Solidarität mit Muslimen

„Mir san Islam, und da san ma dahoam“. Für diesen Ausspruch erntete Murat Baser, der Vorsitzende der islamischen Gemeinschaft in Oberösterreich auf dem Linzer Hauptplatz neulich viel Applaus. Der Landeshauptmann, Landesräte, der Linzer Bürgermeister, der Bischof, vor allem aber weit über tausend weitere Zuhörer aller möglicher gesellschaftlichen Gruppierungen applaudierten herzlich. Das Ziel der Demonstration: Solidarität mit den Muslimen, die seit dem grauenhaften Anschlag auf die Zeitung „Charlie-Hebdo“ kein sehr leichtes Leben haben. Einfache Gemüter werfen sie mit den muslimischen Attentätern in einen Topf und versuchen sie zu kriminalisieren. Völlig zu Unrecht, denn nur weil die Terroristen von Paris Moslems waren, heißt das noch lange nicht, dass andere Anhänger dieses Glaubens derselben Wahnsinnstat fähig wären oder auch nur, sie würden sie insgeheim gut heißen. Im In- und Ausland kenne ich viele Muslime. „Meine“ Muslime sind sanft, gescheit, belesen, lustig, tolerant und weltoffen. Keiner von ihnen hat jemals versucht, mich zu seinem Glauben zu bekehren, vielmehr erlebte ich eine Wertschätzung meines Glaubens, wann immer wir darüber gesprochen haben. Meine Muslime sind Menschen wie du und ich, sie interessieren sich für die Welt und um die Menschen um sie herum und einen habe ich sogar dabei erwischt, als er heimlich Whiskey trank.

Meine Muslime sind keine Fanatiker, und genau darum geht es. Fanatismus ist meiner Ansicht nach die Brutstätte von Terrorismus. So versessen von etwas überzeugt zu sein, dass man diese Überzeugung anderen auch mit Waffengewalt überstülpen möchte. Die Geschichte zeigt aber, dass auch unter dem Banner des Christentums unmenschlichste Gräueltaten vollbracht worden sind. Auch damals handelte es sich letztlich um Fanatiker. Bei den Kreuzzügen in das Heilige Land zum Beispiel oder etwa in Spanien, das die damaligen Könige vor 1000 Jahren  auf brutalste Weise von Mauren und Juden gesäubert haben, wovon noch heute herrlichste Kathedralen Zeugnis geben. Oder der 30-jährige Krieg: auch er war ein unglaublich blutiger Religionskrieg, in diesem Fall zwischen Katholiken und Protestanten. Oberösterreich war damals bereits freiwillig großteils protestantisch und es ist evident, mit welcher Brutalität der „rechte“ katholische Glaube wieder eingeführt wurde. Ein anschauliches Beispiel dafür wird auch heuer wieder das Frankenburger Würfelspiel abgeben.

Wie überhaupt ein differenzierter Blick Not tut und auch die Frage erlaubt sein muss, wie weit Karikatur gehen darf. Mohammed auszunehmen, weil seine Anhänger darauf sehr empfindlich reagieren, Christus aber nach Lust und Laune veräppeln zu können, ist eigentlich feig und ungerecht.

Am kommenden Sonntag wird in Linz wieder demonstriert. „Links gegen Rechts“, haben die OÖN am Mittwoch getitelt. Bei allen Problemen, die es in Sachen Zuwanderer und auch deren Glaubensüberzeugungen noch zu lösen gibt: es sollte klar sein, wem man seine Zuneigung schenkt. Die Ansichten der Anhänger von PEGIDA sind meiner Ansicht nach nicht angetan, unsere Heimat und unser Zusammenleben auf Dauer humaner und praktikabler werden zu lassen.

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Ein Kommentar zu “Solidarität mit Muslimen

  1. Das ist eine politische Quadratur des Kreises, Vereinfachung und Verallgemeinerung in einem: In der derzeit medial besonders aktiv gemachten politischen Debatte über die Moslems in Europa scheint es darum zu gehen, quer über Europa eine eigene “islamische Nationalität” zu bilden. Denn man zählt dabei alle Menschen, Einwanderer und Immigranten aus sehr verschiedenen Kontinenten, Herkunftsländern, eigenen Kulturen, Rechtstraditionen und religiösen Traditionen, ob sie nun religiös aktiv sind oder nicht, einfach zusammen zur Summe des Islam in Europa, nennt Prozentsätze und Millionen. Es ist das ein von unseren Politikern, Journalisten, Experten und Religionsvertretern ideologisches gemachtes Weltbild, für das uns Normalbürgern in der Nachbarschaft und Bekanntschaft eigentlich die praktische Wahrnehmung fehlt: Denn wir treffen nicht in erster Linie Moslems, sondern verschiedene Menschen: Bosnier, viele unterschiedliche Türken, Syrer, Nigerianer, Afghanen, Kosovare, Palästinenser, Kurden, Pakistani und so weiter; religiöse Leute und nicht religiöse Menschen, auch wenn sie aus islamisch bestimmten Heimatländern kommen. Man rechnet ja auch nicht alle Europäer als Christen zusammen, ja unsere “Eliten” in Politik, Wirtschaft, vor allem Kultur und Medien verleugnen das neuerdings immer mehr.

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