Fragwürdige Weihnachtswünsche

Was wünschen wir uns doch nicht alles rund um Weihnachten. Fast ist es, als drohte die Welt zusammenbrechen zu den Feiertagen, so viele gute Wünsche werden gesagt und geschickt und gepostet. Alles Gute für die Weihnachts-Feiertage und natürlich für das Neue Jahr, weil es ja gleich danach beginnt. Wünsche für die Gesundheit sind es natürlich vor allem, und das hat schon seinen Sinn, nicht nur weil manche Weihnachtsfeierlichkeiten tatsächlich einem Anschlag auf die Gesundheit gleichkommen. Aber auch danach: ohne Gesundheit scheint alles nichts zu sein, sie ist der aller wichtigste Begleiter im Leben. Für sie werden Abermillionen ausgegeben, wie verrückt laufen wir in Fitness-Center und versuchen auf vielfältige andere Weise dem Kranksein zu entkommen. Wir Menschen hängen am gesunden Leben, an der wunderbaren Welt und wir flüchten so gut und vor allem so lange es geht, vor dem Tod. Und mir scheint, je weniger sich Menschen von einem guten Gott geborgen fühlen, umso mehr rennen sie um ihr Leben. Die Krankheit und das Sterben: diese beiden sind es, die wir am liebsten wegschieben möchten von uns und von unseren Lieben. Und doch gelingt es nicht. Das wissen wir, wir wollen es aber nicht wahrhaben. Was bleibt, sind unsere guten Wünsche vor allem jetzt zum Jahreswechsel im Schlepptau des Weihnachtsfestes, selbst dann, wenn immer weniger Leute wissen, worum es bei der Botschaft vom Kind in der Krippe eigentlich geht. „Frohe Weihnachten und viel Gesundheit im Neuen Jahr“, steht auf vielen Karten geschrieben. Obwohl es gutes Leben auch mit Krankheit gibt, wie wir immer wieder vor Augen geführt bekommen. Die krebskranke junge Frau, die sich kürzlich für die OÖN während der Chemotherapie unbehaart in bewundernswerter Weise porträtieren ließ und Hoffnung ausstrahlt. Oder ein blinder Oberösterreicher, der noch nie in seinem Leben seine Frau und die Kinder gesehen hat, aber trotzdem fröhlich ist. Auch der Behinderte im Rollstuhl, der mehr Aktivität versprüht als mancher Gehender. Ja selbst von Todkranken wird berichtet, dass manche selbst in ihren letzten Stunden noch Glück und Zufriedenheit ausstrahlen. Es gibt also gar nicht so wenige Menschen, die selbst ohne ausreichende Gesundheit glücklich sind. Ist Gesundheit also doch nicht alles? Sind solche Wünsche nicht mehr als hohle Phrase? Was macht es dann aus, dass wir sagen können: es geht mir gut – oder der heutige Tag oder das alte Jahr waren schön und ich bin zufrieden damit. Der Gewinn oder der Umsatz sind wohl nicht gemeint damit, obwohl es natürlich dazu gehört, dass die wirtschaftliche Grundlage abgesichert ist. Aber ein ganzes Menschenleben machen solche Dinge nicht wirklich glücklicher. Eines scheint mir sicher zu sein: viel braucht es offenbar nicht zum Glück. Sich irgendwo geborgen fühlen vielleicht: in der Familie, unter Freunden, in der Natur, auch in einem Gott. Vieles andere wird dann nebensächlich, man kann es beiseite schieben und sich getrost fallen lassen. Annehmen, was ist und vielleicht sogar dafür dankbar sein können. Vielleicht ist es das, was wir uns zu Weihnachten für das Neue Jahr wünschen sollten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s