Verlorenes Augenmaß

Lenzing, die Lehrer – und die Pensionen. Diese drei Themen bestimmen zur Zeit die öffentliche Diskussion und es gibt keinen offensichtlichen gemeinsamen Nenner und hier wie dort scheint das gesunde Augenmaß verloren gegangen zu sein.

Bei Lenzing fragen sich nicht wenige, ob der Verzicht auf 700 Beschäftigte nicht mit den steigenden Aktienkursen zusammenhängt. Dass also am einen Ende jene Menschen, die Anteile am Unternehmen besitzen, höhere Dividenden ausbezahlt bekommen, wenn am anderen Ende weniger Mitarbeiter beschäftigt sind. Anders ausgedrückt: ein höherer Gewinn, wenn  für die Produkte von Lenzing weniger Menschen mehr arbeiten. Noch mehr arbeiten, sagen Leute, die sich in Lenzing auskennen und die wissen, dass dort schon bisher nicht tachiniert worden ist. Zu meinen, diese Mehrarbeit ginge schon, wie das Generaldirektor Peter Untersperger neulich im Radio gesagt hat, klingt in den Augen der Belegschaft einigermaßen zynisch. Die Verantwortung des Vorstands ist es natürlich, rechtzeitig dafür zu sorgen, dass der Betrieb nicht zur Gänze den Bach hinunter geht, wenn dunkle Wolken aufziehen. Damit rechtfertigt die Unternehmensleitung die 700 Kündigungen. Ob es davor aber nicht noch andere Möglichkeiten gegeben hätte, das ist die Frage, selbst wenn ein durchaus großzügiger Sozialplan in Sichtweite zu sein scheint.

Mehr arbeiten und weniger verdienen. Vor dieser Situation stehen auch die Lehrer. So verlockend die höheren Einstiegsgehälter sind, unterm Strich bleibt beim Lebensverdienst ein Minus. Vor allem aber mehr Arbeit. Mehr Stunden, mehr Schüler, mehr Stress. Aktive Pädagogen trifft die neue Regelung überhaupt nicht, beruhigt die Regierung und Streut ihrer Klientel damit Sand in die Augen. Es ist ein Aufruf zu unsolidarischem Verhalten künftigen Lehrergenerationen gegenüber. Sollen, ja können die Lehrervertreter einer Verschlechterung zustimmen, die künftige Lehrer auszubaden haben? Schon jetzt ist die Erschöpfungsrate unter Lehrern besonders hoch und alle, die auch nur ein bisschen Einblick in die Schule haben, verstehen das. Wer nur die tatsächlich gehaltenen Unterrichtsstunden im Auge hat, weiß nicht, wovon er redet. Er kennt nicht die Platzverhältnisse in den Konferenzzimmern, er weiß nichts von den vielen Stunden, die im privaten Arbeitszimmer vorbereitet werden und er weiß auch nichts von manchen schlaflosen Nächten wegen sorgenbereitender Schüler.

Und schließlich die Pensionen. Etwas über 1000 € sind sie im Österreich-Schnitt. Dass es dabei Gleiche und Gleichere gibt, wissen wir alle. Dass es manche besonders Privilegierte „geschafft“ haben, 30 mal soviel und mehr überwiesen zu bekommen, ist ebenso bekannt und die Politik versucht, solche „Ausrutscher“ schnell zu normalisieren, so als ob sie erst jetzt davon erfahren habe. Wenn aber eine durchaus breite Masse von ehemaligen Volksvertretern und höheren Beamten immer noch Pensionen von 10.000 € und mehr erhält, ist die Frage durchaus berechtigt, wie solche Höhen zu verantworten sind. Immerhin werden sie auch mit den Steuern jener Leute ausbezahlt, die mit 10 Prozent dieser Pensionen zurecht kommen müssen.

Nicht alle und alles über einen Leisten scheren, das ist es nicht, was hier angedacht werden soll. Aber Augenmaß in allen Gesellschaftsbereichen: in Lenzing, bei den Lehrern und auch bei den Pensionen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s