Späte Erinnerung an Katholiken in zweiter Ehe

Jetzt könnte es ernst werden. Der Vatikan erinnert sich seiner Schäfchen, die zwar vollzahlende Mitglieder der katholischen Kirche sind, die deren Angebote aber nur eingeschränkt nutzen dürfen. Es sind Männer und Frauen, deren Ehen zerbrochen sind und die wieder geheiratet haben. Natürlich nur standesamtlich, weil das Kirchenrecht eine kirchliche Heirat nur in Ausnahmefällen vorsieht. In einem langen Fragebogen zum Thema Familie will der Vatikan von allen seinen Bischöfen unter anderem wissen, wie es um diese Menschen aussieht. Das gibt zu Hoffnung Anlass, wenn auch nur zu bescheidener. Bisherige Erklärungen aus Rom haben betroffene Personen ja regelmäßig vor den Kopf gestoßen. Frei nach dem Motto: „Ihr lebt in Sünde, also haltet euch von den Sakramenten fern!“, wurden diese Menschen als Katholiken zweiter Klasse abgekanzelt.

Die Seelsorger an der Basis waren und sind es, die oft unter Umgehung der offiziellen kirchlichen Vorschriften Verständnis zeigten und zeigen. Sie fragen und schauen nicht lange, wer denn da in der Schlange steht, um die Kommunion zu empfangen, sondern reichen sie denen, die darauf warten. Manchmal kommt es auch vor, dass manche Geistliche Menschen gerade in solchen schwierigen Situationen sogar einladen, zu den Sakramenten zu kommen, obwohl sie das nicht dürften. Sie wirken damit barmherzig, wertschätzend und im wahrsten Wortsinn gnädig, also Gnade spendend.

Die vatikanischen Behörden scheinen, vermutlich nach ersten Aussagen von Papst Franziskus in diese Richtung, einen Kehrtwechsel in der Geschiedenenfrage anzusteuern. In dem erwähnten Fragebogen zu allgemeinen Familienthemen werden die Bischöfe auch aufgefordert, zu den wiederverheirateten Geschiedenen Stellung zu nehmen. Unter anderem wird wörtlich gefragt: „Wie leben die Getauften ihre irreguläre Situation? Sind sie sich dessen bewusst? Zeigen sie sich gleichgültig? Fühlen sie sich ausgegrenzt und leiden an der Unmöglichkeit, die Sakramente zu empfangen? Welche Anfragen/Bitten gibt es von Seiten der wiederverheirateten Geschiedenen an die Kirche in Bezug auf die Sakramente der Eucharistie und der Versöhnung? Wie viele Gläubige, die in diesen Situationen leben, fragen nach diesen Sakramenten? Genau dieser letzte Punkt könnte die Problematik zeigen. Möglicherweise haben sich viele der Betroffenen längst von der Kirche abgewandt, weil sie es nicht dulden wollten, länger gekränkt zu werden. Anders gesagt: möglicherweise kommt der Fragebogen viel zu spät. Möglicherweise haben auch die Bischöfe selbst viel zu lange geschlafen, anstatt die Brisanz des Problems lauthals in Rom zur Sprache zu bringen. Freilich waren dort mit den letzten beiden Päpsten Männer am Ruder der Kirche, die für diese Fragen alles andere als ein offenes Ohr zu haben schienen. Trotzdem: Aufgabe der Bischöfe ist es meiner Meinung nach nicht nur, römische Botschaften in ihren Diözesen zu vertreten, sondern auch umgekehrt Wünsche der Gläubigen in den Diözesen nach Rom zu transportieren. Ob sie dort unten damit gut ankommen oder nicht. Dass jetzt der Vatikan von sich aus die Initiative ergreift, ist gut, es kommt aber wie gesagt, für viele Paare wahrscheinlich zu spät.

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Ein Kommentar zu “Späte Erinnerung an Katholiken in zweiter Ehe

  1. Es gibt keine Möglichkeit für Wiederverheiratete, die in Sünde leben, zur Kommunion zu gehen, außer man löst die Gesetze der Kirche auf und schüttet damit das Kind mit dem Bade aus – denn
    damit kann man gleich die Unauflöslichkeit der Ehe auch abschaffen – und was soll dann auch nocht die Wortfolge — „in guten und in schlechten Tagen“ — und überhaupt, was ist so schlimm daran, die Kommunion nicht empfangen zu können ?
    Jeder denkende Christ weiß, dass diese Frage die Kirche spalten würde und ob das der Papst
    in kauf nimmt, wird man sehen !
    Dann kann man ja noch zu den Piusbrüdern wechseln !

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