Eindrücke aus Osteuropa

Neulich in Rumänien: eine riesige Industrieruine am Rand einer Stadt im Osten des Landes. Chemische Produkte habe man hier erzeugt, schon seit der Zeit des Kommunismus, aber auch danach. Als ein Vorzeigebetrieb habe das Unternehmen gegolten, sagt der junge Guide, ein Wirtschaftsstudent aus Bukarest. Aber dann kam die EU und mit ihr der wirtschaftliche Fortschritt. Schnell hatte der Chemiebetrieb einen neuen Besitzer, das gesamte Unternehmen wurde aufgekauft. Und bald danach geschlossen. „Ersatzlos“, sagt der junge Guide, „für den westlichen Konzern gab es damit um einen Konkurrenten weniger“. Zurück bleiben bis heute die ehemaligen Beschäftigten, seither großteils arbeitslos. Und eine Industrieruine am Rand der Stadt. Symbol eines fragwürdigen Fortschrittes, ein Mahnmal auch für den Neo-Liberalismus. Ein Beispiel nur von vielen in diesem Land, genauso bei den Nachbarn in Bulgarien. Monatsdurchschnittslöhne von 250 Euro. Pensionisten bekommen 50 Euro. Wer jung ist und nur irgendwie kann, zieht in den Westen. Im Land zu bleiben ist keine Option. Für niemanden.
Ein zweiter gänzlich anderer Eindruck von dieser Reise: Roma machen mit riesigen Häusern auf sich aufmerksam. Glänzende Türmchen, Säulen, fast wie kleine Schlösser sind sie von weitem zu sehen. Vor dem Haus ein dickes Auto, offensichtlich wird es stolz gezeigt. „Sie haben das Geld aus dem Westen“, erklärt der Guide und er spricht nicht aus, was viele denken: Früchte der organisierten Bettelei. Wenn genug Geld vorhanden ist, lassen sie sich nieder und prahlen mit ihrem Eigentum. Einer wie immer gearteten Arbeit gehen sie nicht nach. Brauchen sie offenbar auch nicht.
Zwei ganz zufällige Eindrücke mit Bezug zu aktuellen Diskussionen in Oberösterreich. Der Landtag hat in dieser Woche die Möglichkeit zu betteln verschärft. Wer in Not ist, aber nur Geld will und jede andere Hilfe ablehnt, macht sich strafbar. Viele sozial engagierte Organisationen protestieren lautstark. Betteln ist ein Grundrecht, niemand macht es aus Spaß, sagt auch die katholische Kirche. Stimmt. Aber es gibt auch professionelles Betteln, bei dem die eigentlichen Bettler ausgenützt werden und das erbettelte Geld abliefern müssen. Was damit geschieht, habe ich in Rumänien gesehen. Diesen Umtrieben soll Einhalt geboten werden.
Gestoppt werden muss aber auch der wirtschaftliche Wahnsinn. Das Wirtschaftswachstum, das auf Kosten der Kleinen geht und bei dem Arbeiter, Konsumenten und die Umwelt als Verlierer zurückbleiben. TTIP und CETA heißen die Abkommen, mit denen sich Großkonzerne in den USA und Kanada zu Herrschern über die europäische Politik aufzuschwingen versuchen. Der Protest in Europa dagegen ist groß, auch der Landtag in Oberösterreich hat gegen TTIP protestiert. Wirksam wird das Ganze aber erst, wenn sich möglichst viele Bürger den Protesten anschließen. Es geschieht zu ihrem Vorteil und zum Wohl der Zukunft ihrer Kinder.

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4 Kommentare zu “Eindrücke aus Osteuropa

  1. …hatte den finger schon auf ausknopf…. etwas wollte ich noch von hier berichten: man hat eine Sammelstelle fuer alle ueberfluessigen Obst- und Gemueseertraege von Partikulieren und Landwirte eingerichet, um an Tafeln und fuer M.i.N. ,weiter geben zu koennen. auch wird das Fluechtlingslager fuer 300 Menschen in 2015 wieder hereingerichtet. l.G.! *!*
    …auch gehen von hier aus -2x im Jahr- Hilfsgueter nach Rumaenien…

  2. Vollkommen richtig diese Analyse. Nur, was ist das für eine EU? Was sind ihre „europäischen Werte“ wirklich? Ganz neu ist diese Entwicklung ja nicht, aber sie durften in unseren Halbwahrheitsmedien ja nie offen diskutiert werden. Ich weiß das aus eigener Erfahrung.

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