Mitleid mit Muslimen

Sie tun mir Leid, alle meine muslimischen  Freunde im In- und Ausland. Die grauenhaften Terrorakte von Paris gehen nicht nur ihnen nahe, sondern es scheint, als müssten sie dafür die Zeche bezahlen. Wenn kopftuchtragende Mädchen in Wien befürchten, jetzt mehr denn je angepöbelt zu werden, ist das ein Hinweis dafür, wie sehr dazu geneigt wird, alles in einen Topf zu werfen. Nur weil die Terroristen von Paris Moslems waren, heißt das noch lange nicht, dass andere Anhänger dieses Glaubens derselben Wahnsinnstat fähig wären oder auch nur, sie würden sie insgeheim gut heißen. Natürlich weiß ich von der Vielfalt der muslimischen Ausprägungen, ich weiß aus der Zeitung auch um die brisante Konkurrenz der muslimischen Terrorgruppen Al Kaida und IS, aber bei keinem einzigen Moslem, dem ich persönlich bisher begegnet bin, hätte ich gewalttätige Ansätze festgestellt, ganz im Gegenteil. „Meine“ Muslime sind sanft, gescheit, belesen, lustig, tolerant und weltoffen. Keiner von ihnen hat jemals versucht, mich zu seinem Glauben zu bekehren, vielmehr erlebte ich eine Wertschätzung meines Glaubens, wann immer wir darüber gesprochen haben. Meine Muslime sind Menschen wie du und ich, sie interessieren sich für die Welt und um die Menschen um sie herum und einen habe ich sogar dabei erwischt, als er heimlich Whiskey trank.

Meine Muslime sind keine Fanatiker, und genau darum geht es. Fanatismus ist meiner Ansicht nach die Brutstätte von Terrorismus. So versessen von etwas überzeugt zu sein, dass man diese Überzeugung anderen auch mit Waffengewalt überstülpen möchte. In der Tragödie von Paris oder bei den Terrororganisationen Al Kaida und IS waren oder sind muslimische Fanatiker am Werk. Die Geschichte zeigt aber, dass auch unter dem Banner des Christentums unmenschlichste Gräueltaten vollbracht worden sind. Auch damals handelte es sich letztlich um Fanatiker. Bei den Kreuzzügen in das Heilige Land zum Beispiel oder etwa in Spanien, das die damaligen Könige vor 1000 Jahren  auf brutalste Weise von Mauren und Juden gesäubert haben, wovon noch heute herrlichste Kathedralen Zeugnis geben. Auch der Beiname „Maurentöter“ des hochverehrten Apostels Jakobus erinnert daran , weil seine heiligen Gebeine im 9. Jahrhundert als wirksame Motivation für das gemeine Volk eingesetzt wurden, um gegen die „Ungläubigen“ zu Felde zu ziehen. Oder der 30-jährige Krieg: auch er war ein unglaublich blutiger Religionskrieg, in diesem Fall zwischen Katholiken und Protestanten. Oberösterreich war damals bereits freiwillig großteils protestantisch und es ist evident, mit welcher Brutalität der „rechte“ katholische Glaube wieder eingeführt wurde. Ein anschauliches Beispiel dafür wird auch heuer wieder das Frankenburger Würfelspiel abgeben.

Es ist also mehr als kurzsichtig und ungerecht, nach den schauderlichen Vorgängen von Paris und dem Nahen Osten mit dem Finger der Verachtung auf die muslimische Welt zu zeigen. Und noch ungerechter ist es, einzelne konkrete Personen dieses Glaubens mit den unfassbaren Terrorakten grundlos in Verbindung zu bringen. Die allermeisten von ihnen wollen bei uns so leben wie wir es auch tun und sie möchten und sollen das Recht haben, auch ihren Glauben frei und unbehelligt ausüben zu können.

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3 Kommentare zu “Mitleid mit Muslimen

  1. Ja die Attentate und die Konzentration der Politiker und Medien auf dieses Thema zwingen uns aufzuwachen, nicht mehr den Massen mit einem GUTEN GEWISSEN hinterherzulaufen, um die zu diffamieren und zu beleidigen, die unsere Brüder und Schwestern sind.

    • Lieber Bert Brandstetter, Danke für Deine Worte zum Islam, die waren wirklich notwendig! Wurde in unserer Plattform Christen und Muslime erfreut aufgenommen.
      Herzlich – Walter Greinert

  2. Was mich in meinem Verhältnis zu bekannten und befreundeten Moslems betrifft, werde ich sie weder diskriminieren noch besonders hervorheben, wie letzteres uns jetzt von den aufgescheuchten „Eliten“ in Kirche, Politik und Medien vorgebetet wird, sondern werde sie sehen und behandeln wie bisher. Normal wie jeden anderen auch..
    Das Problem, das ich als Normalbürger habe, ist, dass sich unsere sogenannten Eliten in Politik, Kirche und Medien erst jetzt zu großer Solidarität und zu Verständnisaufrufen hinreißen ließen, weil es gewissermaßen sie selber getroffen hat. Während der Terror in Paris an ein paar Zeitungsmachern in den Zeitungen und im Fernsehen Tag für Tag groß und über jeweils mehrere Seiten sowie in unzähligen Weisheiten sogenannter Experten ausgebreitet wurde, ist der Terror in Nigerien an kleinen Menschen dort bloß einen Einspalter wert gewesen. Offenbar zählen afrikanische Leute für unsere Bosse in Kirche, Politik und Medien noch immer sehr wenig bis nichts. Ich möchte das nicht Fremdenfeindlichkeit nennen, wie ihr Gutmenschen uns das gelegentlich zur Belehrung nachwerft. Das ist Fremdenignoranz oder Kolonialismus. Auch gefällt mir nicht, wie Menschen, die ihre Meinung kritisch äussern, die sich Sorgen machen (Sorgen nicht Angst) und die Fragen auch an den Islam haben, in ein bestimmtes politisches Eck abgeschoben werden. Hier fälscht man Innenpolitik und schadet der Sache. Für kritisch Fragende gilt in dieser Gesellschaft die Meinungsfreiheit schnell nicht mehr. Ihre Fragen werden ignoriert oder verdreht und mit Halbwahrheiten zugedeckt.Übrigens, Bert, Deine Hinweise auf Kreuzzüge, Spaniens Geschichte, Inquisition waren Taten der Bosse, die auch meist dann aufsprangen, wenn es sie selber betraf. Aktionen der Bosse in Kirche, Politik und ihre Propagandisten damals sollten nicht zum Ausgleich dafür in eine Waagschale dafür geworfen werden, was sich jetzt entwickelt. Und übrigens, der islamistische Terror jetzt in Paris, und den man in Europa fürchtet, hat Wurzeln und Ursachen in vielen Teilen der Welt. Wir sind da ein Nebenschauplatz.

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