ermahnungen anschauen:

    1) Sich unsterblich, immun oder unersetzbar zu fühlen: „Eine Kurie, die sich nicht selbst kritisiert, die sich nicht selbst erneuert, die nicht versucht, sich selbst zu verbessern, ist ein kranker Körper“.

    2) Zu hart arbeiten: „Eine Rast ist für diejenigen, die ihre Arbeit getan haben, notwendig, gut und sollte ernst genommen werden“.

    3) Spirituell und geistig abzustumpfen: „Es ist gefährlich, diese menschliche Empfindsamkeit zu verlieren, die einen mit denen weinen lässt, die weinen, und mit denen feiern lässt, die fröhlich sind“.

    4) Zu viel planen: „Es ist nötig, gute Pläne zu machen. Aber verfallt nicht der Versuchung, die Freiheit des Heiligen Geistes einzuschließen oder zu dirigieren, denn er ist größer und großzügiger als jeder menschliche Plan“.

    5) Ohne Koordination zu arbeiten wie ein lärmendes Orchester: „Wenn der Fuß der Hand sagt: ‚Ich brauche dich nicht‘ oder die Hand dem Kopf sagt: ‚Ich habe das Sagen'“.

    6) „Spirituelles Alzheimer“: „Wir sehen es in den Leuten, die ihr Zusammentreffen mit dem Herrn vergessen haben … in jenen, die völlig auf ihr Hier und Jetzt, ihre Leidenschaften, Launen und Manien angewiesen sind; in jenen, die Mauern um sich bauen und sich von Götzen versklaven lassen, die sie mit ihren eigenen Händen erschaffen haben“.

    7) Sich in Rivalitäten zu verlieren und zu prahlen: „Wenn das eigene Aussehen, die Farbe der Gewänder oder Ehrentitel zu den wichtigsten Zielen im Leben werden“.

    8) Das Leiden an „existenzieller Schizophrenie“: „Es ist die Krankheit jener, die ein Doppelleben führen. Ein Resultat der Scheinheiligkeit, die typisch ist für mittelmäßige und fortgeschrittene spirituelle Leere, die auch akademische Titel nicht füllen können. Es ist eine Krankheit, an der oft die leiden, die den Priesterdienst aufgegeben haben und sich auf bürokratische Aufgaben beschränken und dadurch den Kontakt mit der Realität und echten Menschen verlieren“.

    9) „Terror des Geschwätzes“: „Das ist die Krankheit von Feiglingen, die nicht den Mut haben, direkt zu sprechen, sondern nur hinter dem Rücken von Leuten“.

    10) Verehrung der Vorgesetzten: „Das ist die Krankheit jener, die ihre Vorgesetzten hofieren und dafür auf deren Wohlwollen hoffen. Sie sind Opfer des Karrierismus und des Opportunismus. Sie verehren Menschen, die nicht Gott sind“.

    11) Gleichgültigkeit gegenüber anderen: „Wenn man aus Neid oder Heimtücke Freude daran findet, andere fallen zu sehen, statt ihnen aufzuhelfen und sie zu ermutigen“.

    12) Eine Trauermine aufzusetzen: „Tatsächlich sind theatralischer Ernst und steriler Pessimismus oft Symptome von Angst und Unsicherheit. Der Jünger muss höflich, enthusiastisch und glücklich sein und Freude weitergeben, wo auch immer er hingeht“.

    13) Immer mehr zu wollen: „Wenn ein Jünger versucht, eine existenzielle Leere in seinem Herz mit der Ansammlung materieller Güter zu füllen, nicht weil er sie braucht, sondern weil er sich dadurch sicherer fühlt“.

    14) Die Bildung „geschlossener Kreise“, die stärker seien wollen als die Gemeinschaft: „Diese Krankheit beginnt immer mit guten Absichten, aber mit der Zeit versklavt sie ihre Mitglieder, indem sie zu einem Krebsgeschwür wird, das die Harmonie des Körpers bedroht und so viel Schaden verursacht – Skandale – besonders gegenüber unseren jüngeren Brüdern“.

    15) Das Streben nach weltlichen Profiten und die Prahlerei: „Das ist die Krankheit jener, die unersättlich sind in ihren Versuchen, ihre Macht zu vervielfachen, und dabei des Rufmords, der Diffamierung und der Diskreditierung anderer fähig sind – auch in Zeitungen und Magazinen – , natürlich um sich selbst als kompetenter als andere darzustellen“.

  3. Hat dies auf faktorfreiheit rebloggt und kommentierte:
    Ein schlagendes Argument für den Faktor Freiheit. Eine Erziehung mit Verantwortung kann auch ein paar Klapse auf den Hintern ertragen. Manchmal tut es der Mutter oder dem Vater hinterher innerlich mehr weh als dem Kind. Nur ungerechte Strafe in jeder Beziehung ist demütigend. Das sagt ein Vater von vier Kindern. Also ein „Praktiker“.

  4. Pingback: Die Kirche und das Schlagen von Kindern | NEOS Oberösterreich

  5. Ich habe drei Watschn von meinem Vater bekommen, eine davon war ein Missverständnis – wie meine Mutter meinen Vater aufklärte, aber alle drei haben mich gscheiter gemacht.

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