Unverzichtbarer Urnengang

Wie gut, dass es die Medien gibt. Dieser absolut nicht zynisch gemeinte Satz kommt mir in den Sinn, wenn ich die Selbstpräsentation der Parteien studiere, die sich am 25. Mai bei der Europawahl um Stimmen bemühen. Bei allem Verständnis für Verkürzungen; schlau werde ich aus kaum einem Slogan. „Wir können auch anders“, plakatiert etwa eine Partei, die mir bislang überhaupt noch nie untergekommen ist und demnach auch nie gezeigt hat, was sie kann, außerdem mit einem Kopf, den ich ebenfalls nicht kenne. Wer sind „wir“ und was heißt hier „anders“, frage ich mich und widme mich der nächsten Botschaft. „Es muss anders werden, damit es gut wird“, sagt die nächste Gruppe, die um mich wirbt. Schlau werde ich aus dem netten Spruch nicht. Mindestens ebenso klischeehaft die Ansage aus dem blauen Lager, die noch dazu in hahnebüchernen Reimen daherkommt: „Österreich denkt um – zuviel EU ist dumm“. Bumm, kommt mir ein Kinderreim in den Sinn und frage mich, welche Zielgruppe hier wirklich ins Auge gefasst sein dürfte. Andere versprechen, jetzt ans Werk zu gehen und mit voller (oranger) Kraft für Österreich zu arbeiten. Das freut mich aber, weil das bisher scheinbar nicht der Fall gewesen ist, wenn sie das jetzt erst starten. Wieder andere versprechen den Blick über den Tellerrand und ich weiß nicht recht, was ich damit anfangen soll. Die Grünen setzen auf Ferkel, Gurken und einen Rettungsring. Die Botschaft dahinter: für Solidarität und Menschlichkeit, gegen die „Macht der Agrarkonzerne“ und gegen Korruption. Durchaus konkret, aber langweilig.„Europa im Kopf – Österreich im Herzen“, outet sich Eugen Freund, der sich mit dem Ticket der SPÖ nach Brüssel hievt, ohne sich mit der Partei zu identifizieren. Wasch mich, aber mach mich nicht nass, ist meine Assoziation dazu, aber ihn kenne ich wenigstens und habe ihn bisher als Fernsehsprecher immer seriös erlebt. Als Spezialist für Sozialfragen wird er schon nicht eingesetzt werden, andererseits dürfte er jetzt ziemlich gut wissen, wie hoch der österreichische Durchschnittsverdienst liegt. Schließlich noch Othmar Karas, der Politiker durch und durch, einer also, der bisher ausschließlich vom Politik machen gelebt hat. Weil er Österreich liebt, arbeitet er für Europa. Aha.

Der Analyse kurzer Sinn. Aufgrund der Versprechen könnte ich keinen Einzigen wählen. Aber ich wähle doch. Nochmals sei den Medien Dank. Ihre Interviews, ihre Reportagen, ihre Geschichten bringen Licht ins Dunkel und räumen den plakativen Schutt recht gut zur Seite. Sie zeigen uns die wahlwerbenden Personen samt ihren Vereinigungen so, wie sie sind und nicht so, wie sie sein möchten.

Ich gehe also wählen, beziehungsweise habe ich das per Briefwahl schon getan. Weil ich überzeugt bin, dass die EU-Wahl die zweitwichtigste Wahl für alle von uns ist. Am wichtigsten ist mir die Wahl des Gemeinderates und des Bürgermeisters. Dann kommt aber schon Europa, weil dort immer mehr wichtige Entscheidungen für unser Leben getroffen werden. Erst dann ist der Nationalrat an der Reihe, dann der Bundespräsident und ganz hinten dann, weils sein soll, aber nicht mehr viel Bedeutung hat, auch noch der Landtag.

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2 Kommentare zu “Unverzichtbarer Urnengang

  1. UNSERE URSACHEN DIE IN DER KINDHEIT ERZEUGT WURDEN.

    Veröffentlicht am 31.07.2014

    http://www.freiwilligfrei.info/
    Die Bombe im Gehirn:

    und THICH NHAT HANH

    Nenne mich bei meinem wahren Namen, Berlin 1997,S.155f

    Entschärft mich
    Wenn ich eine Bombe wäre,
    jederzeit bereit zu explodieren, wenn ich zu einer Gefahr
    für euer Leben geworden bin,
    dann müsst ihr euch um mich kümmern.
    Ihr glaubt, ihr könntet mir entfliehen,
    aber wie?

    Ich bin hier, mitten unter euch.
    (Ihr könnt mich nicht aus eurem Leben entfernen.)
    Und jederzeit könnte ich explodieren.
    Ich brauche eure Zuwendung.
    Ich brauche eure Zeit.
    Ich brauche euch, damit ihr mich entschärft.
    Ihr seid für mich verantwortlich,
    denn ihr habt gelobt (und ich habe es gehört),
    zu lieben und Sorge zu tragen.

    Ich weiß, dass ihr viel Geduld braucht,
    wenn ihr euch um mich kümmern wollt,
    viel Besonnenheit.
    Ich merke, dass auch in euch eine Bombe tickt,
    die es zu entschärfen gilt.
    Warum also helfen wir einander nicht?

    Ich brauche es, dass ihr mir zuhört.
    Niemand hat je zugehört.
    Niemand versteht mein Leid,
    auch die nicht, die sagen, sie lieben mich.
    Die Qual in meinem Inneren
    erstickt mich.
    Sie ist das TNT,
    aus dem die Bombe besteht.
    Es gibt sonst niemand,
    der mir zuhören will.
    Deshalb brauche ich euch.
    Ihr aber scheint euch mir zu entziehen.
    Ihr wollt euch retten, Sicherheit finden,
    diese Art von Sicherheit, die es nicht gibt.

    Ich habe meine eigene Bombe nicht geschaffen.
    Ihr seid es.
    Die Gesellschaft ist es.
    Es ist die Familie.
    Es ist die Schule.
    Es ist die Tradition.
    Macht also nicht mich dafür verantwortlich.
    Kommt und helft;
    tut ihr das nicht, werde ich explodieren.
    Das ist keine Drohung. Es ist ein Hilferuf.
    Ich werde euch auch zur Seite stehen,
    wenn ihr so weit seid.

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