Von Ende und vom Anfang des Lebens

Merkwürdig. Zwei gänzlich gegensätzliche Themen zum Stichwort Leben haben die ersten beiden Wochen in diesem November bestimmt. Der Wunsch mancher Menschen, ihr Leben selbstbestimmt beenden zu lassen und die Möglichkeit, leichter als bisher auf künstliche Weise ein Kind zu bekommen. Verständnis ist für beides möglich. Eine Zustimmung bei genauerer Betrachtung aber nicht.
Menschen, die etwa angesichts einer unheilbaren Krankheit medizinisch kontrolliert und schmerzfrei sterben möchten, können diesem Wunsch legalerweise nur in wenigen europäischen Ländern folgen. Solches zu ermöglichen, ist aber höchst fragwürdig. Denn noch ist es der Wunsch des Einzelnen, sein eigenes Leben auszulöschen. Der Schritt zur Anordnung durch jemand anderen ist aber nicht weit. Politische Systeme können wanken. Was, wenn Machthaber entscheiden, welches Leben lebenswert ist und welches nicht? Es ist noch nicht viele Jahrzehnte her, dass auch in Österreich darüber von oben her befunden wurde und Menschen getötet wurden, deren Leben als wirtschaftliche und soziale Belastung empfunden wurde. Oder der soziale Druck. In einer Familie zum Beispiel, die durch das lange Leben und Leiden eines Vorfahren belastet ist. Der Gang in eine Sterbeklinik könnte das Blatt drehen und die Situation der Nachkommen erleichtern. Ein uneingeschränktes Nein zu einer Liberalisierung der Sterbehilfe ist aus solchen Gesichtspunkten am leichtesten argumentierbar.
Oder die Erleichterung der Spende von Eizellen. Viele Menschen wünschen sich Kinder. Auch solche, die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben und so auf herkömmliche Weise keine bekommen könnten. Zur Zeit ist dieser Wunsch nur möglich, wenn sie sich als Pflegeeltern bewerben. Nicht einmal eine Adoption ist erlaubt, obwohl viele Untersuchungen zeigen, dass Kinder in homosexuellen Beziehungen nicht schlechter gedeihen als in Familien mit Mama und Papa. Der jüngste Regierungsentwurf will es lesbischen Frauen ermöglichen, schwanger zu werden. Das Hauptproblem dabei ist das seelische Wohl der Kinder. Selbst ihre leibliche Mutter wird ihnen auch bei bester Absicht nichts über den Vater erzählen können, weil sie ihn selbst nie erfahren wird. Auch die Geschwisterfrage bleibt ungeklärt. Die Frage „woher komme ich?“ ist aber eine der aller Wesentlichsten beim Heranwachsen eines Menschen. Es besteht der Verdacht, dass die beabsichtige Liberalsierung der Eizellenspende zu sehr dem geschäftlichen Wunsch der Reproduktionsmediziner nachkommt. Kinder können bei dieser medizinisch machbaren Methode nur allzu leicht zur Handelsware werden, daher nein dazu.
Die Klammer zwischen beiden Themenbereichen ist das Leben. Es zu schützen, sollte die Aufgabe aller sein, vor allem auch der Politik. In der Sterbehilfe geht es um den Damm, der verhindern muss, Leben in seiner letzten Phase auszulöschen, wenn es nicht mehr rentabel scheint. In der Eizellendebatte geht es darum, Leben nicht künstlich und um jeden Preis entstehen zu lassen, wenn nicht gesichert ist, dass die dadurch entstehenden Kinder ein optimales Umfeld erwartet.

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