Wo bleibt der Advent?

Es ist natürlich schön, in einem Land leben zu dürfen, in dem Milch und Honig fließen. (Fast) allen ist (fast) alles verfügbar. Die Notwendigkeit, sich Wünsche auf später aufzusparen, besteht nur noch bei größeren Anschaffungen. Das meiste andere: alles da. Supermärkte halten die Türen bis weit in den Abend offen, Weihnachtsstimmung inklusive. Verständlich, dass man da gern ein bisschen tiefer in die Tasche greift. Was nicht gebraucht oder nicht mehr gemocht wird, landet einfach im Müll. Täglich übrigens soviel Brot, wie die Stadt Graz an einem Tag benötigt. Was ich will, bekomme ich. Wenns sein muss, sofort. So haben wir es von klein auf gelernt, so ist es schon lange Standard in unserem Land. Eltern geben die Erfahrung an ihre Kinder weiter. Warum sollen die Kleinen verzichten, wir haben ja auch alles und überhaupt: das Gejammere, wenn sie etwas nicht bekommen, ist ja wirklich nicht auszuhalten.

Verhaltensmuster sitzen tief. Leicht werden sie auch auf Beziehungen übertragen. Was ich will, das hast du mir zu geben. Zur Gänze und sofort. Jede Weigerung wird als persönlicher Affront gegen mich aufgefasst und kann die Beziehung zum Zerreißen bringen.

Die Gewohnheit, immer alles sofort zur Stelle zu haben, kann auch kriminell machen. Wenn Menschen verlernt haben, auf etwas zu warten, wenn sie es nicht schaffen, Begehrlichkeiten und Begierden zurück zu stellen, dann kann Gefahr in Verzug sein. Die massiv aufgetretenen Kriminalfälle der letzten Zeit können ein Hinweis darauf sein. Um mein Ziel zu erreichen, und sei es der Mord an einem Menschen, ist mir jedes Mittel recht. Schließlich steht er mir im Wege.

Die Zeit vor Weihnachten war früher einmal die Zeit der Vorbereitung auf das Fest. Mit einigen bewussten Opfern des Verzichtes, um das Fest besonders schön zu erleben. Solche Dinge scheinen außer Mode heutzutage. Ich finde das mehr als schade, aber auch bedenklich. Immer alles zur Verfügung zu haben, jeden Tag als Feiertag leben zu können, verringert nicht nur die Festtagsfreude, sondern kann gefährlich sein für die gesamte Gesellschaft. Weil Menschen dadurch dazu neigen, ihren Genuss, ihren Willen und ihr Wollen in den Mittelpunkt allen Lebens zu stellen und vergessen, dass es noch mehr gibt als sie selbst.

Die immer prunkvolleren Lichterketten an den Häusern und Geschäften machen mich in dieser Hinsicht nachdenklich und werfen die Frage auf: wo bleibt der Advent??!

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