Weihnachtsevangelium NEU

Alle kennen es. Manche lesen das Weihnachtsevangelium sogar vor der Bescherung vor. Die jubilierenden Engel, die gegen Ende der Geschichte auftreten, sind der Startschuss für den Ausbruch der Weihnachtsfeiertage. Sie gehören dazu wie der Staubzucker zu den Vanillekipferln. Ernsthafte Wissenschafter  bezweifeln indes, dass sich die Weihnachts-Geschichte wirklich so zugespielt hat. Aber auch wenn was dran sein sollte: der Glaubwürdigkeitsgehalt der Geschichte liegt für wache Menschen des 21. Jahrhunderts so ziemlich bei Null. Daher der riskante Versuch einer entstaubten Version, die sie vielleicht auch Jugendlichen am Heiligen Abend unter dem Christbaum zumuten können.

 

 

Im heutigen Israel lebte vor circa 2000 Jahren ein junger Zimmermann. Er hieß Josef. Seine Frau Maria war zu ihrem ersten Kind schwanger. Beide sollten von Nazareth nach Bethlehem kommen, weil eine Volkszählung angeordnet war.

So holten sie den Esel aus dem Stall, Maria setzte sich darauf und Josef führte sie durch die Steinwüste. Drei mühevolle Tage dauerte es bis nach Bethlehem. Natürlich waren sie nicht die einzigen in der Bezirksstadt. Tausende andere Juden bemühten sich ebenfalls um einen Platz in den Gasthäusern der Stadt, sodass es kaum möglich war, ein Bett zu bekommen. Wahrscheinlich waren es die holprigen Bewegungen des Esels, die bei Maria die Wehen ausgelöst hatten. So sagte sie zu ihrem Mann: „ich glaube, ich bekomme jetzt das Kind“. Die Panik des jungen Vaters kann man sich vorstellen. Wo sollte seine Frau entbinden. In Bethlehem kein Platz und für den Weg zurück nach Nazareth war es zu spät. Nur ein einziger Wirt bemerkte, dass sich die Frau hinter Josef auf dem Esel bereits vor Schmerzen krümmte  und er erinnerte sich an die kleine Hütte außerhalb der Stadt, in der er verschiedene Geräte gelagert hatte und auch Tiere eingestellt waren. „Wenn es euch nicht zu schlecht ist: aber diese Hütte könnt ihr gerne haben“, sagte er. Dankbar nahmen Josef und Maria das Angebot an. Ein Ochs und ein Esel standen darin angebunden, eine Futterkrippe war da und eine einfache Liege gab es auch dort.

 

Es dauerte nicht mehr sehr viele Wehen und das Kind war auf der Welt. Josef freute sich so wahnsinnig darüber, dass ihm war, als hörte er die Engel singen. Dieser kleine Bub, darüber war er sich ganz sicher, sollte einmal etwas ganz Besonderes werden. Dass er Jesus heißen würde, darüber war er sich mit Maria schon vorher einig geworden. Josef lief aus der Hütte hinaus in die dunkle, warme Nacht und schrie voller Freude: „ich habe einen Sohn bekommen!“.

 

Nicht weit davon entfernt schliefen Schafhirten. Natürlich wurden sie wach von dem Geschrei. Als sie Josef sahen, kam ihnen der von hellem Mond beschienene Mann wie ein Engel vor, der irgendetwas schrie von „Ehre“ und von „Gott in der Höhe“. Sie  gingen zur Hütte, wo der ganze Wirbel seinen Ausgang genommen hatte. Dort waren die Männer dann schon sehr gerührt, als sie die junge Maria sahen und den kleinen Buben in der Futterkrippe und den Ochs und den Esel daneben. „Ich verstehe den Vater, dass er sich so freut“, sagte einer. Und ein anderer meinte: „Wenn hier heraußen in der Wüste ein Kind gesund zur Welt kommt, dann muss es wirklich etwas Besonderes sein“.

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3 Kommentare zu “Weihnachtsevangelium NEU

  1. Es ist erfreulich, wenn kirchliche Repräsentanten die Möglichkeit haben, die Botschaft, die christliche Kirchen zu verkünden haben, über den Insiderbereich hinaus zu vermitteln. Schade, dass Herr Brandstetter diese Chance vergeben und die Botschaft zur Aussagelosigkeit banalisiert hat. Superintendant Lehner und andere Leser der OÖN haben dankenswerterweise unmittelbar reagiert und argumentiert. Ärgerlich ist, dass der Beitrag eine heute „zumutbare“ Version unter Berufung auf „ernsthafte Wissenschafter“ vorbringen möchte.
    Viele diözesane Repräsentanten und das Kommunikationsbüro konsultieren vor der Veröffentlichung von theologischen Beiträgen in inner- und außerkirchlichen Medien die entsprechenden Kompetenzzentren unserer Diözese – in diesem Fall: das weit über die Landesgrenzen hinaus geschätzte Bibelwerk im Pastoralamt und die renommierten Fachleute an der Katholisch-theologischen Privatuniversität. Beide hätten Herrn Brandstetter gesagt, was Theologiestudierende in den ersten Semestern lernen: „Du musst die Gattung eines Textes beachten!“ Diese Erzählung im Lukasevangelium ist kein Zeitungsbericht, der historische Fakten vermitteln möchte. Vielmehr will diese Geschichte den Mann aus Nazareth, einem Nest am Rand des römischen Imperiums, in die Weltgeschichte eintragen und mit den Bildern und Vorstellungen der damaligen Zeit seine universale Bedeutung klar machen. Die Grundaussage ist: Dieser Jesus ist der Retter, auf den wir so sehnsüchtig warten; er ist ein Geschenk des Himmels, weil in ihm Gottes Liebeswort an die Menschen „Hand und Fuß“ bekommen hat. Diese Botschaft scheint mir auch heute alles andere als „verstaubt“. In diesem Sinn: Frohe Weihnachten!

    Univ.-Ass. Dr. Christoph Freilinger, Linz

  2. Vielen Dank für die wunderbar einfache Weihnachtsgeschichte. Sie spricht an auf einfache Art und Weise. Und Wunder sind etwas einfaches, unbegreifbar einfaches. Danke.

  3. Was soll dieser Beitrag?
    Er will zwar „entstauben“, bringt aber einiges Unnötiges, das den Blick auf den Text eher neu verstellt. In dieser Hinsicht kann ich mich dem Beitrag Herrn Freillingers nur anschließen: Textsorte nicht erkannt, ihre Intention beiseite geschoben. Damit verfehlt die „Zuspielung“ aber leider ein tieferes Versändnis.
    Ich habe es bislang nicht für nötig gefunden, dass jemand Bibelstellen in die Sicht eines Mannes umzuschreibt. Josef ist in diesem Zusammnhang eine Nebenfigur und kann es ruhig in Zukunft auch bleiben. Auch über den Namen des Kindes braucht er sich nicht mit Maria einig zu werden. Den weiß sie schon seit sie erfahren hat, dass sie ein Kind bekommen wird.
    Soll nun nahegelegt werden, dass Männer nach der Geburt ihres Kindes lieber in die Nacht hinaus laufen, als bei der Familie zu bleiben? Sehr zeitgemäß!
    Und übrigens: Was genau tragen Ochse und Esel dazu bei, die Geschichte zu modernisieren?

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