Peinliche Gemeinsamkeit

Kürzlich in Marokko: Mohamed, der junge Reiseleiter erklärt seinen 30 österreichischen Gästen vom Bus aus die Stadt Marrakesch. Plötzlich stockt er mitten im Satz: da schauen Sie, von rechts kommt ein Auto, das von einer Frau gelenkt wird! Mohamed verbindet mit dieser Beobachtung die moderne Entwicklung in seinem Land, die auch die Emanzipation von Frauen miteinschließt. Am selben Tag in der Altstadt: ein junges Mädchen fegt auf dem Moped die enge Straße entlang. Auch diese junge Dame wird von den Österreichern aufmerksam registriert, wie übrigens sehr viel mehr Frauen am Steuer eines Autos, als unser Mohamed erwähnt hat. Die große Überraschung für die Österreicher aber erst im Flugzeug der Lufthansa. Aus dem Cockpit des riesigen Airbus 321 meldet sich wie selbstverständlich eine Dame: Hier spricht Ihre Kapitänin. Butterweich hebt sie den großen Vogel auf und setzt ihn dann auch wieder auf. Sie erntet herzlichen Applaus, nicht nur von den weiblichen Passagieren. Die Pilotin ist kein Einzelfall, genauso wenig wie die marokkanischen Frauen am Steuer. 27 Damen besitzen alleine in der Lufthansa bereits die Kapitänslizenz, sie sitzen also vorne im Cockpit links auf dem Chefsessel, eine davon sogar in der riesengroßen A 380. Es sind Selbstverständlichkeiten, eigentlich, genauso wie die weiblichen Mitglieder bei den Wiener Philharmonikern, ebenfalls einer traditionellen männlichen Domäne. Aber auch hier wird die Zahl der weiblichen Mitglieder immer größer, wie das jüngste Neujahrskonzert unübersehbar gezeigt hat. Frauen holen auf und bewähren sich. Weltweit, wie sich zeigt. Aber nur fast. Einige wenige Länder und Bereiche gibt es, wo ihnen dieses Recht verwehrt wird. Saudi Arabien gehört dazu, und auch die katholische Kirche. Eine peinliche Gemeinsamkeit. Hier wie dort werden zwischen Frauen und Männern völlig irreale und absolut nicht nachvollziehbare Grenzen gezogen. Dieses dürft ihr, jenes nicht. Basta. In Saudi Arabien ist es unter anderem das Lenken von Fahrzeugen, das Frauen gesetzlich vorenthalten wird, in der katholischen Kirche sind es die Weiheämter, von denen Frauen ferngehalten werden. Die Argumente dagegen kommen vor allem aus der vatikanischen Zentrale, in der Männer in rotumrandeten Kleidern dieses „No“ immer und immer wieder begründen. Einwände selbst von hochdekorierten Würdenträgern aus vielen Ländern gegen dieses „No“ werden ignoriert. Und nicht einmal der Papst, sonst in seinem Denken so wohltuend aufgeschlossen, traut sich öffentlich für Priesterinnen am Altar einzusetzen. Wie er persönlich darüber denkt, lässt sich nur vermuten.

Saudi Arabien und der Vatikan. Eine peinliche Gemeinsamkeit in der modernen Welt. Sie hat zu verschwinden, weil sie menschenfeindlich ist und diskriminiert. Und weil der Begründer des christlichen Glaubens, dessen Auferstehung dieser Tage gefeiert wird, die Fleisch gewordene Botschaft gegen solche Ausgrenzungen ist. Ob er damals vor 2000 Jahren persönlich Jüngerinnen berufen hat oder nicht, ist einerlei: heutzutage würde er es tun, davon sind viele Menschen überzeugt.

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5 Kommentare zu “Peinliche Gemeinsamkeit

  1. Der Zeitgeist der europäischen Gesellschaft war zumindest seit dem römischen Reich patriarchalisch. Die Kirche hat sich diesem Zeitgeist angepasst. Heute haben denkende Menschen erkannt, dass dies ein Unsinn ist, und fordern Änderung. Die Kirche oder einige Machthaber in ihr sträuben sich dagegen und argumentieren, man dürfe sich nicht dem Zeitgeist anpassen. „Die Kirche versucht, den Zeitgeist von heute mit dem Zeitgeist von gestern zu bekämpfen“ (Dietmar Mieth),

  2. In Saudiarabien verbietet eine Regierung das Autofahren für Frauen. In Rom ist es eine kirchliche Order, die jedoch kein Gefängnis vorsieht, ein erheblicher Unterschied. Außerdem wird als nicht vollkommen dem Priesteranwärtern mögliches Versagen nicht zur Strafe eingesetzt sondern zu Klärung, oder gibt es keine Verpflichtung der Priester nicht zu heiraten. Was passiert dem Bankangestellten, der sich weigert eine Krawatte am Schalter zu tragen? Er kann damit rechnen für dieses unbedeutende Vergehen entlassen zu werden. Ob da noch klärende Gespräche mit dem Vorstand geführt werden, glaube ich nicht. Immer wieder wird auf das Zölibat verwiesen, doch keiner erklärt, warum die katholische Kirche daran festhält. Immer wieder wird an der Verweigerung der KK Frauen zum Priesteramt zuzulassen. doch keiner sagt, warum Benedikt XVI. meinte, er hätte nicht die Berechigung dazu.?

  3. Korrektur: Immer wieder wird die Verweigerung der K.K. Frauen zum Priesteramt zuzulassen kritisiert . doch keiner sagt, warum. Benedikt XVI. meinte, er hätte nicht die Berechtigung dazu, wer kann ihm diese Berechtigung verweigert haben und warum?

  4. Das Rechtssystem der Römischkatholische Kirche mit dem von Saudi-Arabien auf eine Ebene zustellen finde ich dann doch über das Ziel hinausgeschossen. Und eigentlich ist es traurig, dass betont wird, das Frauen in Marokko Autofahren.

    Leider werden Frauen in vielen Religionen dem Mann als nicht gleichwertig angesehen. Zumindest weiß ich das vom Islam (Ich kenne keine Imanin) vom Buddhismus und auch im Hinduismus kennt man nur Brahmanen, die Mittler zwischen dem Göttlichen und dem Menschen sein können.

  5. Ich konnte öfter das Argument vernehmen, dass sich ein verheirateter Priester nicht so gut um seine „Schäfchen“ kümmern könne, da ihn seine familiäre Belastung dabei hinderlich wäre. Andererseits gibt es in der evangelischen Kirche kein Zölibat und wer getraute sich behaupten, dass diese Pfarrer ihre Gemeinde vernachlässigen?

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