Volksbegehren: Gratis-Werbung für kirchliche Leistungen

Gäbe es die Kirchen nicht, man müsste sie erfinden, und zwar rasch! Eigentlich müsste man den Betreibern des „Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien“ dankbar sein, weil sie das, was diese Organisationen für die Allgemeinheit leisten, in ein besonderes Licht stellen. Natürlich meinen sie es anders. Sie wollen die totale Trennung in dem Sinn, dass der Staat keinen Cent mehr bezahlt etwa für den Religionsunterricht oder für die Erhaltung von Gebäuden. Ursprünglich standen auch die Aufwendungen für Ordensspitäler in der Kritik. Diesbezüglich ist es inzwischen sehr ruhig geworden, weil natürlich klar ist, dass sich der Staat durch die Leistungen der Ordensspitäler sehr viel Geld spart. Oder die Caritas und die Diakonie. Denke man nur an das, was dort für Menschen mit Behinderungen, für Mittellose, aber auch für die alltägliche Förderung von Kindern in den Kindergärten geleistet wird. Natürlich zahlt der Staat dafür, wie jede andere Dienstleistung auch abzugelten ist. Das Engagement vieler Ehrenamtlicher in kirchlichen Einrichtungen erspart dem Staat aber jede Menge Geld.

Kritisiert werden auch staatliche Subventionen für kirchliche Bauwerke. Sie dienen natürlich in vorderster Linie dem Gottesdienst, also dem Kircheninteresse. Aber bei weitem nicht nur: ein Österreich ohne Dome, Klöster und Kirchen wäre für den Tourismus ziemlich uninteressant. Diese Gebäude sind Teil der österreichischen Identität, sie stehen allen offen und im Gegensatz zu anderen Ländern wird bei uns dafür kein Eintritt verlangt. Dass diese Gebäude attraktiv bleiben, kostet Geld und liegt auch im Interesse der Öffentlichkeit, nicht nur in der der Kirchen.

Bleibt noch das Schulwesen. Zieht der Staat die Bezahlung des Personals in Privatschulen zurück, ist die einzige Konsequenz die Schließung. Für 70.000 Schüler müsste Ersatz geschaffen werden. Soll das der Staat wollen?

Ich fürchte, ein Staat ohne all diese Angebote sähe bitter arm aus. Den Betreibern des Volksbegehrens ist zu danken für die von ihnen ausgelöste Diskussion. Sie tragen dazu bei, kirchliche Leistungen wieder einmal in das rechte Licht zu rücken. Unterstützen sollten das Volksbegehren vernunftbegabte Landsleute deshalb aber lieber nicht…

 

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