Getrennt am Tisch des Herrn

Fronleichnam ist wieder so ein Tag (oder wäre es wohl bei besserem Wetter). Die katholische Kirche demonstriert, dass sie nach außen wirken möchte: dorthin, wo die Menschen leben. Irgendwie ist es das inoffizielle Fest der Katholischen Aktion: Auftreten für kirchliche Anliegen nicht im geschützten Raum, sondern in aller Öffentlichkeit. Fronleichnam ist zugleich der Tag, an dem im ganzen Land die Erstkommunionkinder gerne noch einmal ihre neuen Gewänder ausführen und durchaus stolz auch zur noch ungewohnten Kommunion gehen. Streng nach geltendem Recht zieht die katholische Kirche dabei aber einen Graben durch gar nicht so wenige Familien. Ist ein Elternteil nicht (oder nicht mehr) katholisch, muss er oder sie beim Empfang der Kommunion passen. Nicht geladen, nicht zugelassen, sagt das Kirchenrecht und verweist auf eher komplizierte Ausnahmemöglichkeiten für „die Gemeinschaft am Tisch des Herrn“. Die Eheschließung ist so eine Möglichkeit, aber auch, wie etwa eine pastorale Orientierungshilfe aufzeigt, eine geistliche Notlage oder die Unmöglichkeit, einen Kommunionspender der anderen Konfession zu finden.

Man stelle sich vor: Sie laden Freunde zu sich ein, verbringen angenehme Zeit mit ihnen und servieren dabei auch gepflegtes Essen. Doch einem ihrer Gäste ist es verboten, zuzugreifen. Der Genuss wird ihm verwehrt, weil er vielleicht Ausländer ist oder blond oder Linkshänder oder aus sonst einem ebenso nichtigen Grund. Eine undenkbare Vorstellung, ein Akt extremer Unhöflichkeit, der die Freundschaft wohl auch zu den anderen Gästen rasch und zu Recht beenden würde.

Die katholische Kirche aber beharrt auf derartigen Prinzipien. Menschen anderer Glaubensrichtungen oder auch Katholiken in zweiter Ehe sind nicht geladen an den „Tisch des Herrn“. Den Gottesdienst dürfen sie zwar gern besuchen, das gemeinsame Mahl bleibt für sie hingegen prinzipiell tabu.

Viele Pfarren handhaben das Gesetz bei weitem nicht so streng wie sie es müssten. Und sie tun natürlich gut daran mit diesem Ungehorsam. Wer will es sich schon leisten, Menschen vor den Kopf zu stoßen, die gerade an Tagen, die wie etwa Fronleichnam für die Familie wichtig sind, die Kommunion empfangen möchten. Viel angebrachter schiene es mir, sie ausdrücklich dazu einzuladen, anstatt eine komplizierte kirchenrechtliche Magenkrampf-Debatte vom Zaun zu brechen.

Gute Seelsorger umschiffen das Problem auch mit dem Argument der praktischen Undurchführbarkeit einer effizienten Kontrolle. Wie bitte soll bei Gottesdiensten festgestellt werden, welcher Konfession alle Kommunionempfänger nun wirklich sind. Die Vorlage des Taufscheins vor dem Hostienempfang wäre nun doch ein wenig viel verlangt und mehr als lächerlich. Und es stellt sich aber auch die Frage: wen außer wenigen merkwürdig engen Geistern interessiert es wirklich, ob alle, die ihre Verbundenheit zur Gottesdienstgemeinschaft auch mit dem Empfang der Kommunion zum Ausdruck bringen möchten, auch dessen wirklich würdig sind.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kirche veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu “Getrennt am Tisch des Herrn

  1. Danke für diese klaren Worte! Ich hoffe ja immer noch auf Einsicht der „Gottsoberen“…
    Annemarie Steiner, Fornach

  2. Fronleichnam ist wirklich ein guter Anlass, ueber die ganzen Kirchengesetze und deren Auswirkungen nachzudenken.
    Wenn man geschieden ist, verliert man de facto alle mit der Kirchenmitgliedschaft verbundenen Rechte (mit Ausnahme eines christlichen Begraebnisses). Man wird von den Sakramenten ausgeschlossen, darf keine Patenschaft uebernehmen und von sonstigen kirchlichen oder kirchennahen Aemtern hat man sich ebenfalls fernzuhalten. Was bleibt dem konsequenten Menschen dann uebrig? Er wird die Firma Gott & Sohn schweren Herzens verlassen. Und auf eine “schoene Leich” kann ich dereinst als Hauptdarsteller verzichten. Meine Kinder wissen zum Glueck auch damit umzugehen.
    Solange die in Rom ansaessigen Tattergreise in Weiss und Purpur auf ueberkommenen Bestimmungen verharren, welche in kaum einer Weise biblisch zu rechtfertigen sind, wird man als Glaeubiger eben mit den Fuessen entscheiden.
    Es koennte aber sein, dass sich unter diesem ganzen Dogmen- und Phrasenschutt das Reich jener Fragen verbirgt, die zu stellen ein Vorrecht des Homo Sapiens ist. Wir wissen es nicht und die Machthaber in Rom sind wahrscheinlich auch nicht sonderlich daran interessiert. Das ist eigentlich sehr schade.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s