Politische Krokodilstränen als Wahlkampfmunition

Es war und ist wohl noch immer einen medialen Aufmacher wert: die AUA streicht die meisten Flüge zwischen Linz und Wien. Nicht aus Böswilligkeit, sondern aus wirtschaftlichen Gründen, weil die meisten Flüge schlecht ausgelastet und damit verlustreich waren. Das schmerzt natürlich den sympathischen, kleinen Flughafen, das ärgert aber auch die Vielflieger. Für sie war es praktisch, sich von Linz nach Wien zum Anschlussflug in die große weite Welt bringen zu lassen. Aber gleich von einem „Schlag in das Gesicht der Wirtschaft“ zu sprechen, wie das manche Politiker formuliert haben, erscheint mir mehr als übertrieben zu sein. Wo ist der Schlag ins Gesicht, wenn zugleich die Bundesbahn seit Dezember von Linz aus alle zwei Stunden eine Direktverbindung nach Schwechat bietet, bei der man deutlich weniger als zwei Stunden unterwegs ist. Es ist eine neue und eindeutig ökologischere Alternative, die damit eröffnet wurde. Auch zeitlich kann sich die Bahn in diesem Punkt mit dem Flugzeug messen, fallen bei ihr doch die check-in Zeiten so gut wie weg. Es mag bestenfalls die Gewohnheit der Manager sein, künftig vom Linzer Hauptbahnhof anstatt vom blue danube airport in Hörsching abreisen zu müssen. Aber Flexibilität wird schon immer als Markenzeichen einer guten Wirtschaft gepriesen, sie müsste hier sehr viel leichter zum Tragen kommen. Oder ist es gar die Angst der Direktoren, sich in der Bahn unter das gemeine Volk mischen zu müssen? Ich glaub es nicht: befindet man sich doch in der vorhandenen 1. Klasse so wie im Flugzeug unter sich.

Ich kann den politischen Aufschrei nicht nachvollziehen, aber taktisch verstehen: Ende Februar wird die Wirtschaftskammer neu gewählt. Solidarität mit den Anliegen der Unternehmer macht sich in solchen Zeiten sicher gut, auch wenn sie inhaltlich in diesem Fall mit nichts zu begründen ist. Krokodilstränen als Wahlkampfmunition…

Advertisements

2 Kommentare zu “Politische Krokodilstränen als Wahlkampfmunition

  1. Meine Großfamilie hat die Verbindung Linz-Schwechat per Bahn schon öfters in Anspruch genommen. Wir sind alle begeistert.

    Gertraud Lackinger

    >

  2. Franziskus hat sehr deutlich in seinem 15 Punkteprogramm für die Kurie heraugearbeitet,
    http://www.zeit.de/gesellschaft/2014-12/papst-franziskus-kurie-kritik-liste
    woran unsere Gesellschaft leidet, und da sind Parteienvertreter, die nur ihren Wahlerfolg sehen oder Wirtschaftsführer die unter sich bleiben wollen, genauso gemeint, denn von Linz nach Wien zu fliegen verbraucht ein Vielfaches an materiellen Ressourcen. Somit ist es völlig unvernünftig zu fliegen. Man benötigt mit der Bahn eine Stunde und 47 Minuten. Wer will das von Linz aus mit dem Flugzeug erreichen, mit all den Sicherheitsvorkehrungen und Einscheckvorschriften? Hier wird deutlich, dass es harmlost ausgedrückt, um den Popanz geht, der jenigen die sich dadurch mehr Glanz erhoffen. Doch die Zukunft heißt Partizipation, wenn wir uns überhaupt noch eine Zukunft vorstellen wollen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s