Bewegung auf dem Geldmarkt

Geldgeschäfte sind geheim. Als top secret gilt bei uns, wie viel jemand auf der hohen Kante hat oder wie tief er in der Kreide steckt. Geld ist tabu, fast so wie das Liebesleben. Und doch kommt niemand drum herum, über beides zumindest nachzudenken. Wen mache ich zu meinem Gegenüber, wie gehe ich mit ihm um. Wieviel vertraue ich ihm an, wieviel kann ich mir entleihen. Fragen, die für beide Bereiche stimmen: das Geld und das Beziehungsleben. Garantien gibt es ebenfalls nur sehr bedingt. Beziehungen können brechen, Banken können pleite gehen. Kluge Menschen lernen aus Misserfolgen. Sie starten einen neuen Versuch, sind aber vorsichtiger geworden. Bei der Wahl der Bank, aber auch bei der neuen Partnerschaft.

Bei den Geldgeschäften neigen immer mehr dazu, herkömmlichen Banken ihr Vertrauen zu entziehen. Zu vieles ist passiert, die Beziehung ist brüchig geworden. Würstel und ein Seiterl am Weltspartag können den Riss nicht mehr ausreichend kitten. Berichte über mehr als fragwürdige Beteiligungen, Gerüchte über schwindelnd hohe Geldflüsse an Personen, mit denen man als normaler Mensch lieber nichts zu tun haben möchte, das Wissen über Millionen und Abermillionen Euro, die in den Sand gesetzt wurden, haben das Vertrauen kleiner Sparer und Anleger tief erschüttert. Mit lächerlich niedrigen Zinsen auf ihren Sparbüchern müssen sie die Zeche zahlen, so ihr schwer zu widerlegender Eindruck.

Was tun sie? Sie halten nach Alternativen Ausschau. Lieber investieren sie ihre kleinen Vermögen in überschaubare Projekte. In Firmen, deren Manager sie kennen, deren Ansichten sie teilen. In Ideen, die auch die ihren sind. Windkraftwerke können solche sein, oder Betriebe, die den Gedanken Bio hochhalten oder Unternehmen auch, die Menschen Arbeit geben und dadurch eine Region am Leben halten. Wie der Unternehmer Heini Staudinger zum Beispiel. Er gibt durch seine Schuhfabrik vielen Menschen im Waldviertel Arbeit und Hoffnung. So sehr, dass ihm Leute sogar ihr Geld anvertrauen, mit dem er den Betrieb weiter ausbaut. Stop, ruft jetzt der Staat dazwischen. Solche Finanzierungen sind ihm nämlich nicht erlaubt. Sie seien nur den Banken vorbehalten. Genau den Banken aber, vor denen kleine Sparer einen immer größeren Bogen machen. Sie wollen und sollen selbst entscheiden dürfen, wem sie ihr Geld anvertrauen. Der Staat verweist auf den durch die Finanzmarktaufsicht garantierte Sicherheit der Bankeinlagen. Die Pattstellung hat es auf die Titelseiten geschafft.

Wir von der KA wünschen uns einen Kompromiss. Eine wie immer geartete Möglichkeit, dass es gesetzlich möglich wird, sein Geld so und dort anzulegen, wo man selbst es für sinnvoll hält. Wir möchten nicht, dass Unternehmen zusperren müssen, weil sie auf einem Finanzmodell basieren, das (noch) nicht legal ist, das aber den Bedürfnissen breiter Schichten entgegen kommt. Wie schreibt Christine Haiden am Schluss ihrer jüngsten OÖN Kolumne „Haiden am Donnerstag“: „Man kann Staudinger und Co. sicher noch einige Zeit kanifeln und verhindern, aber die Welle der Veränderung dürfte mächtiger sein, als manche glauben wollen“.

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3 Kommentare zu “Bewegung auf dem Geldmarkt

  1. Stimme dem Beitrag voll und ganz zu (obwohl ich einen Banker als Mann habe!). War auch von Christine Haidens Artikel in den OÖN begeistert! Lieber Bert, werde vielleicht demnächst an dich (und viele andere auch) herantreten mit Ideen, mit denen ich auch in diese Richtung unterwegs bin
    .

  2. Die diskriminierende Behandlung der normalen, ehrlichen Sparer in unseren Banken, Raiffeisen- und Sparkassen durch Sparzinsen unter einem Prozent und weit unter der Inflationsrate ist gesellschaftspolitisch zerstörerisch und demoralisierend.

  3. Nach den gewaltigen Kosten – die wir alle tragen – die das Casinospiel der Finanzmärkte in den letzten Jahren mit sich gebracht hat ist es wirklich irrwitzig, dass die Finanzmarktaufsicht hier aktiv wird während Bankgeschäfte immer noch viel zu wenig kontrolliert werden. Banken werden gerettet und Alternativen des regionalen Wirtschaftens werden abgedreht. Es braucht ein klares Wort der Politik im Sinne eines regionalen und nachhaltigen Wirtschaftens und gegen die Diktatur der Finanzmärkte. „Wo Recht zu Unrecht wird – wird Widerstand zur Pflicht!“

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