Päpstliches Ostergeschenk

Es kann kein Zufall und schon gar kein Versehen mehr sein. Die Wahl von Papst Franziskus lässt wirklich mehr erwarten, als sich viele in der Kirche zu träumen wagten. Seine ersten Zeichen haben den Weg gewiesen und es schaut alles danach aus, dass er auf Kurs bleibt. Die Fußwaschung am Gründonnerstag an 12 straffällig gewordenen Jugendlichen war dabei der bisherige Höhepunkt, der auch theologisch interessant ist. Bisher haben Päpste ausschließlich Männern die Füße gewaschen. Wie denn auch anders: die Fußwaschung geht auf ein Jesus persönlich zugeschriebenes Ritual zurück, durch das er seine Jünger zu Aposteln weihte. Frauen konnte man nach diesem Denkmodell auch niemals zur Fußwaschung einladen. Papst Franziskus hat mit dieser Tradition gebrochen. „Schrecklicherweise“ – für mögliche Kritiker – war dabei auch eine Muslimin. Ich finde dieses Zeichen höchst erfreulich. Dieser Papst überschreitet Grenzen, die längst hätten fallen sollen. Er kümmert sich weniger um Traditionen und setzt Fakten so selbstverständlich und unbekümmert, als wären sie schon immer so gehandhabt worden.

Mich schaudert es in diesen Tagen vor so manchen meist bischöflichen Kommentaren, die Franziskus quasi in Schutz nehmen wollen, indem sie davor warnen, man dürfe sich trotz aller schönen Zeichen kirchenpolitisch nicht zu viel von ihm erwarten. Ich vermute und hoffe, diese hohen geistlichen Herren werden sich getäuscht haben und sich noch des Öfteren wundern über den Kurs, den Franziskus eingeschlagen hat und wohl auch fortsetzen wird. Statt diesen Papst zu schützen halte ich es für nötiger, ihn vor solchen Bischöfen zu schützen, die damit womöglich nur verhindern wollen, dass sich in der Kirche zu viel auf einmal ändert.

Die Wahl dieses Papstes ist das schönste Ostergeschenk, das den Katholiken dieser Welt zu wünschen war. Er pfeift auf den päpstlichen Prunk und hat in seiner noch so kurzen Amtszeit bereits mehr Reformwillen angedeutet oder vermuten lassen als alle Päpste seit Johannes XXIII. Dass die Zeit für grundlegende Änderungen nicht reif wäre, kann ja wirklich schon lange nicht mehr behauptet werden. Es bedurfte nur noch des Anstoßes von oben. Dieser Papst macht seiner Kirche Beine in die richtige Richtung und es scheint, als ob er damit erst begonnen hätte…

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kirche veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Kommentare zu “Päpstliches Ostergeschenk

  1. Für säkularisierte Menschen klingt das nicht besonders spektakulär. Aber im katholischen Kontext ist es ein Tabubruch, dass der Papst am Gründonnerstag erstmals Nichtchristen und Frauen die Füße wäscht. Denn die Fußwaschung geht ja auf das Letzte Abendmahl zurück, bei dem Jesus den 12 Aposteln die Füße wusch. Und mit Hinweis darauf, dass Jesus nur Männer als Apostel auswählte, wird ja bis heute von der römisch-katholischen Kirche die volle Gleichstellung der Frau – und vor allem die Priesterweihe für Frauen – abgelehnt. Und nun hat der Papst Nichtchristen und Frauen symbolisch in den Apostelkreis aufgenommen!

  2. Herzlichen Dank für diesen Blog Beitrag!! Ich hoffe und wünsche es mir wirklich, dass du mit deiner Einschätzung recht haben wirst. Ich bin mir der theologischen Konsequenzen seiner Geste der Fußwaschung durchaus im Klaren, doch bin ich dennoch immer noch vorsichtig. Warum? Weil ich leider schon zu oft enttäuscht wurde. Nach der Enzyklika „Deus Caritas est“ von Papst Benedikt XVI habe ich mir auch sehr viel erwartet. Das meiste davon ist schnell einer Ernüchterung gewichen als klar wurde, dass Papst Benedikt stärker an einer Anbiederung an die Piusbruderschaft als an echten notwendigen Reformen interessiert ist. Diese beiden Päpste kann und will ich nicht vergleichen. Natürlich stirbt die Hoffnung zuletzt, doch die Hoffnung sterben zu sehen tut einfach wahnsinnig weh. Wenn es irgendwie geht, möchte ich mir diesen Schmerz ersparen. Ich bete gerade auch zu Ostern, dass ich mich irre, dass der Heilige Geist auch in der Kirchenleitung doch noch wirkt, dass Papst Franziskus eine neue Form von Kirche einleitet, die sich wieder mehr auf Christus besinnt als auf den Erhalt längst vergangener Macht. Bitte Bert, behalte recht mit diesem Bericht!!! 🙂
    Andreas

