Schutz den freien Tagen

Daily sei Dank. Die Sonntagsöffnung ist vorerst abgewendet. Offiziell nur bis zur rechtlichen Klärung. Inoffiziell wohl, weil der Boden dafür eindeutig zu heiß geworden ist. Wenn schon Gewerkschaft UND Wirtschaft gleichermaßen dagegen protestieren, scheint offensichtlich auch den beinhartesten Unternehmern Einhalt geboten. In Wahrheit hat niemand auf diese Sonntags-Öffnung gewartet. Weder irgendwelche lang schlafenden Brötchenholer am Sonntag Vormittag, noch irgendwelche kaffeebedürftigen Touristen und schon gar keine Windel- oder Putzmittelkäufer. Normale Österreicher brauchen nicht auch noch den Sonntag, um sich mit dem Wichtigsten zu versorgen. Dasselbe gilt für die allermeisten anderen Europäer. Portugiesen zum Beispiel, die ich kürzlich in Madeira beobachten konnte. In der Hauptstadt Funchal bleiben am Sonntag die Rollbalken geschlossen. Bloß das mittelgroße Einkaufszentrum hat geöffnet, es ist aber kaum besucht am heiligen Tag. Wobei es gar nicht um die Kirche als solches geht, so wichtig sie den Portugiesen viel mehr noch ist als uns Österreichern. Für einen Messbesuch gibt es so und anders nach wie vor genügend Möglichkeiten, wenn man sich bloß ein wenig danach umschaut. Worum es aber geht, das ist die Sonntagsruhe, die uns allen heilig im Sinne von unangreifbar sein sollte. Wird sie aufgeweicht, droht ein Damm zu brechen, der später kaum noch zu dichten ist. Und niemand erweist der Gesellschaft einen Dienst, wenn am Ende ausgebrannte Menschen übrigbleiben. Menschen, die keine Zeit mehr finden, um sich mit Freunden zusammen zu setzen, weil nächsten Tag alle immer irgendwie zu arbeiten haben: auch Freitag und Samstag Abend, wo bisher doch weitgehend Feierabend war.

Dasselbe Thema berührt auch die Debatte um die Verlegung von Feiertagen. Egal, aus welchem Grund zwei davon ausgerechnet auf Donnertage fallen: sie gehören bei uns einfach schon dazu und tun arbeitenden Menschen einfach gut. Sie sind ein Geschenk, für das fast alle einmal jährlich dankbar sind und Seele und Körper aufatmen lassen. Sie um des Gewinnes wegen zu verschieben mutet kleinlich an. Wie schlecht mag es Unternehmen bereits gehen, die auf solche Verschiebungen angewiesen sind.

Zurück zum Sonntag: niemand möge glauben, ich wüsste nicht, wovon ich rede: nach 20 Jahren journalistischer Sonntagsarbeit, die im Radio wie in vielen anderen Berufen nicht zu vermeiden ist, genieße ich das Leben ohne diesen Zwang fast jedes Wochenende nach wie vor wie neu. Erst diese regelmäßige Unterbrechung der beruflichen Anspannung ermöglicht es, den inneren Akku neu zu laden.

Ich wünsche unserer Wirtschaft Menschen, die ausgeruht sind, ich wünsche ihr Leute, die ihre Arbeit gerne tun und die sich durch sie gefordert fühlen. Ich wünsche ihr Kreative und Kritische, Fleißige und Nachdenkliche und noch vieles mehr. Solche Menschen sind aber nur zu bekommen, wenn sie immer wieder die Chance erhalten, ausreichend Luft zu holen und nicht eingesperrt sind in einem Hamsterrad, das keine Pausen kennt. Solche Pausen sind die Wochenenden, solche kleine Pausen sind aber auch die Feiertage. Sie zu schützen, muss uns heilige Pflicht sein.

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2 Kommentare zu “Schutz den freien Tagen

  1. Teuer Bert BrandstetterSehr guter Artikel.Aber hier in Portugal, sind die meisten Feiertage beseitigt wird.Wilder Kapitalismus ist unersttlich.Aber sich zu kmpfen lohnt, drfen wir nicht kampflos ergeben.Gre. Date: Fri, 26 Apr 2013 05:18:58 +0000 To: fimdocelibatoja@live.com.pt

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