Kunst mit schwarzen Flecken

Pure Kunst erleben Menschen, die sich der unglaublichen Mühe unterziehen, auf dem traditionellen Jakobsweg nach Santiago de Compostella im Nordwesten von Spanien zu pilgern. Es ist katholische Kunst vom Allerfeinsten, wie ich mich im Sommerurlaub überzeugen konnte, allerdings auch Kunst mit schwarzen Flecken. Teilweise 1000 Jahre alte Kirchen, wunderbare Kathedralen in jeder Stadt, durch die der Pilgerweg zur angeblichen letzten Ruhestätte des „Matamoros“ Jakob in Santiago führt. Der Apostel aus der Zeit Christi kann nichts für diesen Beinamen, der übersetzt „Maurentöter“ heißt, hat er sich doch nur der Legende nach in Spanien aufgehalten. Aber seine heiligen Gebeine wurden damals ab dem 9. Jahrhundert als durchaus wirksame Motivation für das gemeine Volk eingesetzt, die „ungläubigen“ Muslime wieder aus Spanien zu verjagen, wo sie die Überhand gewonnen und die Herrschaft übernommen hatten. Jahre später war Spanien wieder katholisch. Zum Dank finanzierten die königlichen Herrscher wunderbarste Kathedralen. Sie sicherten Macht und Einfluss, sie ließen die Gläubigen vor Ehrfurcht erschaudern. Keine andere als ihre Religion sollte hier je wieder Verbreitung finden. Muslime, Juden oder Anhänger anderer Religionen standen vor der Wahl: Bekehrung oder Emigration, und das auch nur, wenn sie Glück hatten. Die Fanatisten von damals gingen auch mit dem Leben Andersdenkender nicht gerade zimperlich um. 1000 Jahre später im Nahen Osten eine durchaus ähnliche Situation, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Dort sind es die islamischen Gotteskrieger, die alles niederzuwalzen versuchen, was sich ihnen und ihrem ziemlich einfach gestrickten Glaubensbild widersetzt. Sie gewähren zu lassen, ist keine Option. Sogar der friedliche Papst Franziskus hat dem amerikanischen Präsidenten Obama sein Verständnis bekundet, immerhin geht es auch um das Leben von Christen, das vor den IS-Milizen zu schützen ist. Die Kathedralen entlang des Jakobswegs sind aber auch Mahnmale vor allzu großer Entrüstung. Die quasi in Stein gehauenen Gebetsmonumente verdanken ihre Existenz derselben katastrophal fanatischen religiösen Mentalität, die von den muslimischen IS-Kriegern an den Tag gelegt wird. Fanatismus ist von Übel, egal für welche Religion und für welche Überzeugung auch immer er praktiziert wird. Der Ruf nach Toleranz mag weichlich und veraltet erscheinen, aber nur diese Haltung ermöglicht das Zusammenleben der Menschen im Großen und im Kleinen. Toleranz und Offenheit zeigte sich zuletzt im Rahmen des AEC-Festivals in Linz. Was braucht es, um gesellschaftliche Innovation und Erneuerung entfalten und wirksam werden zu lassen. Das war die thematische Frage. Gestellt wurde sie nicht im luftleeren Raum. Antwortversuche kamen unter anderem auch aus dem Neuen Dom, der als viel beachteter Installationsraum zur Verfügung stand. Ein neugotisches Gotteshaus als vorübergehende Heimat für ganz moderne Künstler. Ein schönes Bild, finde ich. Zumal im Rahmen dieses Festivals auch Projekte mit der Goldenen Nike ausgezeichnet wurde, die absolut in die christliche Gedankenwelt passen. So etwa ein elektronisches Hilfsprojekt, das nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima weltweit ins Laufen kam oder ein Stock für Blinde, in den ein äußerst hilfreiches Navigationssystem integriert ist. Kunst ist oft wunderbar, egal aus welchen Motiven sie geschaffen wurde. Am allerschönsten ist sie aber, wenn dahinter keine menschenfeindlichen Motive stehen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s