  3. Naja, dass Jesus die Apostel „weihte“ – ist einer klerikaler Schlenker, der korrigiert gehört. Das Wort muss in Anführungszeichen, sonst machst du Jesus zu einem der katholischen Pfarrer, die auch alles „weihen“ vom Grünzeug bis zur Sparkasse. Die Zeichen und Signale mit anderen Ansichten zur Person Franziskus‘ zusammen gesehen, lassen allmählich die Konturen eines Konzeptes erkennen. Dass er sich zum Treffen mir seinem emeritierten Kollegen mit dem Helikopter fliegen liess, halte ich für inkonsequent und eigenartig für jemand, der – wie man lesen konnte – die Öffentlichen bevorzugt benützt. Bei allem Respekt vor den Katholiken und dem Papst würde ich zu bedenken geben: Die Kirche macht den Papst, nicht der Papst die Kirche. Viele kommentierende Blogger/innen schreiben und denken in der Perspektive des zweiten Satzteiles. Der erste aber ist der entscheidendere, vorausgesetzt man billigt dem Papst eine Bedeutung und Rolle zu, die über das übliche, vorherrschende Marketing hinausreicht, das man als öffentliche Verkündigung des Glaubens bezeichnet.

  4. Ein paar Gedanken aus der Sicht eines Ökonomen: Fußwaschung oder andere christliche „Dienste“ sollten aus marketing-technischer Sicht jedermann angeboten werden. Ist es nicht gut, wenn sich jeder Interessierte mit dem christlichen Glauben und seinen Einrichtungen aktiv auseinander setz? Durch solche Erfahrungen (vorallem durch eine weltoffene Haltung) beindruckt man und gewinnt vielleicht mehr Menschen – und grenzt sie nicht aus …

  5. Ja, hübsch, man sollte ein Buch darüber schreiben.
    Ich hab hier auch Füsse gewaschen, die Füsse von Kindern, welche draussen gespielt haben.
    Was für ein Theater, wenn ein Papst sich ein paar Füsse greift und mit Wasser plantscht.

    Der Blogchef scheint Pastor zu sein? Bitte sag deinem Big Boss in der Burg der Engel, er möge mal runtergehen und die Bibliothekenn des Vatikanums der Oeffentlichkeit zugänglich machen.

    Mir ist klar, dass er, ja er, dein Boss, noch eine Lebensspanne von maximal 30 Tagen hat, wenn er diese Absicht in die Tat umzusetzen trachtet. Doch keine Bange. Kein rechter Papst trachtet danach, Menschen DAS wissen zu lassen, was ihnen helfen könnte.

    Ich weiss nicht. Soll ich lachen oder weinen über die Ahnungslosigkeit hier.

    Fangen wir mal ganz unten an, mit der Pflege von nicht total verengellischtem Deutsch: Es heisst „der Blog“, nicht „das Blog“. Selten sowas Dämliches gehört. Das Blog.
    Mit Verlaub, lieber Bert, wenn du „das Blog“ Liebhaber bist, dann wundert mich nix.

    Wenn wir dann thematisch weiter oben sind, bei den Vernetzungen der „frommen Kirche“ mit dem Weltkapital und mit den Weltenherrschern, den Zionisten, dann komm ich gerne wieder, dann können wir was anstellen.

    Bis da hin Gottes Segen jeden Tag über dich, lieber Bert.

    Sollt ich dich geärgert haben, so freue ich mich. Aufwachen kann nützlich sein.
    Ich hab sogar eine Mailadresse. Die findest du in deinem WP unter „kommentare“.

    Oder du schaust ma vorbei unter http://bumibahagia.com
    Aber nicht erschrecken, Bert, in bumi bahagia wird die Zukunft avisiert, und dabei wird der wahre Ist – Zustand gelegentlich beleuchtet.

    Der All – Eine sei mit dir und mit mir und mit Uns.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s