Die Katze im Sack

Liebe Parteien, die ihr uns in diesen Wochen so rührend umgarnt, ja sogar liebt: bitte haltet uns Wähler für nicht gar so naiv, dass wir all das dankbar glaubend annehmen, was ihr uns da von den Plakaten erzählt. „Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz“, lässt die SPÖ ihren Kanzler trompeten, während in den OÖN steht, dass die rote Volkshilfe gerade Leute entlassen hat. „Als Kanzler werde ich anständig und ehrlich sein“, verspricht der ÖVP-Chef und mir schießen die Telekom-Schmiergelder (auch an die ÖVP) in den Kopf, über die Medien ziemlich glaubhaft berichten. „Liebe deinen Nächsten“, heuchelt die FPÖ, wohl selbst wissend, dass dieser christliche Grundwert nur die halbe Wahrheit und damit reiner politischer Missbrauch ist. „Genug gestritten“ ist einer der grünen Slogans in diesen Wochen. Mein Eindruck dagegen ist, dass diesmal in der Wahlwerbung eher zuviel gekuschelt wird und es erst in den ORF Konfrontationen ein wenig zu funken beginnt. Dass der reiche Milliardär Österrreich mit seinen verqueren Ansichten vor dem endgültigen Absandeln zu retten imstande ist, glaubt wahrscheinlich nur er und all jene, die in den letzten Monaten so merkwürdig rasch in sein Boot gesprungen sind. Noch weitere Beispiele? „Aufbruch statt Stillstand“ vielleicht,  was uns die pinkfarbenen NEOS versprechen? No na net, fällt mir dazu ein. Natürlich braucht Österreich so etwas in diese Richtung, aber das signalisieren ja auch die anderen Parteien. Dass Derartiges bei neuen Gruppierungen ein wenig frischer klingt, liegt in der Natur der Sache. Ob sie diesen Anspruch dann als Gewählte umsetzen können, steht auf einem anderen Blatt, siehe Piraten.

Allen Respekt vor den großen und kleinen Vorhaben der Parteien, sollten sie wieder in das Parlament gewählt werden: was vor der Wahl am 29. September wirklich hilfreich wäre, wird uns leider bisher vorenthalten und wir werden es aus allen möglichen taktischen Überlegungen auch nicht erfahren: wer wird mit wem eine Koalition bilden, beziehungsweise: wer will mit wem nach der Wahl ganz sicher nicht zusammenarbeiten. In anderen Ländern gehören solche Festlegungen vor Wahlen ganz selbstverständlich dazu. In Österreich ist das anders. Koalitionsfragen wird tunlichst ausgewichen, man wolle dem Souverän, also uns Wählern, nicht vorgreifen, heißt es diplomatisch. In Wahrheit ist das pure Feigheit. Zu wählen wäre viel einfacher, wüsste man im Vorhinein, auf welches Spiel man sich beim Kreuzerl für diese oder jene Partei einlässt. Ich denke sogar, wir haben das Recht, schon vor dem 29. 9. zu wissen, welchen Weg die Parteien in den nächsten fünf Jahren vorhaben. Solche rechtzeitigen Festlegungen könnten Österreich so manche politische Überraschung ersparen, die es in der Vergangenheit bereits erleben musste und die sich mehr und mehr als unglückliche Zeit herausstellt. Aber zu wissen, wer nach der Wahl ein Bündnis mit wem zu schließen gedenkt, um in dieser Konstellation eventuell die Regierung zu übernehmen, wäre eine echte Information und politische Entscheidungshilfe beim kommenden Wahlgang. Liebe Parteien, lasst uns Wähler nicht dumm sterben! Eure Versprechen auf den Wahlplakaten sind schon gut und recht. Leichter überprüfbar wären klare Koalitionsfestlegungen. Wir wollen schließlich nicht die Katze im Sack kaufen, sondern wir sind längst mündig genug, über den Wahltag hinaus zu denken!

 

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Ein Kommentar zu “Die Katze im Sack

  1. Ist doch klar, dass SPÖ und ÖVP wieder eine Koalition bilden, und dass sie die Grünen dazu nehmen, wenn es für SPÖ/ÖVP nicht ganz reicht..Das ist doch auch das Ziel der Medien, die die übrige Koalition nachhaltig harabmachen wird (während man andere Skandale – siehe Salzburg, Niederösterreich, Wien klein schreibt und schnell verschwinden lässt)
    Die Frage, die sich jetzt für diese Zukunft stellt – um auf Bert Brandstetters richtig gestellte Fragen zu kommen – ist, wie es uns mit einer Verfassungsmehrheit von Rot/Grün-Schwarz und einer politmedial nachhaltig niedergemachten und kriminalisierten Opposition gehen wird.

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