Pleite in der Bauwirtschaft

Der Baukonzern Alpine ist nur der jüngste und vorläufig schwerste Fall in einer langen Kette. Ein gesundes Unternehmen wird höchst gewinnbringend ans Ausland verkauft, wenige Jahre später wird die wahre Rechnung dafür präsentiert. Die Firma wird in die Insolvenz geschickt, tausende Mitarbeiter bangen um ihre Jobs. Es sind Menschen, die bisher brav ihre Arbeit gemacht haben, oft bei härtesten Bedingungen, wie das im Baugeschäft eben üblich ist. Ihnen ist es prinzipiell egal, wer ganz oben am Ruder sitzt, solange sie ihre Löhne erhalten. Ein ungesundes Bauchgefühl war aber bei manchen sehr wohl vorhanden, als die Alpine an einen spanischen Investor ging. „Wird schon gut gehen“, mögen sie sich gedacht haben und das Gefühl hat sie nicht getäuscht. Es ist nicht gut gegangen, viele von ihnen und womöglich auch viele Menschen in Zulieferbetrieben dürften ihre Jobs verlieren.
Zorn über die Schattenseiten der Globalisierung bringt in einer solchen Situation wenig. Wirksamer sind da schon die blitzartig gestarteten politischen Bemühungen zur Schadensbegrenzung, sofern es sich nicht bloß um Lippenbekenntnisse handelt.
Eines sei aber schon zu fragen erlaubt: wo sind jetzt die Herrschaften, die beim Verkauf des Unternehmens fette Gewinne eingestreift haben? Zumindest ein Teil der Verantwortung liegt auch bei ihnen. Auch wenn es sich um einen privaten Betrieb handelt: ich sehe auch in diesem Fall eine moralische Verpflichtung, zu dem Betrieb und seinen Mitarbeitern zu stehen. Verkauf entbindet nicht vom Gewissen.
Und noch etwas sei angemerkt. Die Alpine hat als zweitgrößter Baukonzern Österreichs seinen Managern mehr als angemessene Gehälter bezahlt. Die Frage ist freilich, was als angemessen bezeichnet werden kann, wenn eine ehemals gutgehende Firma in die Pleite manövriert wird. Die kleinen Mitarbeiter sind dafür nicht verantwortlich, die wichtigen und strategischen Entscheidungen werden in den klimatisierten Zentralen gefällt. Dort, wo Manager monatlich das zig-fache eines kleinen Bauarbeiters verdienen. Die alte kirchliche Formel, nach der ein Chef nicht mehr als das Zehnfache seines kleinsten Arbeiters verdienen sollte, wirkt in diesem Licht fast wie ein Hohn, könnte aber zur Dämpfung der Emotionen beitragen. Alpine-Vorstände, die sich ab sofort auf das Zehnfache des Arbeiterlohnes reduzieren lassen, könnten sogar mit etwas Sympathie rechnen…

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2 Kommentare zu “Pleite in der Bauwirtschaft

  1. Da icheinem der Alpine-„Manager“ recht n ahe stehe, weoiß ichg, dass das mit den Supergehältern für Manager in der Alpine auch nur sehr bedingt stimmt. Leute, die im so genannten operativen Bereich tätig waren (uns sind) haben für ihre Tätigkeit auch nur eher normale Gehälter bekommen. Und es mag schon sein, dass Manager in der Alpine, die sich jetzt quasi die Haxen ausreißen, um ihre guten Bauleute und Bauleiter bei anderen Firmen unterzubringen zum Schluss durch die Finger schauen werden. Das ist auch ein typisches Faktum in solchen Fällen. Aber Bert Brandstetter hat schon Recht, die früheren österreichischen Eigentümer der Alpine haben bei ihren Verkauf an die komischen Spanier einen großen Schnitt gemacht. Und schon diese früheren österreichischen Eigewntümer haben vor den Verkauf begonnen, große Geschäfte in Mittelost- und Osteuropa anzufangen, und zwar mit jener Goldgräbermentalität, mit der auch andere österreichische Unternehmen und vor allem auch Banken im ehemals kommunistischen Ostblock eingerückt sind. Die komischen Spanier haben das dann noch massiv ausgeweitet. Aber diese im Osten aufgeblasenen österreichischen Banken werden bei ihren Ostgeschäften von unserer Regierung ja als „systememinent“ mit Milliardenstützungen und Politpropaganda hochgehalten. Man wird schon fassungslos mit unserer Politik und unseren Wirtschaft, wenn man zusehen muss, wie geute österreichische Bauarbeiter, Bauleiter und operative „Manager“, die jahrelang gute Arbeit in Österreich geleistet haben, mit feuchten Augen dastehen und sich wie Arbeitsplatzbettler vorkommen. Der Fall Alpine wäre einige soziale, gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Bücher wert. Insoferne hat KA-Präsident Bert Brandstetter damit ein swehr wichtiges Thema angeschnitten.

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