Lieber Papst Franziskus!

vielleicht geht es dir wie Eltern, deren Kinder nach einem längeren Besuch wieder wegfahren. Es ist immer auch ein gerüttelt Maß an Erleichterung zu spüren, weil wieder Ruhe einkehrt im Haus. Ob das auch ein Papst spürt, das weiß ich nicht. Dass die hohen Herren Kardinäle und Bischöfe jetzt aber wieder weg sind und die Familiensynode vorerst zu Ende ist, mag selbst einen Papst aufatmen lassen. Es wurde ja nicht zu wenig gestritten in den 14 Tagen. Eine Zeit lang hat es gar so ausgesehen, als ob für Katholiken in 2. Ehe oder für Homosexuelle tatsächlich leichtere Zeiten anbrechen würden. Die aufkeimende Freude dauerte aber nicht lange. Bischöfe, denen die Tradition ein großes Anliegen ist und solche, deren Gläubige auf anderen Kontinenten andere Probleme plagen, sprachen sich gegen eine Aufweichung aus, sodass zu guter Letzt keine erforderliche Zweidrittel Mehrheit erreicht wurde. „Die Kirche im Sprung gehemmt“, möchte man sagen. „Der Papst beinhart ausgebremst“, könnte ein anderes Bild sein. Es war zwar nicht viel, was du selber bei der Synode gesagt hast, aber alle Beobachter glauben zu wissen, was du insgeheim zu diesen Fragen denkst. Dein Credo ist die Güte, die Nachsicht und die Toleranz. Der Mensch ist dir wichtiger als das Gesetz, ganz so, wie es von Jesus, den du ja vertrittst, übermittelt ist. Manche Bischöfe, die ihr Geschäft natürlich auch sehr ernst nehmen, zeigten sich hingegen päpstlicher als der Papst und sie haben die Notbremse gezogen. Fürs erste einmal natürlich bloß. Nächsten Herbst soll die Debatte weitergehen, dann mit noch viel mehr Bischöfen, weil dann auch Beschlüsse fallen sollen. Wenn es dann freilich heißt: keine Sakramente für Katholiken in zweiter Ehe, oder keine Partnerschaft für Gleichgeschlechtliche, dann gilt das für die nächsten Jahre oder gar Jahrzehnte.

In den nächsten Monaten geht es also um die Wurst. Und es liegt an dir, ob sich bis dahin alle Bischöfe an den Grundhaltungen dieses seelenguten Jesus von Nazareth orientieren, auf dessen Lehre sie sich täglich berufen. Bischöfe wagen es selten, eigene Meinungen zu äußern. Oft, viel zu oft, blicken sie sicherheitshalber zuvor nach Rom, was denn der da oben im weißen Kleid zu dies oder jenem sagt, bevor sie selber ihren Mund auftun. Und das wird auch in Familien- und Partnerfragen der Fall sein, dessen bin ich mir sicher. Also ist es fundamental bedeutend, wie du dich positionierst. Dass du genau am letzten Tag der Synode Papst Paul VI selig gesprochen hast, halte ich im Übrigen für einen gröberen Betriebsunfall. Jemanden postmortem zu befördern, der genau in der Frage der Partnerschaft der Kirche allergrößten Schaden zugefügt hat, ist sehr wohl ein Zeichen, aber genau in die falsche Richtung. Wobei ich mich frage, warum neuerdings Päpste offenbar generell in den Seligen- oder Heiligenstand aufgenommen werden. Lieber Papst Franziskus, auch das kann nicht in deinem Sinne sein. Ihr Päpste werdet doch schon zu Lebzeiten als „Heiliger Vater“ bezeichnet. Das müsste genügen, denke ich als normaler Christenmensch, da muss nach eurem Tod nicht noch was drauf gesetzt werden, noch dazu bei einem, der durch seine ablehnende Haltung zur Pille dafür verantwortlich ist, dass viele Menschen kirchliche Antworten auch in anderen Fragen nicht mehr ernst nehmen.

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