Lieber Bruder Franz!

Eigentlich wollte ich ganz anders anfangen. Nämlich so, wie es sich gehört: Eure Heiligkeit, Papst Franziskus I. Aber dann habe ich noch einmal dein Bild in den Zeitungen angeschaut und mir gedacht: das passt sicher nicht. Wie du drinsteckst in dem neuen, weißen Talar, ein bisschen verloren und unsicher, das ist keine Heiligkeit, zumindest noch nicht. Oder nicht so, wie wir es gewohnt sind. Natürlich habe ich mir im Radio auch erzählen lassen, wie du bisher gelebt hast und auch das passt alles andere als zu einer Heiligkeit. Auch nicht zu einer Eminenz, wenn ich mir diese Feststellung erlauben darf. Kardinäle wohnen hierzulande nicht in einfachen Appartements, sondern in Palästen; sie kochen nicht selbst, sondern werden bekocht und sie fahren auch nicht mit dem öffentlichen Bus, sondern werden in der Limousine chauffiert. Aber das werden sie dir in Rom schon beibringen, wie man standesgemäß zu leben hat. Oder du bist stark genug und lässt dir in den privatesten Dingen einfach nicht zu viel dreinreden von den Bischöfen und Erzbischöfen, die ab jetzt um dich herumschwirren. Das wäre eine große Hoffnung von mir, dass du halbwegs der bleiben kannst, der du bisher warst. Und auch, dass du denen zeigst, dass katholische Kirche bei weitem nicht nur der Vatikan oder Rom oder Europa ist, sondern dass der Großteil der Mitglieder längst auf anderen Kontinenten daheim ist, wo sie wahrlich andere Sorgen haben als etwa das richtige Gehabe gegenüber einem Papst. Wir trauen dir zu und wir spüren es, dass du aus Buenos Aires frischen Wind mitgebracht hast, der viel Gewohntes durcheinander wirbeln wird. Der die Führung der Kirche auf breitere und repräsentativere Beine stellt als das jetzt der Fall war, wo man schon lang nicht mehr so genau sagen konnte, wer das Sagen hat im Vatikan.

Franz oder Franziskus, wie auch immer: deine Namenswahl ist jedenfalls genial und auch dein erster Auftritt passt perfekt dazu. Ein Papst, der das Volk auffordert, für ihn zu beten und ihn gleichsam damit zu segnen und nicht umgekehrt. Ein Papst, der von Gemeinsamkeit spricht und einfach Guten Abend sagt: das alles verspricht einen neuen Stil, der ungemein gut tut.

Natürlich wird auch der päpstliche Alltag kommen und wahrscheinlich weißt du  auch schon jetzt, wie viel in den vergangenen Jahrzehnten liegen geblieben ist an notwendigen Entscheidungen. Die Frauenfrag in der Kirche, die Lebenssituation der Priester, die Gläubigen in zweiter Ehe und vieles andere mehr. Aber du wirst es schaffen, vor allem, wenn dir vielleicht eine andere Art von Kurie zur Verfügung steht, ein global agierendes, vernünftiges Team, in dem Frauen und Männer aus allen Erdteilen sitzen, die wissen, wo dein Volk der Schuh drückt. Fürs Erste aber freuen wir uns, dass genau du da oben angekommen bist. Ich habe das Gefühl, dass du eine geniale Wahl für uns alle sein könntest.

 

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Ein Kommentar zu “Lieber Bruder Franz!

  1. Ein Brief an unsere Papst Benedikt XVI am 31/01/2012 sagte das Ende seines Pontifikats
    Siehe unseren Blog: http://fimdocelibatoja.blogspot.pt/2013/03/uma-carta-nossa-enviada-ao-papa-em-31.html
    Bewegung:
    Gott Sagt Reicht!
    Portugal

    A letter sent to our Pope Benedict XVI on 31/01/2012 predicted the end of his pontificate
    See our blog: http://fimdocelibatoja.blogspot.pt/2013/03/uma-carta-nossa-enviada-ao-papa-em-31.html
    Movement
    God Just Says
    Portugal

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